
Frankreich und Schweden wollen den Weg zu „europäischer Souveränität“ in der Verteidigungskooperation weisen. Unter diesem Motto steht der Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag in Stockholm, wie der Élysée-Palast mitteilte. Frankreich verkauft vier französische Fregatten im Wert von 4,3 Milliarden Euro an Schweden. Gemeinsam mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson hat Macron den Milliardendeal an Bord der französischen Fregatte Amiral Ronarc’h am Montagnachmittag unterzeichnet, die eigens in schwedische Gewässer beordert wurde.
Frankreich hat seinerseits im Dezember zwei Global-Eye-Luftaufklärungsflugzeuge beim schwedischen Konzern Saab im Wert von über einer Milliarde Euro bestellt. Fregatten wie Aufklärungsflugzeuge stehen in direkter Konkurrenz zu amerikanischen Angeboten. Schweden hat noch vor Deutschland am 23. April an einer sogenannten Nuclear Steering Group mit Frankreich teilgenommen.
Die Kooperation mit Schweden bei der nuklearen Abschreckung wird in Paris angesichts der russischen Bedrohung als „sehr wichtig“ angesehen. „Die Arbeit geht weiter und wird intensiviert“, teilte der Élysée-Palast ohne Nennung weiterer Einzelheiten mit. In Paris betont man, dass das neue NATO-Mitglied Schweden eine ähnliche Vision von staatlicher Souveränität in der Verteidigung habe wie Frankreich.
Enttäuschung über Scheitern des Projektes mit Berlin
In Paris ist man nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts enttäuscht darüber, wie schwierig es ist, in strategischen Fragen Übereinstimmung mit Berlin zu erzielen. Auch deshalb kann man sich im Élysée-Palast eine enge Zusammenarbeit mit Schweden beim Kampfflugzeug der nächsten Generation vorstellen. „Wir suchen beide nach recht ähnlichen und eher kleinen Flugzeugen“, hieß es.
Frankreich verfüge über Produktionskapazitäten für Flugzeugtriebwerke, die Schweden fehlten. In diesem Bereich könnten beide Länder kooperieren. Der schwedische Konzern Saab produziert mit dem Gripen selbst ein Kampfflugzeug der vierten Generation, dessen Triebwerk vom amerikanischen Unternehmen GE Aerospace entwickelt wurde. Schweden hat noch nicht über die Kooperation entschieden.
Der Kauf der Fregatten wird in Schweden als Ausdruck eines strategischen Rollenwechsels in der Sicherheitspolitik auch im maritimen Bereich gesehen. Infolge des NATO-Beitritts im Jahr 2024 steht nicht mehr nur die Landesverteidigung und damit das Agieren in den flachen Schärengewässern im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, auch weiter entfernte Seeräume zu kontrollieren. „Mit den Fregatten sichern wir die Ostseeregion“, schrieb der Chef der schwedischen Marine, Johan Norlén, am Montag in einem Beitrag in der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“. Die Schiffe der Naval Group, die in Schweden als Luleå-Klasse geführt werden, gelten aufgrund ihrer Fähigkeiten zur Luftverteidigung hierfür als hervorragend geeignet.
Vorbereitung auf den „falschen Krieg“?
Es gibt in Schweden durchaus Verteidigungsfachleute, die fragen, ob eine derartige Anschaffung von milliardenteuren 122 Meter langen Schiffen noch sinnvoll ist in Zeiten, in denen sich auch auf See die Kriegsführung massiv hin zu Drohnen verlagert, sei es über oder unter Wasser. Gefragt wird, ob sich Schweden damit also auf den „falschen Krieg“ vorbereitet. Allerdings rüstet die Regierung auch bei den unbemannten Systemen massiv auf. Im Frühjahr stellte sie dafür vier Milliarden Kronen bereit, auch für Angriffsdrohnen. Sie zielt auf eine Kombination von klassischen und unbemannten Verteidigungssystemen.
Aus dieser Sicht braucht es auch die Fregatten. Denn sollte Russland einen der baltischen Staaten angreifen oder die NATO im Ostseeraum in anderer Form testen, hat Schweden eine entscheidende Rolle. Aufgrund seiner geographischen Lage dient es als Hauptaufmarschgebiet der Alliierten. Zudem muss von Schweden aus rasch die Lufthoheit in der Ostsee hergestellt werden – wozu sich die neuen Fregatten ideal eignen.
