Als Giorgia Meloni am 22. Oktober 2022 in das Amt der italienischen Regierungschefin gewählt wurde, gab es, etwas grob zusammengefasst, zwei Prognosen.
Die eine: Es brechen schlimme Zeiten für Italien und Europa an. Denn Meloni habe sich vom italienischen Neofaschismus nie losgesagt. Sie bleibe darin verwurzelt. Die Europäische Union sei in ihren Augen kein Geschenk der Geschichte, sondern eine Last, die sie am liebsten abwerfen möchte. Und sobald ihr das möglich erscheint, werde sie das tun.
Die zweite Prognose: Meloni wird sich nicht lange an der Regierung halten können, denn die italienischen politischen Verhältnisse sind chronisch instabil. Das gilt auch für die Koalition, die sie gebildet hat. Sie ist gezeichnet von fundamentalen Widersprüchen, das trifft insbesondere auf die Außenpolitik zu. Fratelli d’Italia, Melonis Partei, ist proukrainisch, die Lega, ihr rechter Koalitionspartner, ist prorussisch, Forza Italia, die Mitte-rechts-Partei, ist proeuropäisch.
