
Die zu Beginn des Jahres nach lautem Streit in der hessischen Regierungskoalition beschlossenen Kürzungen im Schuletat werden zum größten Teil zurückgenommen. Wie Ministerpräsident Boris Rhein und Bildungsminister Armin Schwarz (beide CDU) sowie der stellvertretende Regierungschef Kaweh Mansoori (SPD) am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mitteilten, gilt dies auch für die sogenannten Brennpunktschulen.
Von den 300 gestrichenen Stellen werden in zwei Tranchen vom nächsten Schuljahr an 200 wieder aufgebaut. Dann arbeiten dort gemäß dem Sozialindex insgesamt 550 zusätzliche Lehrkräfte. Die im laufenden Schuljahr wirksam gewordenen Kürzungen der Zuschläge für eine Unterrichtsform der integrierten Gesamtschulen werden, wie schon im März angekündigt, bei der Verabschiedung des nächsten Haushalts vollständig zurückgenommen.
„Regieren ist nicht leicht“
Auf die Kehrtwende angesprochen, stellte Mansoori fest, dass Regieren nicht leicht sei. Das schwarz-rote Bündnis habe es aber trotz Meinungsverschiedenheiten am Ende immer wieder geschafft, zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. „Eine solche Koalition können Sie suchen in Deutschland.“
Schwarz erklärte, dass die zusätzliche Förderung der Schulen „mit besonderen Herausforderungen“ fortentwickelt werde. Sie würden künftig nicht mehr nach dem Prinzip der Gießkanne unterstützt, sondern nach unterschiedlichen Kriterien, die eine präzise Steuerung ermöglichten.
Die beiden Punkte sind Bestandteile eines Bildungspakets, das mit 50 Millionen Euro bis zum Ende der Wahlperiode die Schaffung von insgesamt 680 Lehrerstellen umfasst. Der Bildungsetat des laufenden Jahres sei mit 6,2 Milliarden Euro schon ein Rekord, sagte Rhein. Das neu geschnürte Paket komme „noch obendrauf“. Damit widerlege die Koalition den Vorwurf der Opposition, sie spare an der Bildung.
Eine zusätzliche Deutschstunde
Vom Schuljahr 2028/29 an soll es in der Jahrgangsstufe eins eine zusätzliche Deutschstunde geben, sodass Erstklässler auf insgesamt sieben je Woche kommen. Gleichzeitig wird für alle Grundschulen in den dritten und vierten Klassen eine tägliche Lesezeit von 20 bis 25 Minuten verpflichtend eingeführt. Die Kinder sollen lernen, komplexere Texte zu lesen, sich Informationen zu erschließen und selbständig Wissen zu erwerben.
Auch in Mathematik wird früher angesetzt. In den ersten beiden Klassen sind sogenannte Mitlaufkurse geplant, von Klasse fünf und sechs an Basiskurse. Damit sollen Lernrückstände möglichst früh erkannt und beseitigt werden.
Angesichts der zunehmenden Digitalisierung will die Landesregierung die Medienkompetenz von Kindern stärken. Für alle Viertklässler ist zum nächsten Schuljahr die Einführung eines „Medienführerscheins“ geplant. Vermittelt werden sollen der sichere Umgang mit dem Internet, die Bedeutung persönlicher Daten sowie die Chancen und Gefahren digitaler Medien.
Neues Unterrichtsfach „Digitale Welt“
Als erstes Bundesland will Hessen das Fach „KI und Digitale Welt“ verpflichtend einführen. Begonnen werden soll damit im nächsten Schuljahr zunächst in der fünften, danach auch in der sechsten Klasse. Vom Schuljahr 2029/30 an wird das Angebot zwischen den Jahrgangsstufen sieben und zehn ausgebaut, um einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit Informatiksystemen und Künstlicher Intelligenz zu vermitteln.
Die besten Absolventen der Bildungsgänge Hauptschule, Realschule und Gymnasium sollen am Ende des Schuljahres 2026/2027 erstmals im ganzen Land für ihre Leistungen geehrt werden. Dazu zähle auch gesellschaftliches Engagement, fügte Schwarz hinzu.
Auch sportliche Leistungen will er künftig besser gewürdigt wissen. So soll das Projekt „Jugend trainiert für Olympia“ im laufenden Schuljahr um weitere Sportarten ergänzt werden. Mit dem Paket orientiere man sich an den Erkenntnissen der Bildungsforschung, sagte Schwarz.
Gute Bildung sei das Fundament für eine gute Zukunft. Deshalb wolle man allen Kindern die besten Chancen eröffnen – unabhängig davon, wo sie aufwüchsen und welche Voraussetzungen sie mitbrächten. „Es geht nicht darum, alle gleich zu behandeln, sondern darum, unterschiedliche Bedarfe zu erfüllen“, erklärte Mansoori.
Schwarz wird am Dienstag zu Beginn der parlamentarischen Sitzungswoche im Landtag eine Regierungserklärung abgeben. In der Aussprache wird auch die Opposition zu Wort kommen.
