
Passanten vermuten nicht selten, dass es sich bei den massiven Betonvorrichtungen am Rand des Paulsplatzes um Schutzvorrichtungen gegen Terroranschläge handelt. Schließlich befindet sich in nur wenigen hundert Metern Entfernung der Eingang zur Frankfurter Paulskirche, einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Stadt. Tatsächlich sind die Betonfundamente errichtet worden, um den Straßenbahnverkehr auf der Braubachstraße zu sichern – was durchaus mit der Paulskirche zu tun hat.
Seit 1906 ist die Querverspannung für die Oberleitung der Straßenbahn, in der der Fahrstrom fließt, an zwei Punkten an der Turmfassade der Paulskirche befestigt. Verankerungen in rund fünf Metern Höhe, die kaum jemandem in der Vergangenheit aufgefallen sein dürften. Bei einer routinemäßigen Überprüfung der Statik dieser sogenannten Wandanker im Oktober vergangenen Jahres hat sich herausgestellt, dass die Halterungen in der Fassade inzwischen porös sind und diese das nicht unerhebliche Gewicht der Oberleitung nicht mehr würden halten können. „Sie mussten aus Sicherheitsgründen im Oktober entfernt werden“, hat kürzlich das Verkehrsdezernat den Stadtverordneten mitgeteilt.
In jedem anderen Fall, sagen Kenner der Straßenbahnmaterie, hätte man die Halterungen mit ein wenig Putz und Beton wieder an der Fassade befestigt, wie andernorts in der Stadt auch. Doch dieses Vorgehen verbietet sich bei der unter Denkmalschutz stehenden Paulskirche. So hat die für die Straßenbahnen zuständige Verkehrsgesellschaft Frankfurt die beiden rund sieben Meter hohen Masten als Provisorien aufgestellt und über die Betonfundamente stabilisiert.
„Das ist aus technischer Sicht keine dauerhafte Lösung und auch aus städtebaulicher Sicht ist die derzeitige Situation am Paulsplatz nicht zufriedenstellend“, teilte das Verkehrsdezernat mit. Das Denkmalamt der Stadt Frankfurt bemängelt die Situation und hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen eingeschaltet. Schließlich ist der Paulsplatz zusammen mit der Paulskirche ein geschütztes historisches und städtebauliches Ensemble.
Wie zu hören ist, hat es am 18. August einen Ortstermin aller Beteiligten gegeben. Bis heute liegt aber wohl noch kein Protokoll vor, schon gar nicht ein Vorschlag, wie es mit den Querverspannungen für die Oberleitung der Straßenbahn weitergeht. Ob die beiden Wandanker am Turm der Paulskirche wieder angebracht werden können, sei derzeit noch offen, so die Auskunft des Verkehrsdezernats. Gesucht werde nach einer „zeitnahen Lösung“.
Einfach ist die Situation nicht, schließlich soll die Paulskirche in absehbarer Zeit saniert werden, insbesondere soll es Arbeiten an der auch schadhaften Fassade geben. Zudem treibt die Stadt Frankfurt den Bau eines Hauses der Demokratie in der Nachbarschaft zur Paulskirche und möglicherweise unter Umgestaltung des Paulsplatzes voran. In Rede steht ein Baubeginn 2028/2029.
