Die spanische Kleinstadt Villena im Hinterland von Valencia steht immer noch unter Schock. „Sie haben uns die Mona Lisa gestohlen“, schreibt ein Einwohner der Kleinstadt im Hinterland in einem Leserbrief an das „Periódico de Villena“ über den spektakulären Raub im Morgengrauen des vergangenen Donnerstags: Der Schatz aus der Bronzezeit, der 1963 in der Nähe von Villena entdeckt wurde, sei „Teil unserer DNA. Wir werden uns von diesem Schmerz nie erholen.“ Die konservative Volkspartei PP im Stadtrat betrauert den Verlust des „Symbols der kollektiven Identität“ von Villena.
In nur vier Minuten stahlen die Täter einen mehr als 3000 Jahre alten Schatz. Alles sei „ultraschnell und ultraprofessionell“ vor sich gegangen, sagte ein erschütterter Sprecher der Stadtverwaltung. Jetzt ist die Sorge, dass der Schatz eingeschmolzen wird – und dass es sich um besonders brutale Täter eines neuen Typs handeln könnte, wie sie auf der Suche nach einem schnellen Gewinn schon in anderen europäischen Museen zuschlugen.
Den Marktpreis für die 9,3 Kilogramm Gold schätzt man in Spanien auf rund 1,2 Millionen Euro. Insgesamt waren es 66 Stücke aus Gold, Silber, Eisen (auch Meteoritenerz) und Bernstein. Sie sind so bekannt, dass es selbst auf dem Schwarzmarkt schwierig wäre, sie zu verkaufen – wenn kein Sammler den Auftrag gegeben hat.

Dabei fühlte man sich in Villena relativ sicher. Das Museum sei unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften erst 2024 eröffnet worden, berichtete die Lokalzeitung. Die letzte regelmäßige Inspektion habe am 3. August stattgefunden. Das Sicherheitssystem hat angeblich funktioniert, konnte die schnellen Eindringlinge aber nicht stoppen. Sie überwanden fünf separate Sicherheitskreise und schafften es in den Tresorraum, dessen Wände mit doppelten Spanplatten verstärkt sind; für ihn verfügten nur zwei Personen über die notwendigen Schlüssel und Codes. Drinnen zertrümmerten sie dann die Vitrine aus besonders gehärtetem Panzerglas.
In Spanien ist es schon der dritte große Raub innerhalb von vier Monaten in einem Provinzmuseum. Zuvor waren im Juli und April aus den Museen in Albacete und Badajoz insgesamt mehr als 300 historische Goldmünzen geraubt worden. Erst am vergangenen Montag warnte die EU-Polizeibehörde Europol davor, dass die Täter in Museen immer aggressiver vorgehen. Sie setzten Vorschlaghämmer, Sprengstoff und Schusswaffen ein, um in die Gebäude einzudringen und Mitarbeiter einzuschüchtern.
Sie konzentrieren sich zunehmend auf Edelmetalle, Edelsteine und kulturell bedeutsame Artefakte. Wahrscheinlich wegen des geringen Materialwertes ließen die Täter in Villena nach Informationen der Zeitung „El País“ ein aus Meteoritenerz gefertigtes Eisenarmband zurück, obwohl es kunsthistorisch von großem Wert ist.
Die jüngsten Diebstähle seien von dezentralisierten „Ad-hoc-Gruppen profitorientierter Opportunisten“ verübt worden, die über soziale Medien auf „Crime as a Service“-Basis rekrutiert würden, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Veränderte Taktiken, veränderte Ziele“. Europol nennt als prominente Beispiele die Einbrüche in den Louvre und das Museum in Drents de Assen in den Niederlanden im vergangenen Jahr sowie ins Museum von Cognacq-Jay im Jahr 2024.
