John Joseph Prevost, der ältere Bruder von Papst Leo XIV., hat in einem Interview Einblicke in die gemeinsame Kindheit im Haus der Familie in Chicago sowie auch über sein gegenwärtiges Verhältnis zum Oberhaupt von weltweit rund 1,4 Milliarden Katholiken gegeben. Das Interview des italienischen Privatsenders Mediaset wurde in Chicago geführt und anlässlich des 71. Geburtstags von Papst Leo XIV. am 14. September ausgestrahlt.
Obschon er um den vollen Terminkalender und die zahlreichen Verpflichtungen des Papstes wisse, rufe er seinen Bruder Robert Francis, heute bekannt als Papst Leo, regelmäßig an – auch mit alltäglichen Bitten. Als er sich kürzlich einen neuen Computer gekauft habe und das Gerät nicht zum Laufen habe bringen können, habe er sich Rat beim technikaffinen jüngeren Bruder geholt. „Er hat mir genau erklärt, wie ich das Problem lösen konnte.“ Auch bei der Steuererklärung des vergangenen Jahres habe ihm der jüngere Bruder – eine Art Alleskönner – mit Rat und Tat beigestanden. „So ist er eben. Er kennt sich mit vielen Sachen gut aus.“
John Joseph Prevost berichtete auch von den Sommerferien, die er im vergangenen Juli gemeinsam mit seinem Bruder in der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo verbrachte. „Wir lagen am Pool, haben auf den Liegestühlen ein Nickerchen gemacht und ein Buch gelesen. Wir haben ferngesehen, sind schwimmen gegangen. Und er hat uns zu einigen Klöstern mitgenommen, die er von Castel Gandolfo aus besucht hat.“ Einige Tage habe er mit seinem Bruder auch in Rom verbracht: „Er hat uns gezeigt, wo er im Vatikan wohnt.“ Leo XIV. hat die seit vier Jahrhunderten bestehende Tradition der päpstlichen Sommerfrische in der Residenz am Albaner See wieder aufgenommen, die sein Vorgänger Franziskus unterbrochen hatte.

Die Sommerferien ihrer Kindheit pflegten die Prevost-Brüder Louis Martín, John Joseph und Robert Francis mit ihren Eltern in einer Hütte am Michigansee zu verbringen. Einmal habe der Hund der Familie seinen Kopf in einen Bienenstock gesteckt, worauf ein Schwarm Bienen den Hund und die drei Jungen angegriffen und verfolgt habe. „Noch heute müssen wir darüber lachen, wie wir versucht haben, die Bienen davon abzuhalten, uns bis in unsere Hütte zu verfolgen.“ Die drei Prevost-Brüder seien „ganz normale Kinder“ gewesen: „Wir stritten uns wie alle anderen auch, aber wir hielten auch sehr eng zueinander. Wir spielten auf der Straße Baseball und Football.“
„Ich glaube, unsere Mutter wäre sehr stolz auf ihn“
Allerdings habe sein jüngerer Bruder Robert Francis schon mit fünf Jahren den Text der Heiligen Messe auswendig aufsagen können. Eine Mutter aus der Nachbarschaft habe dem Jungen prophezeit, dass er einmal „der erste amerikanische Papst werden“ würde.
Über ihre 1990 im Alter von 78 Jahren verstorbene Mutter Mildred Agnes sagte John Joseph Prevost: „Sie würde gewiss nicht herumstolzieren und prahlen: ‚Mein Sohn ist der Papst.‘ Aber ich glaube, sie wäre sehr stolz auf ihn, würde es ihm zu verstehen geben und ihm sagen, dass sie ihn in ihre Gebete einschließe.“ Mildred Agnes Prevost war Bibliothekarin, der Vater Louis Marius Prevost (1920 bis 1997) war Lehrer und leitete später einen Schuldistrikt in Chicago.
John Joseph Prevost, Jahrgang 1953, ist der mittlere der drei Brüder. Er trat in die Fußstapfen des Vaters und wurde Schulleiter. Der 1951 geborene älteste Bruder Louis Martín war viele Jahre bei der Navy und später IT-Spezialist. Robert Francis Prevost, der heutige Papst, kam 1955 zur Welt.
Zum Abschluss des Fernsehinterviews sagte John Joseph Prevost, er sei stolz auf seinen jüngeren Bruder, dass dieser mit der enormen Belastung seines Amts umzugehen verstehe. „Er kommt damit zurecht. Ich glaube, dass er mit einer Portion Humor, mit Kraft und Entschlossenheit die Welt zu einem besseren Ort zu machen und den katholischen Glauben auf der ganzen Welt zu stärken versucht.“
