In nicht einmal drei Wochen wählen die Menschen in Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag – eine richtungsweisende Wahl. Während die AfD möglicherweise erstmalig eine Landesregierung verantworten könnte, kämpfen gleich vier Parteien um den Einzug ins Parlament. Doch was macht die Spitzenkandidaten der Parteien aus?
Sven Schulze, CDU

Er wolle verhindern, dass Sachsen-Anhalt ein politisches Experimentierfeld für irgendjemanden werde, sagt Schulze. Eine Regierungskoalition mit der AfD und der Linkspartei schließt der Wirtschaftsingenieur aus. Ob er eine von den Linken tolerierte Minderheitsregierung akzeptieren würde? Dazu bleibt er vage. Gerne würde er eine Regierung in der aktuellen „Deutschlandkoalition“ mit der SPD und FDP fortsetzen, das geben Umfragen aber bisher nicht her.
Ulrich Siegmund, AfD

Wenn Ulrich Siegmund zu AfD-Veranstaltungen einlädt, kommen die Menschen. Er gehört zu den prominentesten Gesichtern der Partei. Bekannt wurde Siegmund durch virale Social-Media-Videos, heute folgen ihm mehr als 700.000 Menschen auf Tiktok. Im Landtag provoziert der 35 Jahre alte Ko-Fraktionsvorsitzende immer wieder die anderen Parteien. Meist spricht er dabei zugespitzt über das, was in Deutschland schieflaufe.
Außerhalb des Parlaments tritt er hingegen stets gut gelaunt auf. Der Verfassungsschutz ordnet den Landesverband der AfD als gesichert rechtsextrem ein, die extremen Positionen aus dem AfD-Wahlprogramm stellt Siegmund in Talkshows aber immer wieder als harmlos dar. Dazu weiß er die Nostalgie der Sachsen-Anhalter für sich zu nutzen, beispielsweise, wenn er zu gemeinsamen Simson-Ausfahrten einlädt. Da stört ihn auch nicht, dass die Simson-Erben sich öffentlich von der AfD distanzierten und gegen eine Vereinnahmung ihres Namens wehrten. Siegmund hat eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel absolviert, dann studiert und später Raumdüfte verkauft. Er ist seit 2016 Mitglied des Landtags.
Eva von Angern, Die Linke
24 Jahre als Mitglied des Landtags, sechs davon als Fraktionsvorsitzende und nach 2021 bereits zum zweiten Mal die Spitzenkandidatin ihrer Partei – Eva von Angern ist politikerfahren. Mit dem Slogan „Heimat ist für alle da“ stellt sie sich explizit gegen eine Vereinnahmung des Heimatbegriffs durch die AfD. Unter ihrer Führung setzt sich die Linke im Landtag besonders für soziale Gerechtigkeit ein. Außerhalb des Parlaments engagiert sie sich für Kinderschutz. Unter anderem war sie Mitgründerin des Netzwerks gegen Kinderarmut in Sachsen-Anhalt.

Im Wahlkampf betont von Angern immer wieder, das Ziel der Partei sei es, eine Regierung der AfD zu verhindern. Dafür schließt die geborene Magdeburgerin auch eine Zusammenarbeit mit der CDU nicht aus. Die Politik der CDU einfach mittragen wolle sie aber nicht. Ganz neu wäre eine Kooperation nicht: Gemeinsam mit der Koalition und den Grünen stimmte die Linke zuletzt für eine Parlamentsreform.
Armin Willingmann, SPD
„Erfahrung statt Experimente“ lautet das Wahlkampfmotto von Armin Willingmann. Seit zehn Jahren ist der 63 Jahre alte Jurist Minister in Sachsen-Anhalt, zuletzt für Wissenschaft und Energie. Der Deutsche Hochschulverband wählte ihn bereits zum siebten Mal in Folge unter die besten zwei Wissenschaftsminister in Deutschland, dreimal wurde er als „Wissenschaftsminister des Jahres“ ausgezeichnet.

Der ehemalige Rektor der Hochschule Harz gilt als seriös und lösungsorientiert. Immer wieder positioniert er sich dabei klar gegen die AfD. Für die letzten Wochen des Wahlkampfs präsentierte er zuletzt das Motto: „Wir sind der Deich; gegen die blaue Welle“.
Susan Sziborra-Seidlitz, Bündnis 90/Die Grünen

„Sachsen-Anhalt kann mehr“ – mit diesen Worten stellt Susan Sziborra-Seidlitz ihr Wahlprogramm vor. Die dreifache Mutter betont, für sie stehe im Vordergrund, die Welt für Kinder lebenswert zu machen. Ihr Fokus auf die Zukunft wird auch im Wahlmotto deutlich: „Nur mit Grün wird Zukunft draus“. Seit ihrem Einzug in den Landtag 2021 ist Sziborra-Seidlitz gesundheits- und sozialpolitische Sprecherin der Grünen.
Nach 15 Jahren im Parlament könnte die Partei 2026 den Einzug in den Landtag verpassen. Aktuelle Umfragen sehen die Grünen mal knapp über der Fünfprozenthürde, mal knapp darunter. Damit die Partei am Ende auch im neuen Landtag vertreten sein wird, setzt Sziborra-Seidlitz auf einen klaren Wahlkampf gegen rechts.
Claudia Wittig und Thomas Schulze, BSW
Nicht nur das BSW ist neu im sachsen-anhaltischen Wahlkampf, sondern auch das Konzept einer Doppelspitze: Claudia Wittig und Thomas Schulze. Der 61 Jahre alte Schulze ist Beamter im Justizvollzug und engagiert sich ehrenamtlich im Fußballverband Sachsen-Anhalt. Die 42 Jahre alte Historikerin Wittig doziert an der Universität Halle. Sie steht auf Platz zwei der Landesliste und ist zudem Mitglied des BSW-Bundesvorstands.

Lydia Hüskens, FDP
Lydia Hüskens führte die FDP 2021 nach zehn Jahren der außerparlamentarischen Opposition zurück in den Landtag und dann direkt in die Regierung. Um dort zu bleiben, präsentierte die amtierende Ministerin für Infrastruktur und Digitales ihr Wahlprogramm mit dem Slogan „Weil sich was ändern muss“. Sie legt dafür den Fokus vor allem auf eine radikale Entbürokratisierung. Hüskens war bereits von 2002 bis 2011 Mitglied des Landtags. Nachdem die Partei aus dem Landtag geflogen war, arbeitete sie als Geschäftsführerin des Studentenwerkes Halle.

Die Spitzenkandidatur 2026 war ihr trotz des Erfolgs vor fünf Jahren nicht immer sicher – im November setzte sich Hüskens in einer Kampfabstimmung gegen den Fraktionschef Andreas Silbersack durch. Nun kämpfen die Liberalen darum, auch weiterhin im Landtag vertreten zu sein. Zuletzt sahen Umfragen sie immer knapp unterhalb der Fünfprozenthürde.
