Randale im DFB-Pokal :
Es wird Zeit für einen neuen Lösungsweg im Fußball

dpa
Der Fußball in Deutschland hat kein generelles Gewaltproblem, aber ein punktuelles. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Auf die Selbstreinigungskräfte des Fußballs sollte jedoch niemand mehr hoffen.
Als Zuber gefragt wurde, ob der Verein nun nicht mal aktiv werden müsse, nachdem bereits zum zweiten Mal in 15 Monaten eine Reiterstaffel der Polizei im Carl-Benz-Stadion zum Einsatz gekommen war, meinte er: „Wir haben ja deshalb unseren Rasen gewechselt, damit die Pferde ein schöneres Grün haben zum Grasen.“ Ein harmloser Scherz? Womöglich. Mindestens unfreiwillig aber auch ein Beispiel dafür, wie lapidar der Profifußball bisweilen mit Skandalen umgeht.
Der Fußball in Deutschland hat kein generelles Gewaltproblem. Die überwältigende Mehrheit aller Profispiele läuft friedlich ab. Selbst die permanenten Zündeleien der Ultraszenen führen zu weit weniger Verletzten, als es angesichts der Gefährlichkeit von Pyrotechnik zu befürchten ist. Der Fußball in Deutschland hat aber sehr wohl ein punktuelles Gewaltproblem. Mit bestimmten Vereinen, mit bestimmten Fanszenen, mit bestimmten Partien. Meist ist vorher klar, wann und wo es knallen wird. Verhindern kann es bislang trotzdem niemand.
Zubers Reaktion auf die Geschehnisse am Freitagabend in Mannheim stand stellvertretend für den „Ja, aber“-Reflex, der unter den Entscheidungsträgern bei vielen Vereinen üblich ist. Natürlich kritisierte auch er die Verfehlungen der Anhänger.
Für ein derart vielschichtiges Problem wie die Lust an der Grenzüberschreitung in Teilen der Fanszene gibt es keine einfache Lösung. Auf die Selbstreinigungskräfte des Fußballs sollte allerdings niemand mehr hoffen. Was auch immer der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nun an Strafen gegen die Vereine verhängt, wird die nächste Eskalation höchstens aufschieben. Und dafür, es mit einer radikalen Verschärfung der Sanktionen zu versuchen, mit einer Häufung von Zuschauerausschlüssen und Geisterspielen, wird sich im Fußballbetrieb aus verschiedensten Gründen keine Mehrheit organisieren lassen.
Schon einen Spieler zu finden, der gefordert hätte, ein Spiel bei derartigen Pyrotechnik-Exzessen auch mal abzubrechen, war am Freitag schließlich unmöglich. FCK-Keeper Julian Krahl etwa, über dessen Kopf es blitzte und böllerte, nach dem Mannheimer Fans Sitzschalen und andere Gegenstände warfen, behauptete hinterher, dass ihn all das gar nicht so sehr gestört habe. Kapitän Ritter erzählte schmunzelnd, das Einzige, was er vom Polizeieinsatz mitbekommen habe, seien die Pferdeäpfel im Strafraum gewesen, die zu Beginn der Verlängerung erst noch entfernt werden mussten.
