Deutschland schickt den Film Everytime der
österreichischen Regisseurin Sandra Wollner ins Rennen um den Oscar in der
Kategorie »Bester internationaler Film«. Das gab German Films, die
Auslandsvertretung des deutschen Films, in München bekannt. Wollner gewann
für Everytime bereits bei den Filmfestspielen in Cannes den Hauptpreis der
Sektion Un Certain Regard.
Everytime handelt von Ella und ihrer jüngeren
Tochter Melli, die ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der älteren Tochter Jessie
versuchen, ihren Alltag zu bewältigen. Zusammen mit Jessies Freund Lux
unternehmen sie eine Reise nach Teneriffa, was verdrängte Gefühle
und Erinnerungen wieder aufleben lässt. Die Hauptrollen spielen Birgit Minichmayr, Carla
Hüttermann und Tristán López.
Die vom Verband German Films einberufene unabhängige Jury begründete
die Entscheidung damit, dass Wollner mit dem Film ein Kunststück gelinge, »mit
rein filmischen Mitteln und einer überraschenden Leichtigkeit Trauer als
Zustand einer aus den Fugen geratenen Welt erlebbar zu machen.« Gelobt wurden zudem
auch die Kameraarbeit und das Schauspielensemble, das »in seiner
Natürlichkeit« überzeuge.
Regisseurin Wollner und die Produzenten bezeichneten die
Nominierung als Ehre. »Das Vertrauen der Jury bestärkt uns in unserer
Überzeugung, dass Kino eigenwillige Stimmen braucht, die den Mut haben, ihrer
eigenen Form zu folgen und gerade dadurch über Grenzen hinweg ein Publikum zu
erreichen«, teilten sie mit.
Gelbe Briefe könnte ebenfalls auf Shortlist landen
Erstmals könnten dieses Jahr neben Wollners Film auch
zwei weitere Produktionen ins Rennen um den sogenannten Auslands-Oscar gehen. Das liegt an einer Regeländerung: Seit diesem Jahr sind Werke, die bei
bestimmten Filmfestivals Hauptpreise gewonnen haben, automatisch für die
Einreichung als »Bester internationaler Film« qualifiziert.
In diesem Jahr sind das Gelbe Briefe von İlker
Çatak, dieser hatte bei der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen, und Von
Scham und Geld von Visar Morina, der den World Cinema Grand Jury Prize beim
Sundance Festival geholt hatte. Die Produktionsfirmen dieser hauptsächlich in
Deutschland produzierten Filme müssen sie aber noch formal
einreichen.
Eine Jury aus Academy-Mitgliedern wählt dann aus den
eingereichten Filmen eine Shortlist mit 15 Filmen aus, die am 15. Dezember
veröffentlicht wird. Aus der Shortlist werden die fünf Filme
ausgewählt, die für einen Oscar nominiert werden. Diese werden am 21. Januar bekanntgegeben. Die 99. Oscar-Verleihung findet dann am 14. März 2027 in Los Angeles statt.
Deutschland hat bislang viermal gewonnen
Bei der Kategorie »Bester internationaler Film« gibt es zudem eine weitere wichtige Neuerung. Die Academy hat die Rolle der
Filmschaffenden in der Kategorie stark aufgewertet. Ab sofort gilt der Film
selbst als der offizielle Nominierte und nicht mehr das jeweilige Land. Den
Oscar nimmt der Regisseur oder die Regisseurin stellvertretend für das gesamte
kreative Team entgegen.
Vergangenes Jahr hatte German Films Mascha
Schilinskis In die Sonne schauen für Deutschland eingereicht. Ihr Film
schaffte es auf die Shortlist. Gewonnen hat Deutschland den Oscar für den
»Besten internationalen Film« bislang viermal. Zuletzt im Jahr 2023 mit dem
Antikriegsfilm Im Westen nichts Neues von Edward Berger. Davor wurden
ausgezeichnet: Das Leben der anderen (2007, Regie: Florian Henckel von
Donnersmarck), Nirgendwo in Afrika (2003, Regie: Caroline Link) und Die
Blechtrommel (1980, Regie: Volker Schlöndorff).
