
Es war der 6. September 2003, da erzielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Island ein Ergebnis, mit dem man gegenwärtig schon zufrieden wäre: ein null zu null. Angesprochen auf das Trauerspiel, rasierte der damalige Bundestrainer Rudi Völler den Reporter Waldemar Hartmann und dessen Kollegen: „Die Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch mal ein Tiefpunkt. Da gibt’s noch mal einen niedrigen Tiefpunkt.“ Den „Scheißdreck“ könne er nicht mehr hören.
Auf den niedrigsten Tiefpunkt warten wir auch im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Voran ging in dieser Hinsicht Fabian Köster von der ZDF-„heute show“ im Schlagabtausch mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Mit Fragen in dem für das Magazin typischen, konfrontativen Stil, der darauf aus ist, das Gegenüber zu blamieren, schob der ZDF-Comedian Siegmund das Mikro vor die Nase. Die „Fragen“ beantwortete der AfD-Mann natürlich nicht. Er setzte auf Angriff und bescheinigte dem ZDF-Mitarbeiter, was er abliefere, sei „unterste Schublade“.
Die freilich würden wir zurzeit für Matthäus Westfal reservieren, der mit dem Alias „Aktivist Mann“ auftritt und auf Youtube stundenlange Mitschnitte von AfD-Veranstaltungen postet. Er zählt zu den rechten Streamern, an denen die Partei Freude hat, weil sie ihre Botschaften verstärken und – wie der Youtube-Kanal „Utopia TV Deutschland“ – aggressiv die Konfrontation mit echten Journalisten suchen.
„Die Lügenpresse wird für immer verschwinden“
So auch der „Aktivist Mann“, der sich selbst als „Journalist“ bezeichnet, in Wahrheit aber ein Feind der Presse ist. Er bedrängt Reporter und deckt sie mit Schimpfkanonaden ein. Auf dem „Familienfest“ der AfD am vergangenen Samstag in Merseburg rempelte er einen Reporter von „Spiegel TV“ beiseite und fing an zu schreien, er sei angegriffen worden. „Was sind sie für ein Medium? Sie kennen doch nur Gewalt.“ Später erging er sich mit Jugendlichen in „Lügenpresse“- und „Der ,Spiegel‘ muss weg“-Sprechchören und drückte seinen Zuschauern ins Ohr: „Die Lügenpresse wird für immer verschwinden aus diesem Land, wenn wir dranbleiben.“
Der frühere ARD-Sportreporter Waldemar Hartmann ist heute übrigens als Politikexperte bei Nius aktiv, wo er den „Spiegel“ als „ideologisch grün-linkes Kampfblatt“ verhöhnt. Noch so ein Tiefpunkt.
