Die KI-Firma Anthropic hat in den vergangenen Monaten nach eigenen Angaben mehrere Versuche von Forschern unterbunden, Modelle ihrer Software Claude für die Entwicklung von Biowaffen zu nutzen. Der Konkurrent des ChatGPT-Entwicklers OpenAI schränkte aber ein, die Ziele solcher Anfragen seien schwer zu ermitteln, da entsprechende Forschung sowohl medizinischen als auch militärischen Zwecken dienen könne.
Die Versuche zeigten aber auf jeden Fall, dass Wissenschaftler aus blockierten Regionen und mit Verbindungen zu dortigen staatlichen Stellen versuchten, heimlich auf Künstliche Intelligenz amerikanischer Entwickler zuzugreifen, hieß es. Anthropic benannte aber weder die Forschungseinrichtungen noch die Länder, aus denen die Anfragen stammen.
Anthropic führt in einem ausführlichen Bericht über versuchten Missbrauch seiner KI-Modelle fünf Fälle mit Bezug zu möglicher Biowaffenforschung auf. Dabei hätten die Forscher nicht konkrete wissenschaftliche Hilfe gesucht, sondern eher organisatorische Unterstützung, etwa beim Verfassen von Papieren. KI-Modelle sind grundsätzlich darauf getrimmt, Hilfestellung bei der Entwicklung biologischer Waffen zu verweigern. Bei Forschung, die sowohl der Medizin als auch militärischen Zwecken dienen könne, sei es manchmal aber schwierig, eine klare Trennlinie zwischen harmlosen und bösartigen Absichten zu ziehen, teilte Anthropic mit.
Riskante Forschung an Vogelgrippe
Einer der von der KI-Firma blockierten Zugriffsversuche habe probiert, mit Hilfe von Claude einen Antrag auf Förderung zur Forschung an einem Virus zu verfassen. Dabei sei es um sogenannte Gain-of-Function-Forschung gegangen, bei der die Übertragbarkeit eines Erregers erhöht wird. Dies sei eine gängige Methode auf der Suche nach Gegenmitteln in Laboren – aber eben auch ein Weg, Biowaffen zu entwickeln.
In einem anderen Fall wurde den Angaben zufolge versucht, mit Hilfe von Claude einen Plan für die Erforschung einer Vogelgrippe-Variante zu entwerfen, die sich auf Säugetiere übertragen ließe. Auch für diesen Fall stellt Anthropic klar, dass solche Forschung zwar der Prävention dienen könne, aber zugleich gefährliches Wissen schaffe, das für die Waffenentwicklung verwendet werden könnte. Ein weiterer Wissenschaftler habe Claude nutzen wollen, um vierteljährliche Fortschrittsberichte zur Erforschung eines Toxins zu nutzen.
