Wer auf der Buchungsseite des Frankfurter Aparthotels Studiohouse nach einem freien Apartment sucht, findet im Kalender nur rot eingefärbte, durchgestrichene Tage. Eine Buchung für das Haus in Sachsenhausen, das mit „zeitloser Ästhetik, klarer Funktionalität und luxuriöser Ausstattung“ wirbt, ist nicht möglich. Dabei ist es erst wenige Wochen her, dass für Wochenendaufenthalte ein Rabatt von 25 Prozent angeboten wurde.
Dass es keine freien Termine gibt, liegt nicht daran, dass die 29 Apartments mit kleiner Kochgelegenheit über Monate hinweg belegt wären. Vielmehr hat die Bauaufsicht den weiteren Betrieb des Aparthotels untersagt, weil sie darin eine ungenehmigte Nutzung von Wohnraum als Ferienwohnungen sah. Das Verwaltungsgericht Frankfurt habe dieses Vorgehen bestätigt, teilte die Stadt Anfang August mit.
In der Mitteilung ist nur von einem Aparthotel in Sachsenhausen die Rede, der Name wurde nicht genannt. Recherchen der F.A.Z. haben ergeben, dass sich um das Apartmenthaus Studiohouse an der Cranachstraße handelt. Das 2019 umgebaute Gebäude wurde früher von der Dresdner Bank und später von der Commerzbank als Apartmenthaus genutzt. Heutiger Betreiber ist ausweislich der Internetseite eine Gesellschaft, deren Geschäftsführer die Darmstädter Unternehmer und Kunstsammler Gisela und Hans-Joachim Sander sind. Sie haben auf eine Bitte um Stellungnahme bisher nicht geantwortet.
70 Quadratmeter für 4805 Euro monatlich
Auf den ihrer Ansicht nach unzulässigen Betrieb sei die Bauaufsicht durch Internetrecherchen gestoßen, teilte die Stadt mit. Die Wohnungen seien als sogenannte Serviced Apartments über diverse Online-Buchungsplattformen angeboten worden. Heute lassen sich nur noch Inserate für eine unbefristete Vermietung finden. Auf einem Internetportal wird in dem Haus an der Cranachstraße eine „fantastische und geräumige Wohnung“ angeboten: 26 Quadratmeter für monatlich 2480 Euro – 95 Euro je Quadratmeter. Bezugsbereit sei sie sofort. Ein 70 Quadratmeter großes Studio mit zwei Zimmern und Dachterrasse soll monatlich 4805 Euro kosten.

Nach Angaben der Stadt wurden die Apartments als regulärer Wohnraum genehmigt. Für eine Nutzung als Ferienwohnungen wäre eine Baugenehmigung sowie eine Genehmigung nach der 2018 beschlossenen Ferienwohnungssatzung nötig. Diese haben offenbar nicht vorgelegen, weshalb die weitere Nutzung untersagt wurde. Ein Eilantrag des Immobilienunternehmens gegen die Entscheidung der Bauaufsicht hat das Verwaltungsgericht nach Darstellung der Stadt zurückgewiesen, die Entscheidung sei rechtskräftig.
Mit der 2018 in Kraft getretenen Ferienwohnungssatzung will die Stadt verhindern, dass reguläre Wohnungen dem Markt entzogen werden, weil sie befristet an Touristen oder Geschäftsreisende vermietet werden. Wer das tun will, braucht dafür eine Genehmigung, die aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erteilt wird. Privatleute können ihre Wohnung zum Beispiel maximal acht Wochen im Jahr als Ferienwohnung vermieten, etwa wenn sie im Urlaub sind. Das Interesse daran sinkt allerdings: Wurden 2023 noch 112 Anträge nach der Ferienwohnungssatzung gestellt, waren es 2025 nur noch 55; davon wurden 36 genehmigt.
Zwei Mitarbeiter suchen illegale Ferienwohnungen
Um Verstöße gegen die Satzung zu verfolgen, wurden zwei Stellen bei der Bauaufsicht geschaffen. Den Mitarbeitern ist es gelungen, im Schnitt rund 320 Wohnungen jährlich zurückzugewinnen. „Wir werden auch künftig gegen nicht genehmigte Ferienwohnungen vorgehen und die baurechtlichen Vorgaben konsequent durchsetzen“, sagt Simone Zapke, die Leiterin der Bauaufsicht. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts sei ein wichtiges Signal für den Schutz des Wohnraums.
So sieht es auch der SPD-Stadtverordnete Simon Witsch. Seiner Ansicht nach wird das Urteil abschreckend auf andere Anbieter solcher Wohnungen wirken. „Wer Wohnraum illegal als Ferienwohnung anbieten möchte, wird sich zweimal überlegen, ob er dies gerade in Frankfurt tun möchte.“ Ziel der SPD sei es, wieder mehr Wohnungen in die reguläre Vermietung zu bekommen.
Serviced Apartments, also eine Zwischenform zwischen Hotel und möblierter Wohnung, sind derzeit ein großer Trend in der Immobilienbranche. Das Angebot in Deutschland sei in den vergangenen Jahren jeweils um rund neun Prozent gestiegen, heißt es in einer Marktstudie des Beratungsunternehmens Christie & Co. 7500 weitere Einheiten seien in Planung, größtenteils in Berlin, Hamburg und Frankfurt.
