
Was lesen Sie?
Ich lese beruflich wahnsinnig viel. Theaterstücke, Stoffe, Texte, Entwürfe. Lesen ist bei mir also leider nicht nur Lust, sondern auch Aussortieren. Man liest fünfzig Seiten und muss irgendwann entscheiden: Will ich mit diesem Text noch weitere zwei Jahre meines Lebens verbringen oder lieber nicht? Das ist manchmal eine ziemlich brutale Form des Lesens. Privat lese ich gerne philosophische Texte, eigentlich aus einem sehr egoistischen Grund: Ich möchte nach dem Lesen anders über mein Leben oder die Welt nachdenken als vorher. Wenn ein Text nichts verschiebt, langweilt er mich schnell. Romane habe ich in letzter Zeit erstaunlich wenige gelesen. Eigentlich fast nur noch von Autorinnen und Autoren, die ich kenne und die mir ihre Bücher schicken. „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç war einer der letzten Romane, die ich wirklich sehr gerne gelesen habe.
Welches Buch haben Sie im Bücherschrank, das Sie garantiert nie lesen werden?
Jürgen Habermas: „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Politik“.
Welche ist Ihre Lieblingsbuchhandlung?
Shakespeare and Sons. Ich mag Buchhandlungen, in denen man hineingeht, um ein Buch zu kaufen, und mit fünf vollkommen anderen wieder herauskommt. Das ist ja eigentlich das Schöne an einer guten Buchhandlung: Sie bestätigt nicht den eigenen Geschmack, sondern sabotiert ihn ein bisschen. Sonst kann ich auch im Internet bestellen. Und ich mag Bücher sowieso als Gegenstände. Manchmal kaufe ich eins, weil ich es unbedingt lesen möchte. Manchmal, weil jemand darin einen einzigen Gedanken formuliert hat, den ich haben möchte. Und manchmal einfach, weil es schön ist. Das muss ein Buch aushalten. Nicht jedes Buch muss gelesen werden. Manche müssen einfach nur da sein.
Ersan Mondtag arbeitet an der Schnittstelle zwischen Theater, Musik, Performance und Installation. Im Rahmen der Berlin Art Week inszeniert er zusammen mit Nadim Samman und in Koproduktion mit dem Berliner Ensemble unter dem Namen „Alternde Meister“ einen Dialog zwischen 25 Künstlerinnen und Künstler sowie der Sammlung der Gemäldegalerie. Die Performance findet zwischen dem 11. und 13. September in der Gemäldegalerie in Berlin statt.
In der Sonntagszeitung vom 13. September finden sich zusätzlich die Antworten von Ersan Mondtag auf die Fragen: Was sehen Sie? Was hören Sie? Und: Wann haben Sie zuletzt Ihre Meinung geändert.
