Bis zum Ende hat der FSV Mainz 05 die sommerliche Transferperiode genutzt – und darüber hinaus: den wenig eingesetzten William Bøving an den 1. FC Nürnberg verliehen, den im Konkurrenzkampf ins Hintertreffen geratenen Andreas Hanche-Olsen nach Chicago ziehen lassen und Hyun-seok Hong zum dritten Mal für ein Jahr abgegeben, diesmal an den FC Midtjylland. Da die Wechselfrist in Dänemark einen Tag länger dauert als in der Bundesliga, war dieses Geschäft auch noch nach dem „Deadline Day“ möglich.
Den haben die Mainzer im Übrigen im Fall von Marco Richter ausgetrickst, der am Bruchweg keine Zukunft hat, auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber aber noch nicht fündig geworden ist. Deshalb einigten sich Verein und Spieler darauf, den Vertrag aufzulösen. Richter darf weiter mit den 05-Profis trainieren, sich aber als arbeitsloser Akteur jederzeit einem anderen Klub anschließen.
Mainzer halten alle Topspieler
Das Bemerkenswerteste am rheinhessischen Transfersommer ist freilich, dass es gelungen ist, nicht nur kostengünstig gestandene Profis einzukaufen, sondern auch alle wichtigen Spieler (mit Ausnahme des in der vorigen Saison wegen Robin Zentners langwieriger Verletzung zur Nummer eins avancierten Daniel Batz) zu halten. Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Niko Bungert hatten frühzeitig betont, keinesfalls das gesamte Trio Nadiem Amiri, Kaishu Sano und Paul Nebel ziehen zu lassen. Mit einem Sano-Abgang hätten sie sich allerdings angefreundet, sofern der Preis ihren Vorstellungen entspräche.

Und das traf auf das Angebot von Crystal Palace nicht zu. 30 Millionen Euro wollte der englische Premier-League-Klub für den Japaner zahlen, die Mainzer Vorstellungen bewegten sich eher in doppelt so hohen Sphären. In der Tat wäre es angesichts der Summen, die andernorts den Besitzer wechseln, mindestens so absurd wie diese Summen selbst gewesen, Sano nach zwei herausragenden Jahren in der Liga und einer nicht minder beeindruckenden Weltmeisterschaft zum Schleuderpreis abzugeben.
Das Amiri-Thema hatte sich spätestens mit dessen von den Fans frenetisch gefeierter „Ich bleibe!“-Erklärung erledigt – wobei dem deutschen Nationalspieler bis dahin ohnehin keine Angebote vorlagen. Und Nebel, der sich in all den Wochen bei Fragen nach seinen Wünschen und Plänen für die neue Saison bedeckt hielt, ist seit einer im Trainingslager erlittenen Adduktorenverletzung vorerst auf Eis gelegt. Eventuelle Wechselabsichten ebenfalls.
Spannende Zugänge ergänzen den Mainzer Kader
Weil der Verein zudem vier Millionen Euro investiert hat, um den in der vorigen Rückrunde von Como 1907 ausgeliehenen Stefan Posch fest an sich zu binden, steht Urs Fischer dasselbe Personal zur Verfügung wie bei der Aufholjagd in der ersten Jahreshälfte. Hinzu kommen in Fabio Gruber (1. FC Nürnberg) ein weiterer Innenverteidiger – ein Grund für Hanche-Olsens Abschied –, Eric Martel (1. FC Köln) als defensiver Mittelfeldspieler (allerdings derzeit verletzt) und Ransford Königsdörffer für die Offensive. Letzterer stand in den zurückliegenden vier Jahren beim HSV unter Vertrag, wo die Mainzer am Sonntagnachmittag gastieren.
Dass der fünfte Rang in der Rückrundentabelle zumindest unter den Anhängern hohe Erwartungen schürt, die der Verein bescheiden abwehrt, ist das eine. Das andere ist, dass der Saisonauftakt gegen den SC Paderborn (0:0) klargemacht hat: Ein Selbstläufer wird die neue Spielzeit nicht. Wobei die Partie im Volksparkstadion ein anderes Gesicht haben dürfte als die gegen den tief verteidigenden Aufsteiger.
Der HSV, der nach dem 0:2 in Dortmund selbst gegen einen Fehlstart anspielt, wird offensiver ausgerichtet sein, selbst die Initiative ergreifen wollen. Das wird Fischers Leuten Räume öffnen, zum Beispiel für den schnellen Sheraldo Becker; so viele Chancen wie am vorigen Samstag sollten Phillip Tietz und seine Kollegen dennoch nicht liegen lassen. Verzichten müssen die Rheinhessen auf den verletzten Dominik Kohr. Dafür könnte entweder Kacper Potulski als Linksfuß in die Anfangself rücken oder der alte Abwehrchef Stefan Posch.
