
Es reichen 27 Minuten, um fünf Tage Gamescom in den Schatten zu stellen. Am Abend des ersten Besuchertags der größten Videospielmesse der Welt veröffentlicht Rockstar Games einen ausführlichen Einblick in das von vielen Zockern seit Jahren ersehnte Spiel „GTA 6“. Der Nachfolger der erfolgreichen Videospielreihe „Grand Theft Auto“ erscheint nach jahrelanger Verzögerung im November. Zahlreiche andere große Titel kommen erst im Frühjahr 2027 heraus, um bloß nicht mit dem Platzhirsch zu konkurrieren.
Die Publisher wie Rockstar Games können jeden Spieler gebrauchen – die Branche steht auf der ganzen Welt unter Druck. Etliche Studios entlassen Entwickler, KI spaltet die Szene. Die Vorteile von Künstlicher Intelligenz liegen auf der Hand: in kürzerer Zeit zu geringeren Kosten programmieren; ganze Spielwelten können so generiert werden. Doch Entwickler sehen sich meist als Teil der Kreativbranche und lehnen den KI-Einsatz ab. Dabei stehen Umfragen zufolge immer mehr Spieler KI positiv gegenüber.
„GTA 6“ markiert sein Revier – während der Gamescom
Obendrein belastet der Mangel an Halbleitern die ausstellenden Hardwarehersteller. Der Umsatz der Gaming-Branche sank in Deutschland im ersten Halbjahr um drei Prozent. Zudem entwickelt sich der Markt immer mehr zum „Direkt zum Kunden“-Geschäft. Inzwischen kauft die Hälfte der Spieler neue Games direkt über den Webshop eines Entwicklers statt über Plattformen.
Der Playstation-Hersteller Sony etwa bindet die Kunden immer mehr an sich und ist seit der Corona-Pause nicht auf die Gamescom zurückgekehrt. Der „GTA“-Publisher meidet die Messe ohnehin. Andere sind zwar mit großen Titeln in diesem Jahr zurückgekehrt; und es wird eine Besucherzahl nahe dem Rekordjahr 2019 erwartet, als 373.000 Fans in die Kölner Messehallen strömten.
Doch die Gamescom ist in erster Line ein großes Publikumsevent. Zwar attestierte Frank-Walter Steinmeier, der als erster Bundespräsident das Event besuchte, der Gaming-Branche ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz. Die von der Branche geforderte Steuerförderung kommt so schnell trotzdem nicht. Will die Gamescom Repräsentant der Szene sein, muss sie sich in einem Umfeld behaupten, in dem 27 Minuten Spielszenen die Aufmerksamkeit etlicher der rund drei Milliarden Gamer auf sich ziehen.
