Es riecht nach Bratwurst und Popcorn, aus jeder Richtung tönt Musik, und auf beiden Seiten des Mains schiebt sich eine Menschenmenge vorbei an Ständen, Bühnen und erleuchteten Museumsfassaden. Am Freitagabend hat das 42. Museumsuferfest begonnen, und schon zum Auftakt zeigt sich: Frankfurts größtes Kulturfest ist auch in diesem Jahr ein Publikumsmagnet.
Drei Tage lang steht die Stadt im Zeichen des Museumsufers. Rund eine Million Besucher werden nach Angaben der Tourismus + Congress GmbH Frankfurt, die das Fest ausrichtet, in diesem Jahr erwartet – eine Zahl, die das Museumsuferfest zu einem der größten Kulturfestivals Europas macht. Bis in die späten Abendstunden öffnen Museen auch am Samstag und am Sonntag ihre Türen und präsentieren sich auf den zahlreichen Bühnen internationale und regionale Musiker und DJs. Wer die Museen besuchen möchte, erhält mit einem Button für einmalig sieben Euro während des gesamten Festes freien Eintritt.

Schon früh füllen sich am Freitagabend die Uferpromenaden, und je später der Abend, desto dichter wird das Gedränge – auf beiden Mainseiten gleichermaßen. Das Publikum ist bunt gemischt: Familien, junge und ältere Paare, Freundesgruppen jeden Alters schlendern zwischen den Ständen umher. Spätsommerliches Wetter, mild und trocken, tut ein Übriges für die gelöste Atmosphäre. An den Essensständen reiht sich Angebot an Angebot, von klassischer Bratwurst und Pommes bis zu Kaiserschmarrn und Crêpes; überall sind Besucher mit Gebäck, Currywurst-Schalen oder Hähnchenspießen in der Hand unterwegs.
Wie unterschiedlich die Motive der Besucher sind, zeigt sich im Gespräch mit einer Frankfurter Familie, die mit ihren beiden Kindern, sechs und acht Jahre alt, gekommen ist. Das Museumsuferfest sei „Kult“, sagt die Mutter, man komme jedes Jahr – „teils wegen der Atmosphäre, teils um das Sommerende zu feiern“. Anders als viele jüngere Besucher nutzt die Familie das Fest jedoch auch, um tatsächlich ein Museum zu besuchen: Die Kinder interessierten sich fürs Filmemachen, weshalb ein Abstecher ins Deutsche Filminstitut & Filmmuseum eingeplant sei. Danach stehe, ganz klassisch, noch der Gang zum Wurststand und die Entscheidung Currywurst oder Bratwurst an. Man wolle die Atmosphäre genießen, mit den Kindern eine schöne Zeit verbringen und anschließend gemeinsam nach Hause gehen, sagt die Mutter.

Ganz anders liest sich das Bild bei zwei jungen Männern Anfang zwanzig. Für sie ist das Museumsuferfest vor allem eines: ein Anlass, um mit Gleichaltrigen zusammenzukommen. Es sei „eine schöne Veranstaltung, bei der alle Frankfurter“ zusammenkämen, sagt einer der beiden. Er wünsche sich sogar mehr solcher Feste in der Stadt, weil das Nachtleben ohnehin ausdünne. Museen spielen für die beiden keine Rolle: Es gehe „ja nicht um Museen“. Man sei da, um die Atmosphäre aufzusaugen, einen schönen Abend mit Freunden zu verbringen, Neues auszuprobieren – und auch ums „Saufen“. „Keiner in unserem Alter kommt für die Museen hier her“, bringt es einer der beiden auf den Punkt.
Zu den Höhepunkten des Festes zählen neben Ausstellungen und Musik die Drachenbootrennen, die zweitältesten ihrer Art in Deutschland, bei denen der Main selbst zur Wettkampfarena wird, sowie Formate wie die Antiquariatsmeile, die Kunstwiese oder die Orgel- und Chormeile. Den Abschluss bildet am Sonntag um 22 Uhr ein Musikfeuerwerk, das die Frankfurter Skyline in ein Lichtermeer taucht.
Zwischen dem familiären Museumsbesuch am Nachmittag und dem ausgelassenen Beisammensein junger Erwachsener am Abend entfaltet das Museumsuferfest damit genau jene Spannbreite, die seinen Ruf als Frankfurter Institution begründet: Kunst und Kultur auf der einen, Geselligkeit, Musik und Genuss auf der anderen Seite. Am ersten von drei Festtagen überwiegt an den Ständen und auf den Uferwiesen deutlich Letzteres – während sich in den Museen selbst, etwas abseits des Trubels, ruhigere Szenen abspielen. Bis Sonntagabend, wenn das große Feuerwerk den Schlusspunkt setzt, dürfte sich an diesem Nebeneinander wenig ändern.
