
Die Messe Frankfurt hat ihr Interesse bekundet, die geplante Multifunktionsarena nach Fertigstellung zu betreiben. „Wir freuen uns auf die Multifunktionsarena“, sagte Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung, auf Anfrage der F.A.Z. und fügte hinzu: „Das ist eine Supernachricht für Frankfurt, die Attraktivität der Stadt wird davon profitieren, die ganze Region. Die Messe ist sehr daran interessiert, den Hut dafür in den Ring zu werfen, sobald das Ausschreibungsverfahren eröffnet ist.“
Marzin zerstreute mit seinen Worten Bedenken, dass die Messe die Multifunktionsarena als unliebsame Konkurrenz für die Festhalle ansehen könnte, wo doch beide Veranstaltungsorte künftig um die Künstler im Wettbewerb stehen könnten. „Es gibt viele Städte vergleichbarer Größe, die zwei Multifunktionshallen vorweisen können“, sagte Marzin. „Wir als Messe können aufgrund unserer Erfahrung in aller Welt zu 100 Prozent bestätigen, dass eine solche Investition sinnvoll ist und die gewünschten Vorteile für Frankfurt bringt.“
Eine Modernisierung oder gar Erweiterung der Festhalle als Option statt des Baus einer neuen Multifunktionsarena schlossen Schildt wie Marzin als Lösung aus. Einen solchen Vorschlag hatte der Konzertveranstalter Marek Lieberberg, einst mit seinem eigenen Unternehmen der größte deutsche Konzertimpresario, mittlerweile seit einem Jahrzehnt Teil des amerikanischen Unterhaltungsgiganten Live Nation und Geschäftsführer des deutschen Ablegers, im Dezember 2024 in der F.A.Z. ins Spiel gebracht.
Festhalle als Option ausgeschlossen
Marzin stellte unabhängig von den Denkmalschutzauflagen für die Festhalle klar, dass die Messegesellschaft die „Gudd Stubb“ weiterhin für ihr eigentliches Geschäft benötige und beispielsweise eine ständige Nutzung als Sportarena gar nicht möglich wäre. An der Attraktivität der Festhalle werde sich durch die neue Option, die nach dem Willen der Stadtverordnetenversammlung und der Sportpark Stadion Frankfurt GmbH (SSF) als federführender Gesellschaft spätestens in einem halben Jahrzehnt auf dem Parkplatz P9 des Waldstadions eröffnet werden soll, nicht zwingend etwas ändern.
Im Haushalt der Stadt sind gemäß eines Anfang 2025 verabschiedeten Grundsatzbeschlusses 256 Millionen Euro dafür vorgesehen. Nach ersten Bodenuntersuchungen wurde kürzlich die Generalplanung an das international agierende Planungsbüro Populous vergeben. Im Herbst 2027 soll die Ausschreibung für einen Totalunternehmer als nächster entscheidender Schritt abgeschlossen werden. Der Betreiber wird zu einem noch späteren Zeitpunkt gesucht. Die Stadt hat unterdessen im Mobilitätsdezernat vier Verkehrsexperten eingestellt, die bereits Lösungen für ein Verkehrskonzept erarbeiten sollen für den Fall, dass in der Multifunktionsarena wie auch im Stadion zeitgleich Veranstaltungen stattfinden.
Gerade für solche Szenarien paralleler Veranstaltungen sieht sich die Messe laut Marzin gut gerüstet. Besonders durch die Vermarktung der Festhalle habe die „Venue Business Unit“ der Messegesellschaft viel Erfahrung und das entsprechende Personal. Zudem wisse man dort angesichts von 300 internationalen Veranstaltungen, was die Hallenmieter an Strom, Wasser oder Logistik benötigten.
Christine von Schildt, die für Venue, Infrastructure Services and Utilities zuständige neue Geschäftsführerin der Messe Frankfurt, spricht sich klar für einen Betrieb der Halle in lokaler Verantwortung aus. „Think global, act local“, sagt sie. Die Multifunktionsarena brauche einen Betreiber mit weltweitem Netzwerk, es sei aber gut, wenn er in Frankfurt zu Hause sei.
Auch Eintracht Frankfurt will die Arena betreiben
Das Interesse der Messe begründet Marzin mit dem Auftrag der Gesellschaft, im Dienst der Wirtschaftsförderung tätig zu sein. Die Messe, die zu 60 Prozent der Stadt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört, gibt sich dabei offen für Kooperationen, bevorzugt mit Partnern aus Frankfurt oder der Region. Dann könne man Kompetenzen bündeln und das Projekt stärken. So sei auch die Frankfurter Eintracht ein denkbarer Partner.
Die Eintracht hatte ebenfalls Interesse bekundet, die Multifunktionsarena zu betreiben, durch die Vermarktung des Stadionsommers mit bis zu zwei Dutzend Veranstaltungen in der bundesligafreien Zeit hat auch sie reichlich Erfahrung im Konzertgeschäft. Zudem hat die Eintracht AG kürzlich zehn Prozent der Anteile der Löwen Frankfurt erworben, der Eishockeyklub ist neben den Basketballern der Skyliners mit regelmäßigem Spielbetrieb als einer der beiden Hauptmieter der Halle vorgesehen.
SSF-Geschäftsführer Moritz Schneider verdeutlichte im F.A.Z.-Interview kürzlich, dass der Betrieb der Multifunktionsarena ein anderes Business sei als die Vermarktung des Stadions. Trotz der Einschränkung des Betriebs durch die Verpflichtungen für die beiden Sportteams erwartet er aber einige Bewerbungen. „Ich bin sicher, dass es sehr renommierte Betreiber gibt, die sich dafür interessieren“, sagte Schneider.
