Es gibt unter Fachleuten keinen Zweifel: Bäume sind der wirksamste Schutz vor Überhitzung, verunreinigter Luft und Lärm, zudem entziehen sie der Atmosphäre per Photosynthese das den Klimawandel verstärkende Kohlendioxid. Das gilt überall, aber in großen, dicht bebauten Städten wie Frankfurt machen Bäume den Unterschied aus. Zumal Baumscheiben, wenn sie gebührend groß ausfallen, das Prinzip der Schwammstadt verwirklichen: Nämlich so viel Regenwasser in der Stadt zu halten wie nur möglich – statt es über die Kanalisation abfließen zu lassen.
Die Stadt Frankfurt hat deshalb schon im Sommer 2023 beschlossen, in dieser Dekade, also bis 2030, möglichst 10.000 Bäume zusätzlich an Straßen, auf Plätzen und in Grünanlagen zu pflanzen, „um zur Beschattung und Abkühlung des Stadtklimas insbesondere in heißen Sommern und in von Überhitzung betroffenen Stadtteilen beitragen zu können“, wie es in der Begründung heißt. Den Anstoß hatte die frühere Koalition von Grünen, SPD, FDP und Volt gegeben, mit dabei war die damalige Grünen-Fraktionschefin Tina Zapf-Rodriguez, die heute Frankfurts Klima- und Umweltdezernentin ist. Die Entscheidung erhielt im Rathaus Römer breite Unterstützung, auch von CDU und Linken. Nur die AfD lehnte das Vorhaben ab.
Statt einiger hundert brauchte es jährlich rund 1500 Bäume
Inzwischen liegt ein Zwischenergebnis vor, und das wirkt ernüchternd. Wer erwartet hatte, dass sich die Zahl der Bäume rapide in Tausenderschritten steigern würde, hat sich getäuscht. In den Jahren 2023 und 2024 wurden jeweils rund 600 Bäume neu gepflanzt, im Jahr 2025 knapp 700. Um das Ziel der 10.000 Bäume bis 2030 zu erreichen, müssten es aber jährlich doppelt so viele sein, rund 1500 Exemplare.
Darüber hinaus ist offen, ob durch die Neupflanzungen unter dem Strich überhaupt zusätzliche Bäume in Frankfurt wachsen. Die Zahl der gefällten Bäume wird vom Grünflächenamt nämlich, anders als von den Stadtverordneten gewünscht, nicht beziffert. Niemand weiß daher genau, ob die Zahl der Bäume in Frankfurt in den vergangenen Jahren tatsächlich zugenommen hat.
Natürlich würden kranke, abgestorbene Bäume in der Regel ersetzt, teilt die Stadt mit. Doch in den Siebziger- und Achtzigerjahren seien aus Unkenntnis und mangels Vorgaben Bäume häufig auf Ver- und Entsorgungstrassen gepflanzt worden. Neue Bäume müssten heute aber mit einem Sicherheitsabstand zu Leitungen und Kanälen gepflanzt oder es müssten zusätzlich sogenannte Wurzelleitplatten eingebaut werden. Tue die Stadt dies nicht, hafte sie für Schäden an Leitungen, sei es für Strom, Trinkwasser, Gas oder Internet.
Wo also ist der Platz für die neuen, zusätzlichen Bäume? Wenn Plätze neugestaltet würden, seien oft mehr Bäume vorgesehen, heißt es. Auf dem Merianplatz hatte die Stadt in diesem Sommer nicht nur die zwei mutwillig vergifteten Platanen ersetzt, sondern gleich acht neue Gehölze gepflanzt. Doch das Ziel des Grünflächenamts, nur neue Bäume zu pflanzen, „wo optimale Standortbedingen“ herrschen, „um ein langfristiges Wachsen der Bäume sicherzustellen“, erschwert es, zu einer schnellen Begrünung zu gelangen. Schließlich finden sich nicht nur Leitungen und Kanäle im Boden, sondern auch Bauwerke des Frankfurter U-Bahn-Netzes und großzügig angelegte Tiefgaragen. Auf Plätzen wie dem viel kritisierten steinernen Roßmarkt in der Frankfurter Innenstadt besteht damit kaum eine Chance auf Begrünung.
Andere Städte setzten auf temporäre Lösungen. Etwa Paris, wo man vor dem Rathaus, auf gepflasterter Fläche, große, undurchlässige Matten ausgelegt und Erde aufgeschüttet hat, um waldähnliche Flächen zu schaffen. Das Projekt ist nicht unumstritten, doch der Abkühlungseffekt ist nachgewiesen.

Es geht aber auch einfacher, wie die Stadt Konstanz als Smart Green City zeigt, eine der 73 Modellprojektstädte des Bundesministeriums für Stadtentwicklung. Konstanz hat den Bodanplatz, eine historische, gepflasterte Fläche mit Brunnen, aber fast ohne Grün und bisher wenig genutzt, zum Sommerort erklärt. Unterstützt durch das bekannte Stadtentwicklungsbüro Gehl aus Kopenhagen, hat Konstanz 50 Bäume und Großsträucher in provisorische Behälter gepflanzt, frei nutzbare Tische und Stühle aufgestellt und eine kleine Sandspielfläche geschaffen.
Ergebnis war ein belebter Ort, an dem an einem heißen Sommertag gemessen wurde, dass die Temperaturen um rund neun Grad niedriger lagen als auf dem unbeschatteten Pflaster. Konstanz zieht daraus den Schluss, den Bodanplatz dauerhaft zu begrünen. Dass Planung und Realisierung eines solchen Platzes allerdings vermutlich zwei oder mehr Jahre brauchen, weiß man nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Konstanz.
Ausstellung „Too hot“ im Architekturmuseum
Weitere Beispiele, was Städte in ganz Europa gegen Rekordtemperaturen tun, zeigt derzeit das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt mit seiner Ausstellung „Too hot – heiße Städte, neue Wege“, die noch bis Februar 2027 zu sehen ist. Begleitet wird die Ausstellung mit einer Vortragsreihe vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten. An diesem Mittwoch wird beim Nachmittagsprogramm „Cool Down“ auch das Beispiel Konstanz präsentiert.
