
Mark Rydell war einer dieser Regisseure, die nicht unbedingt eine wiedererkennbare Handschrift, so etwas wie einen persönlichen Stil entwickelt haben, die man vielmehr, bewundernd natürlich, als „Handwerker“ bezeichnen würde. Er und seine Generationsgenossen Sydney Pollack, Norman Jewison und natürlich der etwas ältere Don Siegel beherrschten die kassenträchtigen Genres alle gleichermaßen und wurden mit so gut wie jedem Stoff fertig. Heraus kam gediegene, entweder spannende oder berührende, manchmal auch gewalttätige Unterhaltung, mit der vielleicht keine Kinogeschichte geschrieben wurde, die aber essentiell dazugehört, als Arbeit von Routiniers, die einfach nie langweilen.
Mark Rydell, 1929 in New York geboren, durchlief die klassisch-unentbehrliche Ausbildung als Schauspieler und Dramaturg an der Julliard School und in Lee Strasbergs Actors Studio, bevor er 1956 bei Don Siegel seine erste richtige Rolle spielte. Danach entwickelte er als Regisseur von auch nach Deutschland erfolgreich importierten Serien wie „Rauchende Colts“ und „(Dr. Kimble) Auf der Flucht“ mit David Janssen seinen geradlinigen, Schwelgereien in Naturkulissen dabei gleichwohl nicht abgeneigten Inszenierungsstil, der ihm in der Folge die Zusammenarbeit mit den gewesenen, gegenwärtigen und kommenden Superstars problemlos ermöglichte.
Steve McQueen wurde sein Gauner
Steve McQueen war in der gleichnamigen, stimmungsvollen Südstaaten-Komödie nach einem Faulkner-Roman „Der Gauner“ (1969) und konnte sich als solcher einmal wieder von seiner heiter-leichten Seite zeigen. John Wayne schickte er in „Die Cowboys“ (1971) das erste und letzte Mal in dessen sich damals dem Ende zuneigender Karriere in den Tod durch Revolverkugeln. Dieser außergewöhnliche, nur am Anfang harmlose Film, kein Spät- sondern ein Kinderwestern, dessen Titel die uramerikanische Berufsbezeichnung beim Wort nimmt, lässt dem wohl größten Westerndarsteller aller Zeiten reichlich Raum für ein bemerkenswert nuanciertes Spiel, überzeugt mit einfach-humanen Untertönen und mündet in ein überraschend brutales, zuletzt ein wenig kolportagehaft versöhnliches Finale, das Bruce Dern mit seinen verlässlichen Fiesling-Fähigkeiten ordentlich würzt.
Rydell war aber nicht nur Unterhaltungsspezialist, sondern hatte auch ein Händchen für so genannte Problemfilme. „Am goldenen See“ (1981) mit prächtigen, jeweils oscar-prämierten Altersrollen für Katherine Hepburn und Henry Fonda sowie dessen Tochter Jane überzeugte gleichermaßen als gepflegte, altersweise Familientherapie wie als Abgesang auf das klassische wie auch auf New Hollywood und gewann noch einen weiteren Oscar fürs Drehbuch. Einen seiner besten Filme drehte Rydell im Anschluss mit einer jüngeren, gleichfalls hochklassigen Garnitur: Mel Gibson und Sissy Spacek geben in „Menschen am Fluß“ (1984) ein Farmerehepaar in Tennessee, das zwischen ökonomische, ökologische und lokalpolitische Fronten kommt und dabei alle Mühe hat, die Familie zusammenzuhalten. Vor ländlicher Idylle spielt sich ein sich dosiert steigernder Überlebenskampf voller sozialer und zwischenmenschlicher Härten ab.
Sein letztes großes Starvehikel war das wiederum recht lange Drama „Tage des Ruhms, Tage der Liebe“ (1991) mit Bette Midler und James Caan, ein etwas robusteres Gegenstück zu den „Fabelhaften Baker Boys“ kurz vorher. Neben dem der biopic-haften Fernsehproduktion „James Dean“ (2001) wird ihm vor allem noch die fatale, gewohnt geduldig inszenierte Dreiecksgeschichte „Begegnungen“ (1994) mit Richard Gere und Sharon Stone einen Ehrenplatz im Film-Himmel sichern, in den Mark Rydell nun 97-jährig eingegangen ist.
