Dieser Text ist Teil einer Ausgabe des ZEITmagazins von und mit dem italienischen Künstler Maurizio Cattelan. Der Anlass: Vom 10. September an läuft in der Neuen Nationalgalerie in Berlin die erste umfassende Einzelausstellung Cattelans in Deutschland.
Als Teenager gab ich die Schule auf und nahm in Venedig eine Vollzeitstelle an, bei der ich Fernseher reparierte. Einer der Kunden, die ich besuchte, war ein älterer Franziskanermönch, der seine Tage damit verbrachte, Teleskope mit selbst geschliffenen Linsen zu bauen und über Wissenschaft genauso begeistert zu sprechen wie über Gott und über Essen. Eines Nachmittags erzählte er mir, dass die Menschen in seinem Dorf während des Krieges Katzen so zubereitet hätten wie Kaninchen. Ich wollte wissen, wie das schmeckte. Er sagte, ich solle in zwei Wochen wiederkommen. Als ich wiederkam, servierte er mir einen Eintopf. Er war köstlich. Bevor ich ging, fragte ich ihn, ob es wirklich Katze gewesen sei. Er lächelte und sagte: »Nennen wir es einfach Kaninchen.« Damals servierten manche Landgasthäuser in meiner Gegend Kaninchen noch mit dem Kopf – um zu beweisen, dass es keine Katze war.
