
So sieht Motivation aus. Gut 60 gutgelaunte Mütter und Väter, ein paar Schüler, die Schulleiter und viele Farbeimer an einem Samstagmorgen im Schulhof. Einem Frankfurter Schulhof, um genau zu sein. Unrepräsentative Umfragen im Bekanntenkreis haben ergeben: In anderen Städten streichen Eltern die Schulen ihrer Kinder nicht selber. Da machen das die Schulträger. In Frankfurt vielleicht auch, irgendwann.
Aber während die erste Schicht der Eltern in Windeseile mit Malerkrepp und Abdeckfolie vorrückt, wird schnell klar: Der letzte Motivationsschub der Behörden muss lange her sein. Die letzte Grundreinigung auch. Man könnte archäologische Studien mit dem Dreck in den Zimmerecken betreiben. Gestrichen haben Schicht um Schicht, im jeweiligen Geschmack der Zeit, offenkundig eher keine Profis. Farbnasen und Pinselmuster verraten aber guten Willen. Früher rückten hier und da Unternehmen aus, um mit großem Hallo einen „Social Day“ mit Farbe zu verbringen.
Die Eltern, die einen Großteil des Materials selbst organisiert haben, unterhalten sich lebhaft, während sie die Farbrollen schwingen. Viele haben auch schon Grundschulen und Kitas renoviert. Eine Schule brauche Pflege. Vielleicht würden die Prioritäten falsch gesetzt? In Japan, sagt eine Mutter, putzten die Kinder ihre Schulen selbst. Sehen konnte man das auch in den Filmen zum japanischen Schulalltag, die beim Frankfurter Filmfestival Nippon Connection liefen.
Und während das Klassenzimmer wieder frisch gemacht wird, gewinnt die Idee an Charme: gemeinsame Pflege des Lebensraums Schule. Aber die Profis haben dann die Pflicht, alles perfekt in Schuss zu halten. Heutzutage wird dann gern von „Selbstwirksamkeit“ geredet. Die farbverschmierten Eltern haben sie erlebt. Auch wenn sie lieber etwas anderes getan hätten.
