BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat Thüringens AfD-Chef Björn Höcke erneut zu einem direkten öffentlichen Streitgespräch über einen überparteilichen Ministerpräsidenten in Thüringen aufgefordert. In einer Videobotschaft auf X sagte Wagenknecht, sie habe Höcke bereits vor Tagen ein
»sehr einfaches Angebot« gemacht: »Sie und ich live, neutraler
Moderator, keine vorbereiteten Reden.«
»Wir sollten reden über meinen Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten, den Sie ja inzwischen auch gut finden«, forderte die BSW-Gründerin Höcke auf. Thüringen brauche »einen neuen Regierungschef, der glaubwürdig ist und den Brandmauer-Irrsinn beendet«. Um dies zu besprechen, solle der Thüringer AfD-Chef sich »ein Herz« fassen. »Gerade Sie, der Sie so viel Wert auf Männlichkeit legen, wollen doch sicher nicht als Feigling dastehen«, schloss Wagenknecht ihre Videobotschaft.
Die BSW-Bundesspitze hat zuletzt den Rücktritt des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) und ein Ende der dortigen Brombeer-Koalition zwischen CDU, SPD und BSW gefordert. Hintergrund ist Voigts Verlust des Doktortitels. Bisher steht das BSW in Thüringen aber weiter zum Ministerpräsidenten.
Angesichts des BSW-internen Streits in Thüringen hatte Höcke am Donnerstag gesagt, Wagenknecht solle sich mithilfe der AfD zur Ministerpräsidentin des Bundeslandes wählen lassen. »Meine Fraktion und ich sind bereit, Ihnen dafür den Weg freizumachen«, hatte Höcke in Erfurt gesagt. »Lassen Sie uns politische Geschichte schreiben und die Brandmauer in Thüringen gemeinsam einreißen. Nicht irgendwann nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, sondern genau jetzt.«
Wagenknecht hatte Höckes Vorschlag als unseriös kritisiert
Seit der Landtagswahl 2024 regiert die CDU unter Voigt in der Dreierkoalition ohne absolute Mehrheit. Aus diesem Grund arbeitet sie im Landtag mit der Linken zusammen. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD um Höcke ist stärkste Fraktion.
Zwischen dem thüringischen Landes-BSW auf der einen und Wagenknecht sowie dem Bundes-BSW auf der anderen Seite gibt es Spannungen. Grund ist, dass der Landesverband gegen den Willen
der Bundesspitze in Voigts Koalition eingetreten war. Mit Blick auf
diese Umstände hatte Wagenknecht Höckes Angebot am Donnerstag als »weder ehrlich noch seriös« kritisiert.
