Rund 300.000 Kilometer überirdische Stromleitungen und etwa 300 Überspannwerke für Hochspannungsstrom: Die Angriffsfläche, die die deutsche Strominfrastruktur bietet, ist groß. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Angriffen auf die Stromversorgung in Deutschland. Ein Überblick:
München, 21. Mai 2021
Nach einem Brandanschlag auf freigelegte Stromleitungen sind in München etwa 20.000 Haushalte von der elektrischen Energieversorgung abgeschnitten, teilweise länger als einen Tag. Einem auf der linksradikalen Plattform Indymedia veröffentlichten Bekennerschreiben zufolge galt der Angriff einem Münchner Unternehmen, das unter anderem Fern- und Meldetechnik für die militärische Luftfahrt produziert.
Grünheide, 5. März 2024
Die linksextremistische „Vulkangruppe Tesla abschalten!“ setzt einen Strommast in der Nähe des Tesla-Werks in Grünheide in Brand. Der Anschlag führt zu einem weitreichenden Stromausfall. „Wir haben Tesla sabotiert“, schreiben die Aktivisten in einem Bekennerschreiben. Ziel sei der „größtmögliche Blackout“ in der Autofabrik gewesen. Die Produktion des Werkes stand tagelang komplett still.

Strecke Duisburg-Düsseldorf, 31. Juli 2025
Eine wichtige Nord-Süd-Achse der Deutschen Bahn wird auf der Strecke Duisburg-Düsseldorf durch mutmaßlich vorsätzlich verursachte Kabelbrände lahmgelegt und bleibt zwei Tage lang gesperrt. Die Polizei geht von Sabotage aus. Ein Bekennerschreiben aus dem linksradikalen Spektrum wird als wahrscheinlich authentisch eingestuft.
Koblenz, 1. September 2025
Unbekannte entfernen die Abdeckung eines Kabelschachts in Koblenz und flexen ein etwa fünf Zentimeter dickes Hochspannungskabel an. Dabei kommt es zu einem Kurzschluss, einer Stichflamme und einem Kabelbrand. Der Schaden wird erst drei Wochen später, nach wiederholten Spannungsschwankungen auf der Bahnstrecke zwischen Neuwied und Koblenz, entdeckt. Der Bahnverkehr wird durch eine automatische Ersatzspeisung der Stromleitung nicht unterbrochen.
Berlin, 9. September 2025
In Berlin werden in der Nacht zwei hohe Strommasten in Brand gesetzt. Zeitweise sind rund 50.000 Privathaushalte und etwa 2.000 Gewerbebetriebe betroffen, teils tagelang. Einem Bekennerschreiben, das von der Polizei als authentisch eingestuft wird, zufolge galt der Anschlag den Technologiefirmen und Forschungseinrichtungen aus den Bereichen Informationstechnologie, Robotik, Bio- und Nanotechnologie, Raumfahrt sowie Sicherheits- und Rüstungsindustrie in Adlerhof, einem der größten Technologieparks Deutschlands. Unterzeichnet ist das Schreiben mit „Einige Anarchist:Innen“.
Berlin, 3. Januar 2026
Ein Brandanschlag löst den längsten Blackout der Berliner Nachkriegsgeschichte aus. Mutmaßlich linksextreme Täter kappen Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins. Rund 45.000 Haushalte, 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime sind tagelang ohne Strom und mitten im Winter ohne Heizung. Etwa 100.000 Menschen sind betroffen. Die Stadt ruft eine sogenannte Großschadenslage aus und bittet die Bundeswehr um Amtshilfe. Die „Vulkangruppen“ bekennen sich zu dem Anschlag, die Bundesanwaltschaft übernimmt die Ermittlungen.

Reutlingen, 8. Juni 2026
Ein Brand im Umspannwerk Reutlingen-West führt zum Ausfall des Werks. Zeitweise sind etwa 40.000 Haushalte und 7.600 Gebäude betroffen. Bereits einen Tag später spricht die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart von Brandstiftung. Der Zaun des Umspannwerks weist nach dem Brand eindeutige Beschädigungen auf, das LKA findet Hinweise auf mehrere gleichzeitig gelegte Brände. Als Brandmittel setzen die Täter Autoreifen ein. Die Ermittler halten einen extremistischen Hintergrund für wahrscheinlich. Ein Bekennerschreiben wird nicht veröffentlicht.
Bergheim und Jänschwalde, 1. September 2026
An einem Umspannwerk in Bergheim westlich von Köln werden nach Behördenangaben Kabel über die Oberleitung gebracht, wodurch es zu einem Kurzschluss kommt. Der Strom fällt an mehreren Kraftwerksblöcken des benachbarten Kohlekraftwerks Niederaußem aus – die Blöcke hatten sich automatisch abgeschaltet. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagt nach dem Vorfall: „Es besteht der Anfangsverdacht einer verfassungsfeindlichen Sabotage.“ Dabei kämen sowohl fremdstaatlich gelenkte Sabotage als auch ein linksextremistischer Hintergrund infrage. „Nichts davon können wir derzeit ausschließen“, so Reul.
Wenige Stunden zuvor ist es zu einem Anschlagsversuch mit ähnlicher Vorgehensweise in Brandenburg gekommen. Nahe dem Kraftwerk Jänschwalde wird mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen ähnelten, leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen gelenkt. Mehr als ein Dutzend Vorrichtungen zum Abschuss werden im Anschluss gefunden. Zu einem Stromausfall kommt es laut Angaben des Netzbetreibers nicht.
Dormagen, 3. September 2026
An einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf kommt es zu einem weiteren Sabotageversuch. Ein Spaziergänger findet am späten Donnerstagabend Abschussvorrichtungen. Nach Informationen der F.A.Z. sollen die Vorrichtung denen aus Bergheim und Jänschwalde ähneln. In mindestens zwei Bekennerschreiben, die auch bei der F.A.Z. eingingen, erwähnt der Verfasser mehrere Taten in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. In einem davon gibt er an, gegen die fossile Energieindustrie vorgehen zu wollen. (Alles über die mutmaßlichen Bekennerschreiben und die aktuellen Ermittlungen in dem Fall finden Sie hier.)
