
Im vergangenen Jahr haben die Wiesbadener Stadtverordneten einen Beschluss zur Bekämpfung illegaler Drogen gefasst, der auf „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ setzt. Die noch amtierende Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke (Die Linke) hat nun eine Zwischenbilanz vorgelegt. Ein zentrales Element der Prävention ist dabei das Cannabis-Checking-Pilotprojekt, das von Oktober bis März von Wiesbadener Klubs und örtlichen Suchthilfeträgern in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Verein Basis veranstaltet und vom Wiesbadener Gesundheitsamt nun evaluiert wurde. Ziel war es den Angaben zufolge, ein niedrigschwelliges Angebot der Prävention und der Schadensminderung für Drogenkonsumenten im Freizeit- und Nachtleben in Wiesbaden zu erproben. Dabei wurden dem Klubpublikum wie auch dem Personal Substanzanalysen, Informationen und Beratung sowie Schulungen in der Suchthilfe angeboten.
„Verlässliche finanzielle Ausstattung nötig“
In der Zwischenbilanz zeigt sich den Angaben zufolge, dass alle Männer und Frauen, die teilgenommen haben, wie auch die am Projekt mitarbeitenden Fachleute das Angebot positiv bewerteten. Das Klubpublikum habe vor allem den Gewinn an Wissen gelobt. Die gesteigerte Präsenz der Suchthilfe in der Wahrnehmung des Klubpublikums und des Personals wurde ebenso als wichtiger Effekt genannt.
Aus diesen Ergebnissen folgert Gesundheitsdezernentin Löbcke weiteren Finanzbedarf. Damit die Stadt Suchthilfe und Prävention nachhaltig weiterentwickeln könne, brauche es eine „verlässliche finanzielle Ausstattung“. Dieser Finanzbedarf müsse bei den nächsten Haushaltsberatungen berücksichtigt werden.
Cathrin Fehl, Leiterin der Fachambulanz für Suchtkranke des Caritasverbands Wiesbaden-Rheingau-Taunus, äußerte: „Prävention in der Suchthilfe beginnt dort, wo Menschen erreicht werden, im Alltag, in der Schule und auf Augenhöhe. Cannabis-Drug-Checking sei dabei ein wichtiger Schritt in die moderne Präventionsarbeit, um Risiken frühzeitig sichtbar zu machen. Dabei wird geprüft, was in den Substanzen enthalten ist, die in Umlauf sind. Die Entwicklung um Cannabis, Lachgas und andere psychoaktive Substanzen zeige, dass Präventionsangebote stetig angepasst werden müssten.
Ina Buttler, Leiterin des Suchthilfezentrums Wiesbaden, hob hervor, dass ihr Zentrum auch für die geplante Erweiterung der „Straßensozialarbeit“ zur Verfügung stehe und am Aufbau der Prävention an Schulen und in Jugendzentren mitwirken wolle. Die Fachstelle für Suchtprävention im Suchthilfezentrum Wiesbaden verfüge über ein Kooperationsnetz und biete schon heute Projekte in Schulen, Jugendeinrichtungen und dergleichen an. Eine Sicherung der bestehenden Angebote und deren Ausbau etwa für höhere Schulklassen und Berufsschulen sei „dringend notwendig“. Junge Erwachsene mit heiklem Konsumverhalten könnten so mit passgenauen Angeboten früher erreicht werden und rechtzeitig individuelle Hilfe erhalten.
