
Die eine Entscheidung hat Rancher in Amerika auf die Palme gebracht. Präsident Donald Trump erlaubte vor wenigen Tagen die Einfuhr von 300.000 Tonnen Rindfleisch in die USA ohne die üblichen Zoll- und Quotenauflagen. Er wolle damit den Preis für Hackfleisch für arbeitende amerikanische Familien deutlich senken, teilte Trump mit und bestätigte damit, was er bisher vehement bestritten hatte: dass seine Zölle Waren teurer machen.
Trumps Wirtschaftskriege treffen die ins Visier genommenen Länder ins Mark, doch sie verschonen die eigene Bevölkerung nicht. Amerikas Bauern, die als besonders loyale Anhänger Trumps gelten, leiden besonders schwer.
Die Produzenten von Sojabohnen, die knapp 30 Prozent ihrer Ernte nach China verschifften, erlebten 2018 im ersten Handelskrieg mit China dramatische Einbußen. Die Beziehungen erholten sich zwar, erreichten aber nie mehr das alte Niveau. Jüngste Zahlen zeigen, dass Brasilien die USA als wichtigster Lieferant abgelöst hat, während Argentinien immer mehr Marktanteile gewinnt.
Beim Dünger droht Ungemach
Schwer getroffen ist die Landwirtschaft überdies durch die Entwicklung der Preise für Diesel und Dünger. Diesel ist zentral, weil alle Trecker und Erntemaschinen damit angetrieben werden. Der Dieselpreis hat mit dem Beginn des Irankriegs stärker zugelegt als Preise für Benzin, weil die Nachfrage hier weniger elastisch ist: Autofahrer können auf unnütze Autofahrten mit ihrem Benziner verzichten, das Feld aber muss bearbeitet werden. Gleichzeitig hat nicht nur der Irankrieg das Angebot reduziert, auch die erfolgreichen Attacken der Ukraine auf russische Raffinerien haben das getan. Russland, lange der zweitgrößte Dieselexporteur der Welt, hat daraufhin die Exporte eingestellt.
Ähnlich kritisch ist die Lage bei Dünger. Nach einer Analyse der Weltbank waren die Preise für Stickstoffdünger (Harnstoff) im April nach Schließung der Straße von Hormus auf mehr als 850 Dollar je Tonne geklettert. Das waren 80 Prozent mehr als im Februar und so viel wie seit April 2022 nicht mehr. Die betroffene Region liefert fast ein Viertel des global gehandelten Harnstoffs. Zugleich fiel Produktion aus. Iran stellte wegen des Konflikts die Ammoniakherstellung ein. Qatar stoppte nach Schäden an wichtigen Anlagen die Produktion von Harnstoff, Ammoniak und Schwefel. Auch Indien drosselte die Herstellung von Harnstoff und Ammoniak, weil weniger Flüssiggas zur Verfügung stand. Für Bauern sind Düngemittel damit so schwer erschwinglich wie seit Mitte 2022 nicht mehr.
Nun droht neues Ungemach wegen des eskalierenden Handelskonflikts mit Kanada. Die USA importieren jährlich zwischen 90 und 97 Prozent des Kalidüngers, den sie verbrauchen. Kanadas Anteil an den Importen beträgt 85 bis 90 Prozent. Die kanadische Regierung hatte bisher gezögert, die Ausfuhrzölle für ihre Lieferungen zu verlangen – nun aber als Vergeltung Zölle auf US-Produkte im Wert von 20 Milliarden Dollar angekündigt.
Es trifft aber nicht nur die Bauern: Der Regierungschef der Provinz Ontario, Doug Ford, kündigte Maßnahmen an, die speziell republikanisch gefärbte Bundesstaaten treffen. Maine und Michigan kommen dabei infrage, in denen Hunderttausende Haushalte von Stromlieferungen aus Ontario abhängen. Ein Preisaufschlag auf diese Lieferungen sei nicht ausgeschlossen, drohte Ford.
Die Zölle kosten den Haushalt 1100 Dollar im Jahr
Es könnte noch schlimmer für die US-Verbraucher kommen, sollte Trump tatsächlich 50 Prozent Zoll auf Autos und Autoteile aus Kanada erheben. Kanada exportiert jedes Jahr Autos und Autoteile im Wert von rund 50,4 Milliarden Dollar in die USA, vor allem nach Michigan und Texas. Der Zoll wäre wie eine Verbrauchsteuer von 25 Milliarden Dollar, die sich Autobauer, Zulieferer und ihre Kunden irgendwie teilen müssten. Es geht dabei vor allem um große in Kanada montierte Pick-up-Trucks. Von deren Fahrern weiß man, dass sie gewöhnlich eher konservativ wählen. General Motors hat im Ausblick für 2026 angegeben, dass Trumps Zölle den Konzern rund 2,5 Milliarden Dollar kosten. Ford rechnet mit einer Belastung von etwas weniger als einer Milliarde Dollar.
Zu den höheren Energie- und Benzinkosten, die amerikanische Haushalte treffen, addieren sich generell erhöhte Verbraucherpreise durch Trumps Zollpolitik. Das Yale Budget Lab schätzt, dass die derzeit geltenden Zölle die Verbraucherpreise um 0,7 Prozent erhöhen. „Für einen durchschnittlichen Haushalt summieren sich die Kosten der Zölle nach geltendem Recht auf rund 1100 Dollar im Jahr“, schreiben die Analysten des Yale Budget Labs.
Trump Zollpolitik trifft die Verbraucher auch in Bereichen, die weniger im Scheinwerferlicht stehen. So können die Zölle auf Weichholz und Weichholz-Einbauschränke aus Kanada die Preise für ein neues durchschnittliches Eigenheim um Tausende Dollar erhöhen, hat die National Association of Homebuilders ermittelt. Der Wunsch, ein eigenes Haus zu besitzen, ist für viele ohnehin schon in weite Ferne gerückt. Ein wichtiger Faktor sind lokale Bauvorschriften.
Doch eine bedeutende Rolle spielen auch die Hypothekenzinsen, die mit zuletzt rund 6,7 Prozent für Kredite mit 30 Jahren Laufzeit hoch sind. Die Zinsen orientieren sich an den Staatsanleihen, deren Renditen wegen des gewaltigen Haushaltsdefizits deutlich gestiegen waren. Der Haushalt leidet unter anderem an Rückzahlungsverpflichtungen der als verfassungswidrig erklärten „Befreiungstags“-Zölle und wachsender Militärausgaben im Zuge des Irankriegs. Schuldlos ist Trump daran nicht.
