Die Angeklagte im Fall Fabian hat ihre erste Aussage vor dem Landgericht Rostock gemacht. Dabei beschrieb sie unter anderem ihre Beziehung zu dem achtjährigen Mordopfer Fabian und dessen Vater. Die 30-jährige Frau verlas ihre Aussage von einem großen Stapel DIN-A-4-Blätter.
Sie habe sich in Fabians Vater verliebt und sei sehr schnell mit ihm zusammengezogen, sagte die 30-Jährige. Ihr etwa gleichaltriger Sohn und Fabian hätten sich gut verstanden. Später kam es ihren Angaben nach zu Spannungen zwischen ihr und Fabians Vater, auch weil sie nach einer ungeplanten Schwangerschaft abgetrieben habe.
Oft schickte sie im Minutentakt Sprachnachrichten an Fabians
Vater, mit dem sie bis August 2025 eine vierjährige Beziehung führte.
In den Chats ging es um Liebe, Trennung, Vorwürfe der Lüge und
Eifersucht. Diese Sprachmemos wurden bereits in den vergangenen Prozesstagen vor Gericht abgespielt.
Küchenrolle mit Fabians Blut
Sie ging in ihrer Aussage auch auf ein Beweismittel ein, welches die Ermittler in den Prozess eingeführt hatten. Es handelt sich dabei um eine Küchenrolle mit dem Blut des toten Fabians, welche im hinteren Teil ihres Autos gefunden worden war.
Die Angeklagte sagte, dass sich Fabian bei einem Ausflug an einen Badesee im August 2025 leicht am Fuß verletzt habe. Sie habe die kaum blutende Wunde mit einem Pflaster versorgt und mit
einer Küchenrolle abgetupft, ohne das Blatt von der Rolle abzureißen.
Emotional wurde die 30-Jährige, als sie vom Tod ihres Lieblingspferdes berichtete. Der Richter unterbrach die Anhörung nach einer halben Stunde, um der Angeklagten eine kurze Pause zu gewähren.
Persönlichkeitsstörung mit Borderline
Wegen einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen bezieht die Angeklagte seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Weil sie fünf Pferde besitzt, war sie auf die finanzielle Hilfe von Fabians Vater angewiesen.
Die 30-jährige Frau soll Fabian
laut Anklage am 10. Oktober 2025 an einem Teich bei Klein Upahl, etwa
15 Kilometer südlich von Güstrow, erstochen und den Leichnam
anschließend in Brand gesetzt haben. Das Motiv soll mit dem Verhältnis der Angeklagten zu Fabians Vater und dem zeitweisen Ende dieser Beziehung zusammenhängen.
Letzter Verhandlungstag für den 10. September geplant
In dem seit dem 28. April laufenden
Indizienprozess wurden bereits zahlreiche Zeugen gehört und Gutachten vorgelegt. Er stößt seit Beginn auf großes öffentliches Interesse und wird von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet.
Als letzter Verhandlungstag ist der 10.
September terminiert. Ob dann das Urteil gesprochen wird oder der Prozess verlängert wird, ist noch offen.
