Es gibt da dieses Video, das in diesen Tagen im Internet mal wieder die Runde macht. Ein Video, bei dem ziemlich schnell klar wird, dass es aus einem anderen Tennis-Zeitalter stammt. Ein Hinweis ist zum Beispiel die pixelige Auflösung des Neunzigerjahre-Fernsehens, ein anderer, dass der Platz bei den US Open noch in einem matten Grün statt im strahlenden Blau der vergangenen zwei Jahrzehnte eingefärbt ist.
Am deutlichsten aber wird es durch diejenigen, die darauf zu sehen sind, wie sie jung und voller Energie den Bällen hinterherhetzen: Serena, 15 Jahre alt, und Venus Williams, 17, beide mit ihren heute ikonischen Perlenzöpfen. Es war ihre Premiere in der Doppelkonkurrenz der US Open im Jahr 1997.
Fast genau 30 Jahre nach diesem Match, Serenas erstem bei einem Grand-Slam-Turnier, sind die Williams-Schwestern immer noch da. Oder besser: Sie sind wieder da. Denn während Venus, inzwischen 46 Jahre alt, ihre Karriere nie beendet hat und nach eher sporadischen Auftritten in den vergangenen Jahren in dieser Saison wieder regelmäßiger spielte, kehrte Serena, 44, im Juni auf die Profitour zurück.
Bereits in Wimbledon hatten sie gemeinsam im Doppel antreten wollen, doch dann verletzte sich Serena in ihrem Einzelmatch gegen die Australierin Maya Joint. An diesem Freitag (Samstag, 1.00 Uhr MESZ) spielen die Amerikanerinnen im Doppel bei den US Open in der ersten Runde. Wieder geht es gegen Joint, diesmal an der Seite der Taiwanerin Chan Hao-ching.
Was ihre Ambitionen angeht, stapeln die beiden tief. Es gehe für sie weniger darum, Matches zu gewinnen, als darum, „Spaß zu haben“ und den „Fans eine Freude“ zu bereiten, hatte Serena vor zwei Wochen gesagt. Beim WTA-Turnier in Cincinnati hatten sie da gerade ihr Comeback als Schwestern-Doppel gegeben, hatten gegen die ukrainische Topspielerin Marta Kostjuk und deren Partnerin Peyton Stearns nur knapp im Matchtiebreak verloren. Zur Mitte der Partie hin habe man „ein bisschen Rost abgeschüttelt“ und angefangen, „es zu fühlen“, sagte Williams. „Es ist großartig, das wieder tun zu können.“
Auch deshalb nehmen viele Experten den Williams-Schwestern ihr Understatement nicht ganz ab. Schließlich zählen die beiden nicht von ungefähr zu den erfolgreichsten Doppelpaarungen der Tennis-Geschichte. Neben ihren jeweils enorm zahlreichen Erfolgen im Einzel gewannen sie zusammen 14 Grand-Slam-Titel im Doppel sowie drei olympische Goldmedaillen.
Zudem ist es kein Geheimnis, dass es im Doppel bedeutend einfacher ist, auch im fortgeschrittenen Sportleralter noch erfolgreich zu sein. Weil das Spiel zu zweit auf dem Court weniger laufintensiv ist, kann man mit Erfahrung, Technik und Power kompensieren, was einem an Athletik fehlt. Die Top-10 der Doppelweltrangliste sind bei den Männern im Schnitt mehr als 35 Jahre alt. Bei den Frauen beträgt das Durchschnittsalter immerhin noch mehr als 33.
Fragezeichen hinter der körperlichen Fitness
Noch gibt es ein kleines Fragezeichen, ob Serenas Körper den Belastungen wirklich schon wieder standhält. Die Erfahrung in Wimbledon sei für sie „ein bisschen traumatisch“ gewesen, erzählte sie. Zwei Stunden habe sie gebraucht, um überhaupt die Kabine verlassen zu können, weil die Schmerzen zu groß waren.
Doch Williams („Was dich nicht umbringt, macht dich stärker“) ist nach einem „langen Heilungsprozess“ überzeugt, dass sie auch als Mittvierzigerin noch fit genug ist für Profitennis. Sie erzählt, dass sie dank einer von ihr selbst beworbenen Abnehmspritze im vergangenen Jahr deutlich Gewicht verloren hat und daraufhin überhaupt erst begonnen hatte, an ein Comeback zu denken.
Für beide Williams-Schwestern ist das Erstrundenmatch am Freitag nicht der erste Auftritt im Rahmen dieser US Open. Venus hatte im Einzel zum Auftakt gegen Sofia Kenin zwei Sätze lang ordentlich mitgehalten, am Ende aber verloren. Serena war in der vergangenen Woche im eher als Showturnier zu verstehenden Mixed-Wettbewerb an der Seite von Carlos Alcaraz am Start. Das Duo hatte ein Match gewonnen und eines verloren.
Nun geht es für die Williams-Schwestern darum, das über Jahre antrainierte Zusammenspiel und die Kommunikation im Doppel zu reaktivieren. Doch glaubt man den beiden, ist das das geringste Problem: „Das ist wie Fahrrad fahren“, sagte Venus. Das verlerne man nicht. Zumal sich eines seit den Anfangstagen im Jahr 1997 nicht verändert habe. „Der Prozess ist derselbe. Und den genießen wir noch immer.“
