Keine zwei Wochen nachdem sein Anwalt die Ermittlungen der National Basketball Association (NBA) als „eine Art von Hexenjagd“ bezeichnet und juristische Schritte gegen die Liga und ihre Strafmaßnahmen angekündigt hatte, hat der Eigentümer der Los Angeles Clippers überraschend eingelenkt.
Steve Ballmer, mit einem Privatvermögen von umgerechnet mehr als 135 Milliarden Euro reichster Teambesitzer im amerikanischen Profisport, übernahm in der Nacht zum Montag in einer schriftlichen Stellungnahme die Verantwortung für die ihm und den Clippers zur Last gelegten Regelverstöße gegen die Salary-Cap-Bestimmungen der Liga.
Gegen Ballmer war eine einjährige Sperre verhängt worden
„Das ist für jeden, der mit den Clippers verbunden ist, eine schwierige Zeit gewesen“, erklärte Ballmer in den sozialen Medien, der mit seinem Sinneswandel offensichtlich einen Schlussstrich unter den Skandal ziehen möchte. Auch wenn es „noch immer Meinungsverschiedenheiten über die Ermittlungsergebnisse“ gebe. Der 70-Jährige entschuldigte sich bei Fans, Angestellten und allen anderen NBA-Teambesitzern.

Zu den Strafen, die die Liga vor wenigen Tagen verhängt hatte, gehören eine einjährige Sperre für den ehemaligen Chefmanager des Tech-Konzerns Microsoft sowie eine Geldbuße von 30 Millionen Dollar (25,9 Millionen Euro) und der Entzug von fünf Erstrunden-Draft-Picks für die NBA-Franchise. Weitere Sperren wurden von der NBA gegen zwei leitende Clippers-Angestellte verhängt, die aktiv an der Einfädelung und Abwicklung der Regelverstöße beteiligt waren.
Leonard selbst hatte bereits vor der Bekanntgabe der Ermittlungsergebnisse mit der Spielergewerkschaft an seiner Seite eine Einigung mit der Liga erzielt und war auf diese Weise vergleichsweise günstig davongekommen. Seine Buße beträgt gerade mal 700.000 Dollar (605.000 Euro). Ihm wurde nicht mal, wie in anderen Fällen geschehen, der laufende Vertrag fristlos gekündigt.
Sein derzeit einziges Problem: Zwar hatten die Clippers und Leonards altes Team, die Toronto Raptors, bereits vor Wochen ein Spielertausch-Paket verabredet, das ihn zur kommenden Saison nach Kanada expediert hätte. Doch diese Abmachung liegt derzeit auf Eis.
Dem Basketballer und den Clippers drohen jedoch womöglich unabhängig von den Liga-Sanktionen ernsthafte juristische Probleme. Einem Bericht der „New York Times“ vom Donnerstag zufolge hat die Bundesdistriktstaatsanwaltschaft in Brooklyn, die einst den FIFA-Betrugsskandal aufgedeckt und zuletzt Anklagen wegen Wettbetrugs gegen NBA-Spieler erhoben hatte, mit eigenen Ermittlungen begonnen.
Erhärtet sich, was die NBA-Ermittler herausgefunden hatten?
Das Interesse der Behörden an der Materie bedeutet nicht zwangsläufig, dass es zu Strafverfahren kommt. Doch die Strafverfolger verfügen über weitreichendere Befugnisse als etwa die Ermittler der NBA: Sie können Dokumente beschlagnahmen und Zeugen unter Eid vernehmen und auf diese Weise womöglich Beweise erheben, die eine Anklage rechtfertigen könnten.
Etwa dann, wenn sich erhärtet, was die NBA-Ermittler herausgefunden hatten: dass alle finanziellen Transaktionen mithilfe von Firmen umgesetzt wurden, die als Zulieferer und Dienstleister am Bau der neuen Clippers-Arena in Inglewood beteiligt waren, die 2024 eröffnet wurde. Eine Geschäftsbeziehung, die, zumindest theoretisch, den Weg für verdeckte Zahlungen ermöglicht hätte und damit das Delikt der Geldwäsche erfüllen könnten.

Steven Ballmer sieht sich darüber hinaus mit zivilrechtlichen Ansprüchen von Anteilseignern des in Konkurs gegangenen Start-ups namens Aspiration konfrontiert. Die Firma hatte Investoren in ganz Amerika mehrere Jahre lang mit ihren Öko-Bank- und Klimaschutz-Ambitionen geködert.
Der Clippers-Eigentümer fand in Aspiration und seinem inzwischen zu vierzehn Jahren Haft verurteilten Gründer Joe Sanberg nicht nur einen Sponsor für das Team. Er erwarb persönlich nach und nach Anteile von insgesamt 60 Millionen Dollar (51 Millionen Euro), was dem Unternehmen den Anstrich einer seriösen Geschäftsidee gab.
Dadurch habe sich Ballmer „mitschuldig“ gemacht, behaupten die Kläger, und Beihilfe zu jenem finanziellen Schaden geleistet, den sie erlitten hatten. Bislang hatte sich der Clippers-Besitzer konsequent mit der Behauptung verteidigt, auch er sei von Sanberg und Aspiration betrogen worden.
Die Anschuldigungen in der Zivilklage spiegelten einen Teil der Indizien wider, die der New Yorker Sportjournalist Pablo Torre seit September 2025 in zahllosen Folgen seines Podcasts „Pablo Torre Finds Out“ zusammengetragen hatte. Recherchen, die die NBA dazu veranlasst hatten, eine Anwaltskanzlei mit der Untersuchung der Vorwürfe zu beauftragen. Und aufgrund deren Torre im Mai den Pulitzer-Preis erhalten hatte.
