
In den Führungsetagen der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga der Männer arbeiteten in der vergangenen Saison drei Frauen mehr als in der Spielzeit 2024/25. Das geht aus dem Jahresbericht „Lage der Liga“ der Initiative „Fußball kann mehr“ hervor, die sich für mehr Diversität im Profifußball einsetzt. Die Analyse liegt der F.A.Z. vor. Demnach ist der Frauen-Anteil im Topmanagement der überprüften 36 Klubs in der Saison 2025/26 auf 9,6 Prozent gestiegen.
Grundlage des inzwischen dritten Berichts ist eine Befragung aller Klubs, die in der Saison 2025/2026 am Spielbetrieb der Ersten und Zweiten Bundesliga teilnahmen. Ausgewertet wurden die höchste operative Führungsebene der Klubs, die direkt darunterliegende Führungsebene sowie Aufsichts- und Kontrollgremien.
Im Topmanagement, damit sind Geschäftsführer und Vorstände gemeint, wurden insgesamt 94 Positionen erfasst. Davon waren 85 mit Männern und neun mit Frauen besetzt. Bei den Neubesetzungen lag der Frauenanteil höher als in der Saison 2024/25: Von 18 neu vergebenen Positionen im Topmanagement gingen vier an Frauen. In der Vorsaison war eine von 19 neu vergebenen Positionen mit einer Frau besetzt worden.
Tatjana Haenni erste Chefin
Zu den Neuberufungen zählt unter anderem Tatjana Haenni, die seit Januar Geschäftsführerin von RB Leipzig ist. Sie ist die erste Frau an der Spitze eines Bundesliga-Klubs. Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA berief Svenja Schlenker zur Geschäftsführerin für Personal sowie Mädchen- und Frauenfußball.
Katja Kraus, Beiratsvorsitzende und Mitinitiatorin der Initiative „Fußball kann mehr“, warnt in dem Bericht jedoch davor, einzelne prominente Personalien bereits als grundlegenden Wandel zu deuten: „Spektakuläre Einzelfälle sind kein Indiz für Wandel in der Breite.“
Denn trotz des Anstiegs bleiben die Führungsspitzen der Profiabteilungen überwiegend männlich. 29 der 36 Klubs setzen weiterhin keine Frau auf der obersten operativen Managementebene ein. Den höchsten Frauenanteil im Topmanagement erreichen die aus der Bundesliga abgestiegenen Klubs 1. FC Heidenheim und der FC St. Pauli sowie der Aufsteiger FC Schalke 04 mit jeweils 33,3 Prozent.
Auf der zweiten Führungsebene, bei den Führungskräften, die direkt an das Topmanagement berichten, lag der Frauenanteil bei 19,4 Prozent. Insgesamt wurden dort 432 Personen erfasst, darunter 84 Frauen. Fünf Klubs haben auf dieser Ebene keine Frau eingestellt; in der Saison 2024/2025 waren es noch acht.
Großer Spielraum für die Einbindung von Frauen
In den Kontrollgremien setzt sich der Trend fort. Unter 245 Mitgliedern gab es 29 Frauen. Das entspricht einem Anteil von 11,8 Prozent. In den Aufsichtsräten lag der Frauenanteil bei 11,5 Prozent. 14 der 32 Aufsichtsräte waren ausschließlich mit Männern besetzt. Nur zwei Aufsichtsräte wurden von Frauen geführt.
Den Kontrollgremien misst der Bericht eine Schlüsselrolle für strukturelle Veränderungen im Profifußball zu. „Veränderung beginnt dort, wo Strategien definiert, Vorstände eingesetzt und Budgets freigegeben werden“, schreibt Katja Kraus. Aus Sicht der Initiative besteht gerade dort besonderer Handlungsbedarf, weil die Gremien in vielen Klubs über die Besetzung des Topmanagements entscheiden oder zumindest maßgeblich daran beteiligt sind.
Der Bericht verweist zudem auf eine geringe internationale Vielfalt in den Aufsichtsräten. Weniger als drei Prozent der Mitglieder haben demnach keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Die Autoren der „Lage der Liga“ schreiben zwar von „Fortschritten“, sehen aber weiterhin großen Spielraum für die Einbindung von Frauen in Führungspositionen des professionellen Fußballs: Eine grundlegende Veränderung stehe noch aus.
