Der „hockende Hund“ hat keine Herrchen gefunden. Offenbar versagte ihm zu oft der Kreislauf. Das 1929 von Siemens & Halske entwickelte Telefon erinnert tatsächlich an die Silhouette eines sitzenden Hundes. Es hat ein elegantes, futuristisches Design, ein Standgehäuse aus schwarzem Bakelit mit weißer Wählscheibe. Doch darin lag auch der Nachteil. Wegen der großen Hörmuschel, gewissermaßen dem Hundekopf, kippte das Telefon ständig um. Deshalb ging es gar nicht erst in Serie. Nur wenige Exemplare haben überlebt und ihren Weg ins Museum gefunden.

Eines ist in der neuen Ausstellung „Design-Ikonen der Mediengeschichte“ des Frankfurter Museums für Kommunikation zu sehen. Sie fragt nach der Wechselwirkung zwischen Design und Kommunikation: Wie wurden aus technischen Geräten Massenmedien? Warum war das Design oft ausschlaggebend für den Erfolg? Und wo blieb die Funktion, wie beim „hockenden Hund“, auf der Strecke? Diesen Fragen geht die Pop-up-Ausstellung anhand ausgewählter Design-Objekte aus eigenen Beständen und Exponaten nach. Sie sind in die Dauerausstellung „Mediengeschichte neu erzählt“ eingebettet und dienen als Beitrag zum Auftritt der World Design Capital.

Ein gewisses Augenzwinkern bringt die Auswahl mit sich. Denn vieles, was heute als Design-Ikone gilt, war technisch ein Flop. Auch das Siemens Xelebri verschwand schnell wieder vom Markt. Anders als der „hockende Hund“ schaffte es Xelebri 2003 zwar in die Serienproduktion. „Aber es war schwer zu bedienen“, sagt Melinda Aldemir, die die Ausstellung mit Projektleiterin Corinna Engel kuratiert hat. Und nicht nur das: Die optische Mischung aus Kosmetikartikel und Tamagotchi-Ei sorgte für reichlich Spott.
Gleich im Foyer fällt das leuchtend rote Ericofon auf, das wegen seiner Form auch „Kobra“ genannt wurde. 1956 von Ericsson aus Schweden auf den Markt gebracht, lässt es skandinavischen Minimalismus erkennen. Zwischen weiteren kuriosen Apparaten wie einem „Elefantenfuß“ aus Holz ist ein Objekt zu sehen, das weniger für Spott als vielmehr für einen historischen Durchbruch sorgte: Gemeinsam mit dem damaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden René Obermann stellte Steve Jobs am 19. September 2007 in Berlin das erste iPhone in Kooperation in einer Markenpartnerschaft vor.
Es veränderte die Art, wie Menschen kommunizieren, grundlegend: mit seinem puristischen Design, so wie mit seiner umstrittenen Funktion als universelles Medium für Telefonate, E-Mails, Chats, Fotografie, Film, Fernsehen und Arbeit. Mit ihm, könnte man sagen, ist der Homo digitalis überhaupt erst vollständig definiert worden.

In der Dauerausstellung lässt sich auch die Evolution der Computer von Apple nachvollziehen: vom Apple II Europlus von 1979, einem großen Heimcomputer mit ausgelagerter Hardware, über den Apple Macintosh 128k von 1984 mit integriertem Diskettenlaufwerk, bis zum iBook, das von 1999 an in popkulturellen Serien und Filmen zum Einsatz kam. Carrie Bradshaw aus „Sex in the City“ etwa schrieb darauf Kolumnen.
Dass Steve Jobs (1955 bis 2011), seinerzeit Frutarier, den schlichten Namen Apple für seine Produkte wählte, erscheint naheliegend. Der angebissene Apfel als Logo werde häufig mit einem Wortspiel zwischen dem englischen „bite“ (Biss) und der Computereinheit „byte“ in Verbindung gebracht, so Kuratorin Aldemir, der zu jedem Objekt eine Anekdote einfällt.
Für Besucher ohne Führung gibt es limettenfarbene Bierdeckel, auf die Mona Breede und Susanne Saenger vom Frankfurter Gestaltungsbüro Studio Otenso prägnante Symbole wie eine Wählscheibe, aber auch manch abstraktes Symbol, gedruckt haben. Damit können Besucher die Objekte aufspüren und auf der Rückseite die jeweiligen Geschichten lesen.

Viele der Exponate spiegeln gestalterische und gesellschaftliche Umbrüche wider. In heutigen Wohnverhältnissen etwa wären Geräte wie die Konzerttruhe Kuba Komet von 1959/60 kaum noch denkbar. Sie nehmen viel Platz ein und sind, abgesehen vom Retrotrend in einigen Bars und Cafés, als Möbelstück für Fernsehen, Musik und Radio verschwunden. Damals galten sie als Statussymbole aus kostbarem Tropenholz.
Die Ausstellung zeigt mit dem Objekt VE 301 aber auch, wie ein Design-Objekt zum Propagandamittel werden konnte. Der Volksempfänger von 1933 bestand aus dem Werkstoff Bakelit, der deutlich günstiger war als die bis dahin üblichen Holzgehäuse. Das ermöglichte eine industrielle Serienfertigung. Die Botschaften des nationalsozialistischen Regimes erreichten so Millionen Haushalte.

Für die Pop-up-Ausstellung ist auch ein Objekt ausgewählt worden, das etwas aus der Reihe der Telefone und Truhen fällt: „Fridolin“, der knallgelbe VW-Lieferwagen der Deutschen Bundespost, der zwischen 1964 und 1974 Pakete durch deutsche Städte transportierte.

Viele Objekte zeigen, dass technische Revolutionen oft gelingen, wenn Design und Funktion Hand in Hand gehen. Das gilt für den legendären, schwarzen Telefonapparat „Modell Frankfurt“ von 1929 im Bauhausstil, den Harry Fuld bei einem Gestaltungswettbewerb als Gewinner vorstellte. Ebenso wie für das robuste Nokia-Mobiltelefon von 1999. Manch einer wird sich bei seinem Anblick an eine Runde Snake erinnern.
So sind in dieser kurzweiligen Ausstellung für Besucher jeden Alters Kommunikationsmittel dabei, die sie an ihre eigene Medienbiographie erinnern, damals wie heute. Gerade das macht die Auswahl mitsamt der Geschichten dazu interessant.
Wer wissen will, was es mit dem Schneewittchensarg, dem Elefantenfuß oder dem Milchbrötchen auf sich hat, der kann dies noch bis Ende des Jahres herausfinden.
