
Die Anwohner des Herrngartens in Darmstadt kritisieren die Pläne des Magistrats, die Drogenszene dort zu konzentrieren. Die Bürgerinitiative „Rettet den Herrngarten“ will vielmehr die Süchtigen aus dem Stadtpark in der Innenstadt vertreiben. Die „Duldungszone“ mit Unterständen und Bauzäunen am Rand des Herrngartens solle beseitigt werden, um diese Fläche wieder zu bepflanzen.
Stattdessen schlägt die Initiative „echte Konsumräume“ vor, in denen Süchtige Rauschgift mit offizieller Genehmigung zu sich nehmen können. Wo die Einrichtungen platziert werden sollen, teilt die Initiative nicht mit. In ihrer Mitteilung heißt es lediglich, es müsse Abstand zu Schulwegen, Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie Erholungsflächen gehalten werden. Die Stadt habe sich mit ihrer Drogenpolitik noch nicht darauf eingestellt, dass in der Szene vor allem Crack konsumiert werde.
Der zwölf Hektar große Herrngarten, der älteste und größte Park in der Stadt, ist seit Jahrzehnten ein Treffpunkt von Süchtigen. In direkter Nachbarschaft des Parks, an der Ecke von Schleiermacher- und Bismarckstraße befindet sich die Hilfseinrichtung „Scentral“, eine Anlaufstelle, in der die Abhängigen unter anderem Hygienematerial erhalten. Sozialarbeiter beraten auch über Therapien für einen Weg aus der Sucht.
Magistrat will Drogenszene „bündeln“
Der Magistrat will die Drogenszene weiterhin am Rand des Parks „bündeln“, wie die Stadt in der vergangenen Woche mitgeteilt hat. Dazu soll ein abgegrenzter „Aufenthaltsort“ eingerichtet werden. Der Magistrat will mehr Sozialarbeiter als bisher einsetzen, auch abends, wenn das Scentral geschlossen hat.
Im Scentral und auf seiner Außenfläche ist es nicht erlaubt, Rauschgift zu nehmen, weil die Hilfseinrichtung „konsumfrei“ bleiben muss. Das Stadtparlament hatte vor einem Jahr vorgeschlagen, offizielle Konsumräume einzurichten, sowohl für das Spritzen von Drogen in die Vene als auch für das Rauchen von Crack. Dazu hat der Magistrat mitgeteilt, es müsse erst mit dem Land Hessen geklärt werden, ob Konsumräume in Darmstadt erlaubt werden könnten. Die Stadt kann darüber nicht allein entscheiden, dafür ist eine Genehmigung erforderlich. Es gelten das Betäubungsmittelgesetz des Bundes und die hessische Drogenkonsumraumverordnung.
Die Bürgerinitiative „Rettet den Herrngarten“ zeigt sich enttäuscht von den Vorstellungen des Magistrats. „Spürbare Verbesserungen für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger sind nicht in Sicht“, heißt es in der Mitteilung der Gruppe. Die Pläne der Stadtpolitiker gingen auf Kosten der Anwohner des Herrngartens.
Werde im Park eine Aufenthaltsfläche eingerichtet, verfestige sich die Situation am benachbarten Willy-Brandt-Platz mit offenem Konsum und Handel an der Haltestelle der Straßenbahn, die zum Schulweg gehöre. Längst strahle die Szene in und um den Herrngarten in die benachbarten Wohnviertel aus. Konsum und Handel spiele sich nicht nur in dem Park ab, sondern auch auf den benachbarten Straßen und auf den Grundstücken von Anwohnern. Die Initiative klagt über „bedrohliche Situationen, Verelendung, Lärm bei Tag und Nacht“. Diese Umstände seien nicht mehr hinnehmbar.
In der Mitteilung der Initiative heißt es: „Wir blicken mit großer Sorge auf die vor uns liegende dunkle Jahreszeit. Schon jetzt meiden viele Menschen wichtige Bereiche und Wege des Parks. Bald werden sich Familien und Senioren im Dunkeln nicht mehr hindurchtrauen. Kinder auf Schulwegen müssen Umwege in Kauf nehmen, um der offenen Crack-Szene zu entgehen.“
Unterdessen hat die Stadt am Donnerstag mitgeteilt, dass sie die Beleuchtung rund um das Herrngartencafé verbessern will. Die neuen Lampen seien mit Bewegungsmeldern ausgestattet, bei Bedarf werde das Licht heller.
