
Wegen der von Straßenbahnen eines neuen Modells in Darmstadt ausgehenden Vibrationen experimentieren der Schweizer Hersteller und die stadteigene Nahverkehrsgesellschaft weiter mit Umbauten an den Fahrzeugen. Im Juni seien Räder getestet worden, die weniger steif als die des Serienmodells seien, teilten das Unternehmen Stadler und Heag Mobilo mit. Anwohner der Straßenbahnstrecken beschweren sich seit drei Jahren über Erschütterungen, die bei Vorbeifahrten von Bahnen des neuen Typs „Tina“, kurz für „Total integrierter Niederflurantrieb“, in den Häusern auftreten.
Von Stadler und Heag Mobilo heißt es, bei Versuchsfahrten unter realistischen Bedingungen seien die veränderten Bauteile im Darmstädter Straßenbahnnetz erprobt worden. Dabei seien an vier Streckenabschnitten die von den Bahnen ausgehenden Erschütterungen gemessen worden, nämlich in den Stadtteilen Arheilgen, Kranichstein und Eberstadt sowie in Seeheim-Jugenheim.
Vibrationen sinken um maximal zehn Prozent
Die Ergebnisse der Messfahrten mit dem umgebauten Prototyp seien nun ausgewertet. Diese zeigten, dass dank der Veränderungen an den Rädern die Erschütterungen an einzelnen Standorten in Arheilgen und Kranichstein geringer seien, heißt es in der Mitteilung. Messwerte bei Fahrten des umgebauten Prototyps seien um drei bis zehn Prozent geringer ausgefallen als bei Serienfahrzeugen. An den anderen beiden Standorten habe sich „kein klares Bild“ ergeben. Je nach Messort und Fahrtrichtungen seien die Ergebnisse unterschiedlich gewesen.
Die Verbesserungen von drei bis zehn Prozent müssen daran gemessen werden, dass die Bahnen des neuen Typs Tina Erschütterungen auslösen, die um ein Viertel stärker sind als bei älteren Straßenbahnen. Das heißt, die modifizierten Tina-Bahnen lösen immer noch stärkere Vibrationen aus als die älteren Bahnen.
Ansgar Brockmeyer, stellvertretender CEO der Stadler-Gruppe, sagte, die aktuellen Messungen bestätigten, dass weichere Räder ein Beitrag sein könnten, um die Erschütterungen zu verringern. „Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass wir noch andere Maßnahmen brauchen. Hier helfen uns die Ergebnisse, die Einflussfaktoren entlang des Netzes besser zu verstehen und die nächsten Optimierungsschritte gezielt auszurichten.“
Johannes Gregor, Geschäftsführer der Heag Mobilo, sagte, die im Juni getesteten weicheren Reifen hätten noch nicht den erhofften Durchbruch gebracht. „Wir bauen weiter auf die Expertise und die avisierten nächsten Entwicklungsschritte durch Stadler, um durch Verbesserungen am Fahrzeug eine belastbare Lösung für unsere gesamte Tina-Flotte und die Anwohnenden zu finden.“
Stadler arbeitet nach eigenen Angaben mit zwei technischen Neuerungen, neben weniger steifen Radreifen wird eine Dämpfungseinrichtung im Fahrwerk untersucht. Diese beiden Lösungen würden derzeit in Basel, wo ebenfalls Tina-Bahnen unterwegs seien, getestet. Bis Jahresende werde ein nochmals modifizierter Tina-Prototyp auch durch Darmstadt rollen.
Stadler ist mit seinen Nachbesserungen schon weit im Verzug. Im vergangenen Jahr hatte der Hersteller versprochen, im ersten Quartal dieses Jahres alle Darmstädter Tina-Bahnen nachzurüsten. Nun wird bis Jahresende immer noch mit veränderten Bauteilen experimentiert.
