Wäre die Weltgeschichte anders verlaufen, wenn der deutsche Kaiser und der britische Thronfolger nicht gegeneinander gesegelt hätten? Ende des 19. Jahrhunderts trafen Wilhelm II. und der Prince of Wales mit ihren pompösen Segeljachten aufeinander – und dass sie verwandt waren, machte die Rivalität nur noch größer: Edward war der Onkel des 17 Jahre jüngeren Wilhelm. Queen Victoria war Edwards Mutter und Wilhelms Großmutter.
1893 segelten die beiden zum ersten Mal während der Cowes Week gegeneinander, des Höhepunkts im britischen Regattakalender. In Cowes, einer Kleinstadt auf der Isle of Wight vor der Südküste Englands, fanden reiche und adlige Skipper aus London einen geschützten Hafen, die Mannschaft rekrutierten sie unter den Fischern vor Ort. Dass Wilhelm zur Regatta persönlich aufkreuzte, hatte nicht nur damit zu tun, dass er seine Oma besuchen wollte. Er war besessen von dem Plan, eine Kriegsflotte aufzubauen, die der Royal Navy überlegen sein sollte. Die Regatta war also auch Propaganda, und der Zweikampf der beiden »sollte eine verhängnisvolle Auswirkung auch auf ihre politische Beziehung zueinander haben«, wie der britische Historiker John Röhl schreibt.
