Stolz stehen Renate und Gerd Wohlfahrt vor ihrem Opel Admiral aus dem Jahr 1938. Nach vierjähriger Arbeit hat Gerd Wohlfahrt das weinrot lackierte Fahrzeug in den Neuzustand gebracht. Weltweit gibt es von diesem Fahrzeug noch etwa 50 Exemplare, die Cabrios sind noch seltener. Opel hat zwar rund 6400 Admiral dieser Baureihe produziert, die meisten wurden damals jedoch von der Wehrmacht beschlagnahmt und im Krieg verschlissen. Wohlfahrts Fahrzeug fand sich in Russland und kam vor einigen Jahren über Estland und Litauen nach Deutschland. Wohlfahrt, ein Leben lang Opelaner, griff zu und restaurierte den seltenen Admiral. Beim Klassikertreffen war er eines der wenigen Vorkriegsfahrzeuge und ein besonderer Hingucker. Ein Opel-Diplomat und ein Kapitän stehen ebenfalls in Wohlfahrts Garage. In den Sommermonaten sind er und seine Frau stilecht gekleidet auf vielen Oldtimertreffen unterwegs.
Seit 2001 haben Wohlfahrt und seine Frau kaum ein Rüsselsheimer Klassikertreffen ausgelassen. „Im Park war es schöner“, erinnern sie sich an die Veranstaltungen, bei denen die alten Fahrzeuge im Verna-Park zwischen Bäumen und blühenden Blumen standen. Die Besucher hätten die frei stehenden Autos besser anschauen können. In der Opel-Werkshalle sei es eng und zu dunkel, „aber wenigstens trocken“, tröstet sich Wohlfahrt über den verregneten Sonntag hinweg.

Der Regen hat wohl auch einige Oldtimerbesitzer, die vorher in der Halle einen Platz reservieren mussten, abgehalten. Im vorderen Bereich waren rund 40 Plätze frei.
Vorkriegsfahrzeuge waren dieses Jahr selten. Die hat man bei früheren Klassikertreffen öfter gesehen. Diesmal dominierten die Autos aus den Sechzigerjahren bis hin zur Jahrtausendwende. So wie das Golf I-Cabrio von Marcel Müller aus Ginsheim-Gustavsburg. Sein Auto steht, wie alle anderen Autos auch, mit dem Heck an der Wand der 260 Meter langen Halle. Ein fast hundert Jahre alter Ort: Sie wurde 1931 gebaut und bis 2021 wurden dort unter anderem Kolben für verschiedene Opel-Modelle hergestellt.
Oberbürgermeister Patrick Burghardt will das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in den kommenden Jahren für besondere Veranstaltungen nutzen und die Halle für die Öffentlichkeit zugänglich machen. „Wir werden im Opel-Altwerk noch viele Dinge anstoßen“, verspricht er. Das Klassikertreffen hat die Stadt gemeinsam mit Opel-Classic organisiert, der Traditionssparte des Autoherstellers. Sie pflegt die historische Markengeschichte, betreut das hauseigene Archiv und verwaltet eine Sammlung klassischer Fahrzeuge. Einige davon wurden beim Oldtimertreffen präsentiert, wie die legendären Ascona- und Manta-Rallyewagen. Mit dem Ascona A hatten Walter Röhrl und Christian Geistdörfer 1982 die Rallye-Weltmeisterschaft gewonnen und Opel ein sportliches Image beschert.

Die Opel-Fahrzeuge dominierten beim Klassiktreffen sowohl in der Halle als auch draußen auf den Parkplätzen. Aber auch andere automobile Preziosen wie zwei Citroen DS-Cabrios, eine Wellblech-Ente, ein Mercedes 300 SL-Cabrio oder eine brüllende Cobra sowie einige mit riesigen Heckflossen bestückte amerikanische Straßenkreuzer reihten sich in die Ausstellung ein. Das besondere Interesse der Besucher und ihrer Handys galt aber dem Opel-Raketenwagen RAK II, mit dem Fritz von Opel 1928 mit fast 240 Stundenkilometer einen Geschwindigkeitsrekord auf der Berliner Rennstrecke Avus aufstellte. Ebenso sehenswert: Der knallgelbe Kleinlieferwagen Opel 1,2 Liter von 1933, der mit seinem 23 PS einem Nürnberger Opel-Haus viele Jahre gute Dienste leistete.
Das einst größte eintägige Klassikertreffen Deutschlands, zu dem vor Corona bis zu 1500 alte Fahrzeuge und mehr als 20.000 Besucher kamen, muss sich nach einigen Wirren neu erfinden. Der Verna-Park und die Mainwiesen stehen nach Intervention der Naturschutzbehörden nicht mehr zur Verfügung. Das Treffen vor zwei Jahren in der Rüsselsheimer Fußgängerzone fiel ins Wasser. Es regnete und die Oldtimerbesitzer beklagten das Flair in der Innenstadt. 2025 gab es kein Klassikertreffen.
Im alten Opel-Werk wagen die Veranstalter einen Neuanfang. Für das kommende Jahr habe er noch einige neue Ideen, kündigte der Oberbürgermeister an. Die Beschränkung auf 450 Fahrzeuge auf der offiziellen Ausstellungsfläche und vor allem die Voranmeldung mit Platzreservierung hat für viel Kritik gesorgt. Oldtimerbesitzer entscheiden oft spontan und vor allem nach Wetterlage, ob sie zu einem Treffen fahren oder ihre wertvollen Autos lieber in der trockenen Garage lassen. Eine Voranmeldung ist da eher kontraproduktiv.
In Gesprächen mit Oldtimerbesitzern wird immer wieder das Bedauern über das Verbot der Veranstaltung auf den Mainwiesen und im Park deutlich. Damals kamen oft Oldtimer-Klubs aus ganz Deutschland nach Rüsselsheim, parkten ihre Fahrzeuge im Park im Halbrund und stellten einen Campingtisch und Stühle davor. Das alles fehlt seitdem ebenso wie die meisten Markenclubs. Mit knapp 6000 Besuchern kam nur ein Viertel dessen, was früher üblich war. Es mag am regnerischen Wetter gelegen haben. Die Veranstaltung mit vielen interessanten Einblicken in die Automobilkultur hat jedenfalls noch Luft nach oben.
