
Die Inflation im Euroraum belief sich im August auf 3,3 Prozent. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Dienstag aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Juli hatte die Rate 2,9 Prozent betragen, nach 2,8 Prozent im Juni. Insbesondere die Energiepreise treiben die Teuerung; aber nicht ganz ausschließlich. Die Inflation könnte nun „wieder zu einem Problem“ werden, sagte Maximilian Wienke, Analyst von Etoro.
Je nach Euroland ist die Entwicklung unterschiedlich. In Deutschland betrug die Inflationsrate nach dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), der für Vergleiche mit anderen Euroländern verwendet wird, im August 2,9 Prozent. Das Ifo-Institut in München warnte am Dienstag, es rechne sogar auch fürs kommende Jahr mit einer erhöhten Inflation. Die Jahresinflationsrate werde 2027 auf 3,0 Prozent steigen.
4,5 Prozent Inflation in Spanien
In Frankreich verteuerten sich Waren und Dienstleistungen im August um durchschnittlich 2,7 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 2,4 Prozent im Juli. In Spanien legte die Rate von 3,9 auf 4,5 Prozent zu. In Österreich stieg sie von 2,6 auf 2,9 Prozent. Der Anstieg der Teuerung sei fast ausschließlich auf Preisschübe für Treibstoffe und Heizöl zurückzuführen, sagte die Generaldirektorin der Statistik Austria, Manuela Lenk. Dies führe im Jahresvergleich zu einem Plus von 10,0 Prozent für die Energiepreise. Dämpfend habe sich die seit Juli geltende niedrigere Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel von 4,9 statt 10,0 Prozent ausgewirkt.
Wichtig wird in den kommenden Monaten, ob es sogenannte Zweitrundeneffekte der teuren Energie gibt. „Wir gehen davon aus, dass es keine weitere Eskalation am Persischen Golf geben wird und in der Folge die Energiepreise eher etwas fallen dürften“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen: „Allerdings werden die Preise wegen der anhaltenden Unsicherheit deutlich über dem Niveau von vor dem Iran-Krieg liegen.“ Damit würden die Energiekosten der Unternehmen dauerhaft steigen, und diese dürften versuchen, die höheren Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.
„Weitere Straffung wird erforderlich sein“
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der kommenden Woche am Donnerstag über die Zinsen zu befinden. Eine Zinserhöhung wird allgemein erwartet. Der wichtigste Leitzins, der Einlagensatz, dürfte von 2,25 auf 2,5 Prozent steigen. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach sich in einem Interview dafür aus, diesen Schritt zu gehen. Beim derzeitigen Leitzins sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das anvisierte Ziel von 2,0 Prozent zurückkehre: „Daher wird eine weitere Straffung erforderlich sein.“ Das finnische Ratsmitglied Olli Rehn hob hervor, die Notenbank müsse sich auf einen langwierigen Konflikt im Nahen Osten einstellen, der die Teuerung im Euroraum hochhalten könnte: „Angesichts dieses Inflationsdrucks dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen.“
Die Renditen deutscher Staatsanleihen hatten schon am Montag zweitweise mehrjährige Höchststände erreicht. Am Dienstag rentierte die richtungsweisende Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit zeitweise mit 3,34 Prozent. Dabei spielen Inflationserwartungen, Zinserwartungen, aber auch Sorgen über die steigenden Staatsschulden in aller Welt eine Rolle. Auch in vielen anderen Ländern stiegen die Renditen, in Japan erreichten sie am Dienstag sogar ein 30-Jahres-Hoch.
Die Verbraucherzinsen in Deutschland sind im Vorgriff auf eine mögliche EZB-Zinserhöhung zum Teil schon gestiegen. Wie das Internetportal Verivox am Dienstag in einem Zinsvergleich berichtet, bringen in ganz Deutschland verfügbare Angebote für Festgeld mit zwei Jahren Laufzeit im Durchschnitt derzeit 2,53 Prozent. Das entspreche einem Zinsanstieg um 0,46 Prozentpunkte gegenüber dem Frühjahr. Die Zinsen kurzfristiger Anlagen mit einem Jahr und längerfristiger mit zehn Jahren Laufzeit seien ähnlich stark angestiegen. Über alle Laufzeiten lägen die durchschnittlichen Festgeldzinsen mittlerweile deutlich oberhalb des aktuellen Einlagezinssatzes der EZB von 2,25 Prozent. Dies habe es zuletzt Ende 2022 gegeben, also kurz nach dem Ausstieg aus der historischen Niedrigzins-Ära.
Die Bauzinsen haben die Marke von vier Prozent klar überschritten. Im Durchschnitt zahlen Kreditnehmer für ein Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung nach Angaben der FMH-Finanzberatung 4,15 Prozent. Die Fachleute für Baufinanzierung, die regelmäßig vom Kreditvermittler Interhyp um eine Prognose gebeten werden, erwarten für die kommenden Wochen mehrheitlich keine größere Veränderung der Bauzinsen. Mittelfristig, im weiteren Jahresverlauf, rechnen sie mit einem „moderaten Anstieg“.
