
Mit dem Slogan „Du darfst mobil sein – ab 15 Jahren“ werben Microcar-Hersteller für ihre Moped-Autos. Jüngst ist eine Fünfzehnjährige mit einem der maximal 45 Kilometer in der Stunde schnellen Mobile von einer Kreisstraße bei Limburg abgekommen und hat sich mit dem Wagen überschlagen. Nach Angaben der Polizei wurde die Fahrzeugführerin leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Am Fahrzeug der Marke Aixam Crossline sei ein Totalschaden in geschätzter Höhe von 8000 Euro entstanden.
„Ein neues Phänomen der letzten Jahre“, nennt der Pressesprecher des ADAC Hessen-Thüringen, Oliver Reidegeld, solche Unfälle. „Microcars sehen zwar aus wie kleine Autos, sind es aber nicht.“ Die Vehikel, die manchmal sogar nur drei Räder besitzen, seien sicherer als ein Moped, böten aber weniger Schutz als ein Pkw. Zwar gebe es einen Sicherheitsgurt, jedoch seien Fahrerairbags und ABS-Steuersysteme meist nur gegen einen Aufpreis erhältlich. Tests zufolge, die der ADAC zuletzt 2018 durchgeführt habe, lasse darüber hinaus die Fahrstabilität solcher Mobile zu wünschen übrig.
„Beim Ausweichen kippen Microcars leichter als normale Personenkraftwagen.“ Zudem würden stärkere Lenkbewegungen wegen des kürzeren Radstandes leicht zum Risiko. Dennoch wachse der Bestand dieser Fahrzeuge rasant: Nach Zahlen der deutschen Kraftfahrzeugversicherer sind Ende 2025 rund 46.000 der Moped-Autos in Deutschland haftpflichtversichert gewesen. Drei Jahre zuvor waren es nur knapp 26.000.
Der ADAC-Mann spricht von einer Nische, die die Autohersteller erkannt hätten. Microcars sind für einen Preis von etwa 8000 Euro an erhältlich, sie sind komfortabler als ein Mofa oder ein Moped, und man ist vor Regen, Wind und Kälte geschützt. Um sie zu führen, genügt ein Mopedführerschein, und man muss dementsprechend nur 15 Jahre alt sein.
Das, so heißt es beim ADAC, sei besonders für auf dem Land lebende jüngere Menschen attraktiv. „Es gibt Strecken, die müssen einfach zurückgelegt werden“, sagt der Sprecher. „Junge Leute müssen zur Ausbildung kommen, und morgens um fünf sind die Busanbindungen auf dem Land unzureichend.“ Aber auch in der Stadt profitiere man von der geringen Größe und Wendigkeit der Fahrzeuge, etwa bei der Parkplatzsuche.
„Es gibt Mobbing im Straßenverkehr“
Ein Fünfzehnjähriger berichtet über die speziellen Erfahrungen beim Führen eines solchen Kleinwagens. Man ziehe viel Aufmerksamkeit auf sich, wenn man in solch einem Mobil sitze. „Es gibt Mobbing im Straßenverkehr. Autofahrer drehen sich beim Vorbeifahren um und lachen einen aus – manchmal sogar Polizeibeamte.“ Der Jugendliche erzählt von Situationen, in denen er sich nicht getraut habe, einen Müllwagen zu überholen, während hinter ihm andere Autofahrer drängelten. Oft sei er dann rechts rangefahren. Dennoch finde er die Microcars klasse – man müsse nur selbstbewusst sein. „Mein Kumpel meint, das Teil sehe von hinten aus wie eine Mikrowelle.“
Der ADAC weist darauf hin, dass junge Fahranfänger generell besonders häufig in Unfälle verwickelt seien. Dadurch, dass man die Microcars mit einem einfachen Moped-Führerschein bedienen dürfe, fehle den Fahrern das grundlegende Gefühl für ein auto-ähnliches Vehikel. So finde die Ausbildung der Fahrschulen meist ausschließlich auf einem einspurigen Moped oder Roller statt. Der Automobilclub appelliert daher dringlich an Eltern und Jugendliche, anfangs gemeinsame Trainingsfahrten zu unternehmen und mehr Geld in Modelle zu investieren, die über Airbags und Sicherheitstechnik verfügten.
