
Es ist der erste große Schritt von Premierminister Andy Burnham zur Dezentralisierung des Landes. Die Labour-Regierung hat angekündigt, dass Bürgermeister in England künftig eine Steuer auf Übernachtungen in Hotels, Airbnb-Unterkünften und auf Campingplätzen erheben dürfen. Es ist die größte Maßnahme seit Jahrzehnten, die Städten und Gemeinden eine eigene Einnahmenquelle eröffnet.
Wirtschaftsverbände lehnen die Steuer indes vehement ab. Der Verband UK Hospitality, der die Gastronomie und Hotellerie vertritt, warnte, es würden bis zu 33.000 Arbeitsplätze gefährdet. Urlauber müssten 1,6 Milliarden Pfund Steuer zusätzlich zahlen. Allen Simpson, der Geschäftsführer von UK Hospitality, erwartet „wirklich katastrophale“ Folgen. Craig Beaumont von der Federation of Small Businesses bezeichnete die Pläne als Schlag ins Gesicht der Gastwirtschaftsbranche. Der Wirtschaftsverband CBI nannte Burnhams Pläne „enttäuschend“. Die Übernachtungssteuer werde negative Folgen haben und Hotels zusätzliche bürokratische Lasten aufbürden, während die Einnahmen relativ gering bleiben würden, meinte CBI-Steuerexpertin Alice Jeffries.
In England werden jährlich mehr als 130 Millionen Übernachtungen in Hotels verzeichnet. Die Regierung will den Bürgermeistern von 2028 an die neue Steuerkompetenz übertragen, kündigte Ministerin Angela Rayner an. Schottlands Regionalregierung machte dies schon 2024.
Londons Bürgermeister freut sich
Die meisten englischen Bürgermeister wollen die Steuer auf maximal fünf Prozent deckeln. Londons Bürgermeister Sadiq Khan begrüßte die neue Möglichkeit. „Ich unterstütze voll und ganz die Entscheidung der Regierung, uns nach jahrelanger Lobbyarbeit dieselben Befugnisse zu gewähren, die andere Städte haben, von New York bis Los Angeles, von Chicago bis Paris“, sagte der Labour-Politiker.
Auch einige deutsche Städte erheben Übernachtungssteuern. In Berlin beispielsweise beträgt diese 7,5 Prozent auf den Nettoübernachtungspreis, in Dresden sechs Prozent, in Köln und Leipzig fünf Prozent. Italiens Hauptstadt Rom verlangt vier bis maximal zehn Euro, je nach Anzahl der Sterne der Hotels. Die Stadt Paris erhebt von absoluten Nobelhäusern, sogenannten „Palace Hotels“, eine Übernachtungsabgabe von 15,93 Euro für Erwachsene, in Mittelklassehotels sind es 5,53 bis 8,45 Euro.
Laut einer Berechnung der Organisation Central London Forward könnte eine Abgabe von drei Prozent der britischen Hauptstadt jährlich etwa 350 Millionen Pfund Einnahmen bescheren. Hoteliers fürchten, dass steigende Übernachtungspreise Gäste abschrecken. Die fast 2000 Londoner Hotels umfassen ein breites Spektrum von Luxushotels, wo eine Übernachtung tausend Pfund kostet, bis zu einfachen Häusern.
„Unsere Kosten steigen ohnehin ständig“
Ein Beispiel dafür ist das Wynfrid House, ein Gästehaus ein paar Gehminuten von der City entfernt, das die deutschsprachige katholische Kirchengemeinde St. Bonifaz betreibt. „Wir müssen davon ausgehen, dass eine Tourist Tax Gäste von einem Besuch Londons abhalten wird“, sagt Andreas Blum, Gemeindepfarrer und Vorstand des Wynfrid House. Die Kosten der Hotels seien ohnehin rasant gestiegen. „Die Betriebskosten sind durch die Decke gegangen, vor allem die Energiekosten. Auch der Mindestlohn ist gestiegen, dazu die höhere National-Insurance-Abgabe“, sagt er. „Es wird in jedem Fall mühsam und teuer für uns. Wir sind immer noch recht preiswert für die Londoner Innenstadt, aber auch unsere Gäste müssen mehr zahlen.“
UK Hospitality verweist zudem darauf, dass britische Hotels mit 20 Prozent Mehrwertsteuer weit mehr zahlen als die Hotellerie auf dem europäischen Festland. In Deutschland beträgt die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen sieben Prozent.
