Sonntags geht der König zum Gottesdienst. Und er geht nicht allein. Erstmals seit der Nachricht, dass Prinz Harry und seine Frau Meghan zurück nach England ziehen werden, wenn auch vielleicht nur übergangsweise, zeigten sich die wichtigsten Mitglieder der Königsfamilie wieder in der Öffentlichkeit. Charles III. und seine Frau Camilla ließen sich an diesem Sonntagmorgen zur kleinen Crathie-Kirche unweit von Schloss Balmoral fahren. Es folgten Prinz William, der selbst am Steuer saß, mit seiner Frau Catherine und zwei ihrer Kinder sowie Prinzessin Anne mit ihrem Bruder Edward. Die beiden ließen sich von Annes Mann, Sir Timothy Laurence, chauffieren.
Alle schienen guter Stimmung, dabei wird der alljährliche traditionelle Sommerurlaub durchaus überschattet von der Nachricht, die erstmals am Mittwochabend die Runde machte: Die beiden Abtrünnigen aus Kalifornien kehren zurück. Harrys Vater Charles ist schon seit Anfang des Monats im Schloss Balmoral in Schottland, William und Catherine folgten am Donnerstag, der Rest am Freitag.

Spekuliert wird nun, dass Charles womöglich nicht ganz so von seinem Jüngsten überrascht wurde, wie zunächst angenommen wurde. Harry könnte ihm durchaus schon im Juli bei ihrem privaten Treffen mit Camilla und Meghan in Highgrove House angedeutet haben, dass er mit dem Gedanken spiele, ins Königreich zurückzukehren. Dafür spräche auch, dass für Harrys Kinder, Prinz Archie und Prinzessin Lilibet, schon in zwei, drei Wochen Schulbeginn in England ist.
James von Wessex studiert bald Land- und Immobilienmanagement
Während niemand so recht damit rechnet, dass Harry einstmals wieder eine Stütze seines Vaters und seines Bruders sein könnte, hat sich ein anderer Hoffnungsträger der Königsfamilie zunächst für ein Studium entschieden. James, der Sohn von Charles’ jüngstem Bruder Edward und seiner Frau Sophie, wird an der Royal Agricultural University in Cirencester in der Grafschaft Gloucestershire Land- und Immobilienmanagement studieren.
Damit verzichtet der 18 Jahre alte Graf von Wessex auf das Gap Year, das Tradition im Königreich hat. Es ist eine einjährige Auszeit, bevor man an die Universität wechselt. Prinz William etwa war während seines „Lückenjahrs“ im Jahr 2000 für zehn Wochen in Chile bei der Expeditionsorganisation Raleigh International. Im südchilenischen Dorf Caleta Tortel half er bei Bau- und Gemeinschaftsarbeiten und wusch auch das Geschirr ab und putzte – wie alle anderen Teilnehmer auch – die Toiletten. Seine spätere Frau Catherine war im selben Jahr für drei Monate in Florenz und studierte Italienisch und Kunstgeschichte.
James ist nicht das einzige Kind aus königlichem Hause, das in diesem Jahr sein Studium beginnt: Prinz Sverre Magnus von Norwegen, der mit Vater Haakon und Schwester Ingrid Alexandra am Mittwoch den 53. Geburtstag seiner Mutter Mette-Marit im Schloss in Oslo feierte, wird im Herbst Betriebswirtschaftslehre am Forward College studieren. Die Hochschule wurde erst 2021 gegründet. Ihr Konzept sieht vor, dass die Studenten zwischen drei Standorten rotieren, vom Hauptsitz Lissabon nach Paris, und im dritten Jahr geht es nach Berlin. Prinzessin Ariane der Niederlande wird Luft- und Raumfahrttechnik an der Technischen Universität in Delft studieren, Prinzessin Eleonore von Belgien Liberal Arts & Sciences an der Universität in Utrecht, und Leonor, die Kronprinzessin von Spanien, Politikwissenschaften an der Universität Carlos III. in Madrid.
Clément Vandenkerckhove stieg vom Tellerwäscher zum Prinzen auf
Schlagzeilen machte in dieser Woche auch Prinz Laurent von Belgien. Nicht etwa, weil er wieder zu schnell gefahren wäre (Spitzname: „Prinz Vollgas“), sondern weil er sich zu einem erwachsenen Sohn bekannte, der außerehelich entstanden ist. Clément Vandenkerckhove stieg vom Tellerwäscher zum Prinzen auf, allerdings ohne Titel und ohne Chance auf den Thron.
Der Sechsundzwanzigjährige arbeitete zuletzt in der Küche eines Restaurants, nun ist er plötzlich Teil des Hauses Sachsen-Coburg. Sein Vater Laurent ist der jüngste Sohn von König Albert II. und Königin Paola, sein drei Jahre älterer Bruder Philippe ist seit 2013 König der Belgier. Laurent ist seit 2003 mit Prinzessin Claire von Belgien verheiratet, die beiden haben drei Kinder. Cléments Mutter Iris ist in Belgien unter dem Namen Wendy Van Wanten als Schauspielerin und Sängerin bekannt. Wer sein Vater ist, erfuhr Clément erst mit 16 Jahren.
Uneheliche Kinder kommen an fürstlichen Höfen und sogar in europäischen Königshäusern immer wieder vor. Cléments Großvater Albert II. hatte in den Sechzigerjahren eine Liebesbeziehung zu der Baronin Sybille de Sélys Longchamps, mit ihr hat er eine Tochter, Prinzessin Delphine. Der heute Zweiundneunzigjährige wurde 2020 vom Gericht gezwungen, die Vaterschaft anzuerkennen.

Fürst Albert II. von Monaco hat zwei uneheliche Kinder: die 1992 geborene Jazmin Grace Grimaldi und den 2003 geborenen Alexandre Grimaldi. Beide Kinder hat der Fürst anerkannt, beide sind von der monegassischen Thronfolge ausgeschlossen. Der frühere spanische König Juan Carlos I. soll ebenfalls zwei uneheliche Kinder haben: Der mögliche Sohn Albert Solà starb 2022 mit 66 Jahren, seine 60 Jahre alte Halbschwester Ingrid Sartiau kämpft bis heute vergebens um ihre Anerkennung.
Im Fürstentum Liechtenstein kann es nun auch eine Fürstin geben
Eine gute Nachricht gibt es noch aus dem Fürstentum Liechtenstein zu vermelden: Dort wurde das vor 400 Jahren erstmals niedergeschriebene Hausgesetz des Fürstlichen Hauses Liechtenstein novelliert, um „seine langfristige Ausrichtung“ zu stärken, wie mitgeteilt wurde. „Neu werden alle weiblichen Nachkommen des Fürstenhauses in hausgesetzlichen Fragen mit denselben Mitwirkungsrechten ausgestattet wie die männlichen.“

Außerdem werde die Thronfolge von der männlichen Primogenitur auf die absolute Primogenitur umgestellt. „Das bedeutet, dass künftig das jeweils erstgeborene Kind, unabhängig vom Geschlecht, Thronfolgerin oder Thronfolger und später Fürstin oder Fürst von Liechtenstein wird.“
Bis es aber im sechstkleinsten Staat der Welt tatsächlich eine Fürstin geben wird, werden noch Jahrzehnte vergehen. Denn die Änderung in der Thronfolge gilt ausschließlich für die künftig geborenen Nachkommen der Kinder von Erbprinz Alois und seiner Frau, Erbprinzessin Sophie. Das heißt, auf den 58 Jahre alten Erbprinzen folgt voraussichtlich zunächst sein Sohn Prinz Joseph Wenzel. Der Einunddreißigjährige ist noch unverheiratet. Seine mögliche erstgeborene Tochter wäre in weiter Zukunft dann vielleicht einmal Liechtensteins erste Fürstin.
