
Es ist das markanteste neue Design für das iPhone, seit Apple das Smartphone im Jahr 2007 erstmals herausgebracht hat – und vorgestellt hat es der neue Vorstandschef: Am Mittwoch zeigte der Elektronikkonzern an seinem Firmensitz im kalifornischen Cupertino sein erstes faltbares Smartphone, das iPhone Duo. Apple wagt sich damit in ein Smartphonesegment, das Wettbewerber schon längst erschlossen haben. Samsung hat sein erstes faltbares Handy schon 2019 herausgebracht, auch Huawei und Google haben solche Geräte im Angebot. Bislang waren faltbare Handys allerdings ein Nischenprodukt. Nach Angaben der Marktforschungsgruppe IDC standen sie zuletzt nur für rund zwei Prozent aller auf der ganzen Welt verkauften Smartphones, und diese Verkaufszahlen waren zuletzt rückläufig.
Apple hofft nun, dem Segment neues Leben einzuhauchen und seinem Geschäft mit iPhones einen Schub zu geben. IDC traut das dem Konzern auch zu. Die Marktforscher sagen voraus, dass der globale Absatz mit faltbaren Handys dank Apple noch in diesem Jahr um 13 Prozent auf 22,6 Millionen und 2027 um weitere 18 Prozent auf 27 Millionen Geräte steigen wird. Apple werde im nächsten Jahr einen Anteil von 40 Prozent am Markt für faltbare iPhones erreichen.
Ternus: Falthandys bisher wie „zwei unbeholfen aneinandergeklebte Handys“
Das iPhone Duo öffnet sich wie ein Buch. Wenn es zugeklappt ist, hat es in etwa die Dimensionen eines Reisepasses, es ist also etwas kürzer und breiter als ein gewöhnliches iPhone. Auch Samsung hat kürzlich ein faltbares Handy seiner Reihe Galaxy Fold mit ähnlichen Dimensionen vorgestellt, nachdem die vorherigen Fold-Handys noch länger und dünner waren. Wenn das iPhone Duo aufgeklappt ist, lassen sich zwei Anwendungen nebeneinander öffnen. Die Falz in der Mitte des Geräts ist weniger auffällig als bei anderen faltbaren Smartphones. John Ternus, der seit Anfang September amtierende Apple-Vorstandschef, sagte, bisherige faltbare Smartphones fühlten sich oft an wie „zwei unbeholfen aneinandergeklebte Handys“.
Ternus kündigte das iPhone Duo als „One more thing“ an – bediente sich damit also einer berühmten Formulierung von Apples legendärem Mitgründer Steve Jobs. Mit dem Gerät erschließt Apple neue Preisdimensionen. In seiner billigsten Version kostet es 2299 Euro, für die teuerste Variante mit zwei Terabyte Speicherkapazität verlangt Apple sogar 3799 Euro. Das faltbare Handy ist damit erheblich teurer als die bisherigen Premiumhandys von Apple, das iPhone Pro und das größere iPhone Pro Max. Auch von diesen Geräten stellte Apple am Mittwoch neue Modelle vor. Die Startpreise für das iPhone 18 Pro und das iPhone 18 Pro Max liegen bei 1449 und 1599 Euro. Eine neue Standardversion iPhone 18 zeigte Apple anders als im vergangenen Jahr am Mittwoch nicht, dies wird erst für 2027 erwartet.
Speicherchips treiben Preise nach oben
Apple bewegt sich allgemein mit seinen Preisen nach oben. Auch die neuen Pro-Geräte sind jeweils 150 Euro teurer als ihre Vorgängervarianten. Dies hat mit den rasant steigenden Preisen für Speicherchips zu tun. Die Nachfrage nach diesen Halbleitern ist in jüngster Zeit inmitten massiver branchenweiter Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz enorm gestiegen, was für erhebliche Engpässe im Markt und höhere Preise gesorgt hat. Der frühere Vorstandschef Tim Cook verglich diesen Engpass kürzlich mit einem „Jahrhunderthochwasser“. Apple hat sich deshalb vor einigen Monaten schon dazu gezwungen gesehen, die Preise für Macintosh-Computer und iPads zum Teil deutlich anzuheben. Nun bekommen Apple-Kunden den Chipengpass also auch bei der Anschaffung neuer iPhones zu spüren.
Die Vorstellung der neuen iPhones war der erste größere Auftritt von Ternus, seit er Vorstandschef ist. Er sagte am Mittwoch, er sehe seine neue Aufgabe als „außerordentliches Privileg“. Ternus ist ein Apple-Veteran und schon seit 2001 im Unternehmen. Er war bislang für die gesamte Hardwareentwicklung verantwortlich, also alle elektronischen Geräte. Sein Vorgänger Tim Cook bleibt Apple als Geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats verbunden, er wird also weiter eine zentrale Aufsichtsfunktion haben. Apple zufolge soll der Dialog mit Politikern zu seinen künftigen Aufgaben gehören.
Das iPhone bleibt auch fast zwanzig Jahre nach seiner erstmaligen Einführung das mit Abstand wichtigste Produkt von Apple, es stand zuletzt für fast die Hälfte des Konzernumsatzes. Das Geschäft mit dem Gerät hat sich in jüngster Zeit nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase wieder belebt, und die Modellgeneration iPhone 17 ist auf rege Nachfrage gestoßen. In seinem jüngsten Geschäftsquartal schaffte Apple mit dem iPhone ein Umsatzwachstum von 22 Prozent, im Gesamtkonzern stieg der Umsatz um 16 Prozent. Für das laufende Quartal hat Apple aber eine deutliche Abschwächung des Wachstums vorhergesagt, begründet wurde dies mit den Turbulenzen im Speicherchipmarkt.
