Das privatisierte Uniklinikum Gießen und Marburg kann die dringend benötigte neue Zentralapotheke bauen lassen. Das Unternehmen hat mit dem Land Hessen als Minderheitsgesellschafter eine Übereinkunft zu diesem Vorhaben getroffen. Das bestätigte der Ärztliche Geschäftsführer Ardeschir Ghofrani der F.A.Z. am Montag. Demnach hat das kurz UKGM genannte Klinikum in der Gießener Kreiskommune Lollar mittlerweile ein bereits seit Längerem favorisiertes Grundstück gekauft. Verkäufer sei der mittelhessische Bauunternehmer Kai Laumann.
„Wir haben mit dem Land eine Lösung gefunden, die den Kauf ermöglicht hat“, sagte Ghofrani. Lollar liegt verkehrsgünstig zwischen Gießen und Marburg an der Bundesstraße 3, der Gießener Ring mit Anschlüssen an die Autobahn 5 und die Bundesstraße 49 ist in wenigen Autominuten erreichbar. Diese Lage ist ein wesentlicher Grund für den Kauf. Denn das Uniklinikum will sich möglichst lange Wege für den Transport von an seinen beiden Standorten benötigten Medikamenten ersparen.
Monatelanges Ringen vorausgegangen
Der Übereinkunft mit dem Land war ein monatelanges Ringen zwischen dem Unternehmen und dem Wissenschaftsministerium vorausgegangen. Das Uniklinikum hatte im Frühjahr schon ein geeignetes Grundstück gefunden. Es hätte laut Ghofrani sogar den Kaufvertrag unterschreiben können, ein Notartermin war demnach angesetzt. Das Wissenschaftsministerium habe aber Bedenken geltend gemacht. Das Ministerium mag formal richtig gehandelt haben, aber nicht lösungsorientiert, sagte Ghofrani.
Das Ministerium habe eine landeseigene Liegenschaft in Gießen vorgeschlagen. Dieses Gelände eignet sich aber laut Ghofrani wegen der Lage nicht für die Zentralapotheke, weil es eben nicht zwischen Gießen und Marburg liege. Es gab einen weiteren Streitpunkt: Im Ministerium war man der Meinung, zu kurzfristig über den beabsichtigten Kauf informiert worden zu sein, und mahnte längere Fristen an. Mit Blick auf das Grundstück räumte es aber schließlich ein, dass sich das vorgeschlagene Landesgrundstück in Gießen tatsächlich als zu klein erwiesen habe.

Der Neubau auf einem Landesgrundstück hätte für das Uniklinikum den Vorteil gehabt, dass es mit Landeszuschüssen zum Kauf der Liegenschaft hätte rechnen können. Dagegen unterstützt das Land den Erwerb von Flächen aus dem Eigentum von Dritten nicht. Hinzu kam noch eine Unbekannte: Das Klinikum hätte zwar ein Grundstück kaufen können, ohne die Interessen des Ministeriums zu berücksichtigen. Allerdings wäre unklar gewesen, ob es dann die Apotheke mit finanzieller Förderung des Landes hätten bauen können, sagte Ghofrani.
Das wäre aber nicht im Sinn des Uniklinikums gewesen und stünde auch im Widerspruch zu einer grundsätzlichen Linie bei Investitionen. Wie aus dem 2023 geschlossenen Zukunftsvertrag zwischen Uniklinikum und Land über Investitionen in Höhe von rund 850 Millionen Euro folgt, trägt Hessen zwei Drittel der Kosten für Neubauten und Medizintechnik, das Unternehmen muss das andere Drittel erwirtschaften und beisteuern. Vor diesem Hintergrund teilte das Ministerium mit: „Damit das UKGM für das Projekt in Lollar Fördermittel des Landes einsetzen kann, ist eine neue vertragliche Grundlage notwendig.“ Daher werde der Zukunftsvertrag entsprechend erweitert.
Wann mit dem Spatenstich gerechnet werden kann, ist nach den Worten von Ghofrani noch unklar. Gleiches gilt für die Gesamtkosten. Bisher war von rund 15 Millionen Euro die Rede – ein eher kleines Vorhaben, gemessen an den vereinbarten 850 Millionen Euro für eine Reihe von Neubauten und medizintechnische Geräte in Gießen und Marburg. Die Unsicherheit hängt demnach auch mit der Frage zusammen, ob es bei dem Gebäude für die Zentralapotheke bleibt. Das Klinikum kann sich zudem ein Lager oder auch eine Station für Drohnen vorstellen, die Medikamente transportieren. In diesem Fall könnte das UKGM auch Partnerkrankenhäuser beliefern.
