
Chinas humanoide Roboter drängen immer stärker nach Europa. Seit dem vergangenen Wochenende werden Roboter des Shanghaiers Start-ups Agibot in Serbien gefertigt. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić nahm am Samstag an einer Eröffnungszeremonie in der Fabrik in Šabac unweit von Belgrad teil, wie die serbische Regierung mitteilte.
Produziert werden die Roboter von Minth, einem Autozulieferer, der seinen Sitz in Taiwan, seine geschäftlichen Ursprünge aber in der Volksrepublik hat und knapp zwei Fünftel seines Geschäfts auf dem Festland macht. Minth und Agibot haben im Februar in München eine strategische Partnerschaft für „verkörperte Intelligenz“ in Europa bekannt gegeben. Schon in der Mitteilung hieß es, Minth bringe neben Vertrieb und Wartung seine Fähigkeiten in der Produktion ein. Der Konzern betreibt schon seit etlichen Jahren Fabriken in dem Land.
Konkret sollen zunächst rund 5000 Roboter im Jahr montiert werden, sagte Präsident Vučić. Später solle auch die Produktion aufgenommen werden. Das spricht dafür, dass die Fertigungstiefe in der Fabrik zunächst nicht sonderlich hoch ist, sondern Teile aus China für die Endmontage nach Serbien geliefert werden. Die Investition beläuft sich der Mitteilung zufolge auf rund 20 Millionen Euro. Vorerst geht es um eine Montagelinie in einem bestehenden Werk. Minth will laut der Mitteilung aber einen Industriepark für Robotik bauen, in den 200 Millionen Euro fließen sollen. Sobald dieser Industriepark fertig ist, soll die Produktion auf 20.000 Geräte im Jahr steigen. Dabei geht es aber sowohl um humanoide Roboter als auch um Roboterhunde.
Agibot „am professionellsten“
Auffällig ist, dass Agibot nicht erwähnt wird und auch selbst keine Mitteilung veröffentlicht hat. Fotos von der Veranstaltung machen aber deutlich, dass es sich um Agibot-Roboter handelt. Agibot will die Fabrik bisher nicht größer bewerben, erfuhr die F.A.Z. aus Unternehmenskreisen. Der Grund für diese Zurückhaltung blieb vorerst offen. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage nicht.
Unter den chinesischen Herstellern humanoider Roboter gehe Agibot in der Expansion in Europa „derzeit am professionellsten“ vor, sagte Georg Stieler, Robotik-Berater mit Fokus auf China. Das Unternehmen habe schon im Oktober 2025 sein Europageschäft gestartet, beschäftige knapp 20 Personen in Europa und habe ein Netz lokaler Vertriebspartner.
Die Fabrik soll eine der ersten in Europa für die Massenproduktion humanoider Roboter sein. Ende August hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, dass der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch im kommenden Sommer mit der Serienproduktion humanoider Roboter beginnen will. Dafür tun sich die Stuttgarter mit dem britischen Start-up Humanoid zusammen. Bosch übernimmt die Produktion im Auftrag von Humanoid.
Vučić wirbt um chinesische Investitionen
„In einer Zeit rapider technologischer Entwicklung darf Serbien nicht hinter die führenden Weltmächte zurückfallen und muss sich an die neue technologische Ära anpassen“, wird Vučić in einer Mitteilung zitiert. Der Politiker nutzte die Eröffnung für einige öffentlichkeitswirksame Bilder und spielte etwa Fußball mit einem der Roboter. Im Juni war der Politiker mit humanoiden Robotern, offenbar auch von Agibot, aufgetreten. Vučić sucht seit Jahren die Nähe zu Peking und zieht Investitionen chinesischer Unternehmen an Land, etwa in die Infrastruktur.
Die chinesische Parteizeitung „Global Times“ schrieb, Serbien bewege sich an die vorderste Front der Massenproduktion humanoider Roboter und könne eine „Verbindung zwischen chinesischen technologischen Fähigkeiten und europäischer Marktnachfrage“ schaffen. Zudem fülle die Fabrik eine Lücke in lokalisierter Massenproduktion, zitierte das Propagandamedium einen Wissenschaftler.
Der Vorstoß Agibots nach Europa steht im Kontrast zur Politik der US-Regierung. Diese hatte Ende Juli den Import neuer Roboter aus China verboten. Neue Roboter erhalten demnach keine Zulassung der Kommunikationsaufsicht FCC mehr, diese ist aber für den Import notwendig. Die Roboter könnten genutzt werden, um Amerikaner auszuspionieren, hieß es von der FCC.
Humanoide Roboter gelten als mögliche Zukunftsbranche. Vor allem die chinesische Regierung verspricht sich viel von den Robotern in Menschenform und hat sie im 15. Fünfjahresplan, der den Zeitraum bis zum Jahr 2030 abdeckt, als eine vielversprechende Industrie definiert. Die Unternehmen erhalten hohe Subventionen von der Zentral- und den Lokalregierungen.
Ende August sorgten die Weltspiele für humanoide Roboter und eine große Robotikmesse in Peking für Aufsehen. Der Agibot-Konkurrent Unitree machte derweil mit einem fulminanten Börsengang in Shanghai Schlagzeilen. Agibot ist in den sozialen Medien bisher weniger präsent als Unitree. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen laut dem Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research aber 9700 humanoide Roboter ausgeliefert und damit einen globalen Marktanteil von 43 Prozent erzielt, während Unitree auf 31 Prozent kam. Bei den kürzlich in Peking ausgetragenen Weltspielen für humanoide Roboter holte Agibot 18 Goldmedaillen und lag damit eigenen Angaben zufolge ganz vorn im Medaillenspiegel.
