
Er gibt die Kirche für die Liebe auf: Der katholische Pfarrer Andreas Unfried aus Oberursel im Taunus hat dem Limburger Bischof Georg Bätzing mitgeteilt, dass er sich mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst in der Kirche zurückziehe, weil er heiraten wolle. „Seit vielen Jahren lebe ich heimlich die Beziehung zu meiner großen Liebe. Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen“, heißt es in einer Mitteilung Unfrieds. Ihm sei bewusst, dass er deshalb suspendiert werde und sein Amt aufgeben müsse. In der katholischen Kirche gilt das Zölibat: Priester müssen ehelos und sexuell enthaltsam bleiben. In der evangelischen Kirche hingegen ist das Heiraten erlaubt.
Er selbst, so schreibt Unfried, der 16 Jahre lang als Pfarrer in der Gemeinde Sankt Ursula in Oberursel und Steinbach gearbeitet hat, sei an der Anforderung des Zölibats gescheitert. Zwar habe er versucht, danach zu leben, er müsse aber anerkennen, „dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage“. Zugleich macht der 1963 geborene Unfried, der somit kurz vor dem Ruhestand steht, deutlich, dass er die insgesamt 37 Jahre als Priester ohne die Unterstützung seiner Lebenspartnerin nicht durchgehalten hätte. „Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug.“ Dafür bitte er um Verständnis. Er wisse, „welche Enttäuschungen ich auch mit meinem Schritt auslöse“.
Unfried, der 1989 im Limburger Dom zum Priester geweiht worden war, dankte seinem Team und auch dem Bischof. Bätzing sei wertschätzend mit ihm umgegangen, nachdem er von seinem geplanten Schritt erfahren habe. „Ich bin sicher, dass für die Zeit der Vakanz ein guter Pfarrverwalter zeitnah gefunden werden wird.“ Er werde später auf geeignete Weise persönlich seinen Abschied von der Pfarrei und den Gläubigen nehmen. „Für den Augenblick bitte ich um Verständnis, dass ich keine E-Mails beantworten und auf keine Anrufe reagieren werde.“
Überraschung im Bistum Limburg
Dass ein Priester nach so langer Zeit aufgibt, ist ungewöhnlich. Im Bistum Limburg hat es in der Vergangenheit jedenfalls keinen vergleichbaren Fall gegeben, wie ein Sprecher sagt. Über Unfrieds Verzichtserklärung heißt es aus Limburg: „Das kam für uns alle überraschend.“ Das Bistum respektiere die persönliche Entscheidung des Pfarrers. „Wir danken ihm für sein Wirken in den vergangenen Jahrzehnten und wünschen ihm alles Gute für seine Zukunft.“ Bätzing ist in diesem Jahr immer wieder in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen im Taunus zu Gast. Am Samstag war er im Rahmen dieser Visitation in Sankt Ursula. Bei einer Zukunftswerkstatt habe Unfried sein Schreiben dann vorgelesen, heißt es aus der Pfarrei.
Auch über die Gemeinden hinaus ist Unfried unter Katholiken im Taunus bekannt. Bevor er vor 16 Jahren nach Oberursel und Steinbach kam, war er 15 Jahre lang Pfarrer in Kriftel und Hofheim. Er war als Bezirksdekan nicht nur im Hochtaunus, sondern auch im benachbarten Main-Taunus tätig, außerdem bei der Caritas. Die katholische Kirche habe er in den fast vier Jahrzehnten seines Wirkens und auch in der Vorbereitung auf den Priesterdienst „stets als förderlich und wohlwollend erfahren“, schreibt er.
Aber nun sei es eben Zeit, „die Gewichtungen anders zu verteilen“. Seine Lebenspartnerin sei schon in den Ruhestand gegangen, und für ihn selbst nahe ebenfalls das Ende der Berufstätigkeit. „Nun ruft mich die Liebe zu der Frau, mit der ich schon lange das Leben teile.“ Er scheide ohne Groll, schreibt der Pfarrer – und wünscht sich „für meine Kirche den Geist der Partizipation und Geschlechtergerechtigkeit“. Vermutlich würden ihm nun viele vorwerfen, in all den Jahren keinerlei Andeutungen über seine Situation gemacht zu haben. Er wisse aber auch, „was ich den sehr wenigen, denen ich mich offenbart habe, aufgebürdet habe“.
Auch in der Pfarrei dürfte die Nachricht am Wochenende viele überrascht haben. Pastoralreferentin Susanne Degen wollte sich am Montag auf Anfrage vorläufig nicht äußern, sondern sich zunächst mit dem gesamten Team und auch den Ehrenamtlichen vom Pfarrgemeinderat abstimmen und das weitere Vorgehen besprechen. „Wir sind hier gemeinsam unterwegs und wollen gemeinsam Kirche entwickeln.“
Hinzu kommt, dass in der Pfarrei mit der Suspendierung des Pfarrers nun etliche Dinge zu regeln sind. Auf der Internetseite stand am Montag bei den Seelsorgerinnen und Seelsorgern unter „Pfarrer“ nur eine Adresse, aber kein Name. Wenn sich die Lage beruhigt hat, will Unfried in Sankt Ursula noch persönlich Abschied nehmen.
