Bei Zusammenstößen im besetzten Westjordanland sind seit der vergangenen Nacht zwei Palästinenser getötet worden. Eine Sicherheitskraft tötete nach israelischen Militärangaben einen jungen Palästinenser, nachdem dieser mit Steinen auf Siedler geworfen hatte, die in ein palästinensisches Dorf eingedrungen waren. Laut den palästinensischen Autonomiebehörden war der Getötete 17 Jahre alt, bei dem Schützen soll es sich Berichten zufolge um einen Wachmann einer nahe gelegenen israelischen Siedlung handeln. Durch die Steinwürfe seien auch mehrere Siedler verletzt worden, teilte das Militär mit.
Israelische Soldaten töteten zudem einen Mann, der zuvor Soldaten mit einem Messer angegriffen haben soll. Bei diesem Toten soll es sich Berichten zufolge um den Vater
eines Palästinensers handeln, der im April 2022 bei einem Anschlag in
Tel Aviv drei Menschen getötet hatte. Demnach lobte der Vater seinen Sohn damals für die Tat. Palästinensischen Berichten zufolge hatten israelische Soldaten das Haus des Mannes in der nördlichen Stadt Dschenin gestürmt. Der Mann habe sich den Soldaten widersetzt.
Acht Verletzte nach Siedlerattacken bei Hebron
Medien berichten zudem von zahlreichen weiteren gewaltsamen Zusammenstößen in den vergangenen Tagen. So hätten Schüsse von israelischen Soldaten einen 14-jährigen Jungen in einem Dorf im Norden des Westjordanlands verletzt.
Außerdem kam es zu mehreren Angriffen israelischer Siedler, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete. Bei Attacken nahe Hebron wurden Berichten zufolge acht Palästinenser verletzt, einer davon lebensgefährlich. Israel kündigte an, den Berichten nachgehen zu wollen.
In Kusra belagern Siedler mehrere Häuser
Im Norden des Westjordanlands belagern Siedler im Dorf Kusra unterdessen seit Tagen Häuser, in denen Palästinenser leben. Der Dorfvorsteher Abdul Asim al-Wadi sagte der Nachrichtenagentur Wafa, Lebensmittel und einige Medikamente seien bereits knapp. Laut einem Angehörigen von Bewohnern fürchten diese, dass die Siedler ihre Häuser besetzen, wenn sie diese verlassen. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, nannte die Siedler in Kusra zuletzt »israelische Terroristen«.
Seitdem die palästinensische Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 Massaker an israelischen Zivilisten verübte, hat sich die Gewalt auch im Westjordanland zugespitzt. Laut dem Gesundheitsministerium der palästinensischen Autonomiebehörden starben seither 1.105 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Zusammenstößen sowie bei Anschlägen von Palästinensern. Auch radikale israelische Siedler verüben seither mehr gewaltsame Übergriffe.
Israel hält das Westjordanland seit 1967 besetzt. Dort leben rund drei
Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren
Siedlungen nach internationalem Recht illegal sind.
Internationale Kritik an Israel nimmt zu
Israels Regierung steht derzeit verstärkt in der Kritik, weil sie ein seit Jahren hochumstrittenes Siedlungsprojekt vorantreibt. Das Bauministerium in Jersualem schrieb kürzlich den Bau von mehr als 1.200 Wohneinheiten aus, die in dem sogenannten E1-Gebiet entstehen sollen. Die Zone liegt zwischen Ostjerusalem und der israelischen Siedlung Ma’ale Adumim. Ihre Bebauung würde das Westjordanland in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufspalten, ein palästinensischer Staat würde damit in weite Ferne rücken.
Weil die Ausschreibung kurz vor der anstehenden Parlamentswahl in Israel öffentlich wurde, vermuten Beobachter wahltaktische Motive. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wolle damit extrem konservative und orthodoxe Wählerschichten mobilisieren. Mehrere Staaten, darunter Deutschland, forderten die israelische Regierung auf, die Pläne für den Bau zurückzunehmen.
