
Cavallo entschied sich für Attacke, wohl wissend, dass es im stark mitbestimmten VW-Konzern sehr heikel ist, wenn die Betriebsratsspitze den Konzernchef grundsätzlich infrage stellt: „Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten“, rief sie den Beschäftigten im Stammwerk zu.
Das Belegschaftstreffen in Wolfsburg war nur der erste einer ganzen Reihe von Terminen, zu denen die Arbeitnehmervertreter die Führungsspitze herbeizitiert hatten. Nicht überall ist Cavallo dabei. Die Betriebsversammlungen in Emden, Hannover, Zwickau und Co überlässt sie ihren IG-Metall-Kollegen vor Ort. Präsenz will sie aber zeigen, etwa durch separate Termine, auf denen sie sich mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zeigt. So traten die beiden in dieser Woche vor dem Werkstor in Osnabrück auf, um Beschäftigten Mut zu machen und zu bekräftigen, dass man an dem Standort nach Anschlussbeschäftigung sucht, wenn dort nächstes Jahr die Autoproduktion ausläuft. Konkret geht es dort um Rüstungsprojekte.
Allianz zwischen Gewerkschaft und Landesregierung
Die Achse zwischen sozialdemokratisch regierter Staatskanzlei in Hannover und VW-Betriebsrat funktioniert, auch das sollen solche Auftritte zeigen. Wie wichtig die Politik bei VW ist, weiß Cavallo, 51 Jahre alt, natürlich genau. 20 Prozent der Stimmrechte im Konzern gehören dem Land, gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat kann Niedersachsen eine mächtige Allianz formen.
Schon vor anderthalb Jahren, als VW eine erste Sparrunde angeschoben hatte, stemmten sich IG Metall und Landesregierung dagegen, dass Standorte einfach dichtmachen. Auch jetzt, wo VW noch tiefer einschneiden will, zieht Cavallo rote Linien und will Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern.
Die Tochter italienischer Einwanderer hatte im Jahr 2021 den Posten von ihrem Vorgänger Bernd Osterloh übernommen. Seither kämpft sie sich durch eine Serie immer schärferer Konflikte hindurch. Auch die Arbeitnehmervertreter wüssten um die „schwierige Gesamtlage der Automobilindustrie“, beteuert sie stets, glaubt aber, dass sich die Probleme anders bewältigen lassen als mit Kahlschlag. Die nächste große Etappe im Streit steht Ende kommender Woche an. Dann kommt wieder der Aufsichtsrat zusammen.
