
Knapp ein Dreivierteljahr nach dem Zusammenbruch der Hotelbetreibergruppe Revo Hospitality aus Berlin ist für die Mehrzahl von 178 insolventen Unterkünften eine Lösung gefunden. 154 sollen bis Anfang Oktober an neue Investoren oder Betreiber übergeben werden, teilen die Sanierungsgeschäftsführer Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn mit. Für Gäste und Beschäftigte bedeutet das, dass fortan meist andere Markennamen an den Hotels hängen werden.
Die insolvente Revo-Gruppe hatte Häuser unter der eigenen Linie H-Hotels geführt und als Betreiber für Konzerne unter Marken wie Steigenberger, Dorint, Mövenpick, Ibis und Intercity-Hotel. Neben der herausfordernden Marktlage in der Hotellerie, die unter gestiegenen Kosten leidet, hatten ein hastiges Wachstum und ein sehr heterogenes Portfolio mit Standorten vom Zwei- bis zum Fünf-Sterne-Segment zur Insolvenz beigetragen.
125 Hotels seien nun verkauft, berichtet de Bruyn, für 29 stehe die Unterzeichnung der Verträge bevor. „In nur rund acht Monaten konnten wir mit dieser Sanierung den weit überwiegenden Teil der vormals von der Revo-Gruppe betriebenen Hotels und damit auch die meisten der 5450 Arbeitsplätze in den Hotels erhalten“, betont Geiser.
Inder übernehmen 29 Hotelstandorte
Das größte Einzelsegment aus dem Portfolio hat sich mit 29 Hotels die indische Prism-Gruppe gesichert. Der Konzern mit international mehr als 20.000 Standorten nutzt das Revo-Aus, um seine Hoteleigenmarken Sunday und Belvilla in Deutschland einzuführen. Die israelische Fattal-Gruppe verstärkt als zweitgrößter Einzelinvestor ihre Hotelmarke Leonardo um 22 Standorte.
Neu in der deutschen Hotellerie werden die ebenfalls aus Israel stammenden Brown-Hotels sein, die acht insolvente Betriebe unter anderem in Mönchengladbach und Leipzig fortführen. Der Name der Budgethotelkette B&B wird an zwölf Häusern zu sehen sein, die bisher im Revo-Betrieb als H-Hotels, Ibis Styles oder Vienna House auftraten. Die deutsche Motel-One-Gruppe übernimmt neun Hotels.
Damit gehen 81 Hotels an Konzerne, für 73 wurden Einzellösungen gefunden. Mitunter führen Immobilieneigner die Hotels selbst fort, statt sie wieder einer Betriebsgesellschaft anzuvertrauen. Für 15 Hotels gibt es indes keine Zukunft. Für einen Fortbestand wären laut de Bruyn zu hohe Investitionen, beispielsweise in den Brandschutz, nötig gewesen. Für neun Standorte hoffen die Sanierungsgeschäftsführer noch auf verzögerte Lösungen. Der Weg dorthin ist komplex, da eine Vielzahl von Beteiligten – Gläubiger, Immobilieneigner, Betreiber, Markengeber – eingebunden werden muss.
Und nicht jeder Übergang eines Hotels erfolgt konfliktfrei. Die indische Prism-Gruppe verbindet ihren Einstieg mit einem Stellenabbau. „Da Prism die Digitalisierung vorantreibt, sollen dort Arbeitsplätze gestrichen werden“, räumen die Sanierungsgeschäftsführer ein. Es gehe aber nicht um 500 Stellen, wie von der Gewerkschaft NGG behauptet, sondern um weniger als 250.
