Der Kultursenator der Stadt Berlin Stefan Evers hat die Anfeindungen gegen die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wegen einer inzwischen abgesagten Veranstaltung mit einem Verein der schwarzen Community kritisiert. »Gewaltandrohungen gegen ein Kunstprojekt sind genauso inakzeptabel wie die Bedrohung kritischer Stimmen«, sagte der CDU-Politiker. »Die ganze Stadt muss ein sicherer Ort sein. Für jeden Menschen, unabhängig davon, wie er aussieht, wen er liebt, an was er glaubt oder welche Meinung er vertritt.«
Nach teils rassistischen Diskussionen und Drohungen hatten die Volksbühne und der Verein Each One Teach One (Eoto) eine Veranstaltung abgesagt. Dabei sollten exklusiv Menschen der schwarzen Community, insbesondere Kinder und Jugendliche, im temporär vor dem Theater aufgebauten sogenannten Volksbad schwimmen können. Man könne eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, teilte das Theater mit.
»Kunst darf provozieren«
»Kunst darf provozieren. Sie will und soll Debatten anregen. Das ist ihr Anspruch. Das ist ihr Auftrag«, sagte Evers. »Widerspruch, Kritik und auch harte Auseinandersetzungen in der Sache gehören zu einer freien Gesellschaft. Was nicht dazugehört, sind Drohungen, Einschüchterung oder Gewalt.«
Linke und Grüne in Berlin hatten die Absage zuvor als »unerträglich« bezeichnet.
»Dass die Absage wegen Sicherheitsbedenken erfolgen musste und das gemeinsame
Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nun ausfällt, zeigt,
wie sehr Hass und Hetze um sich greifen«, sagte Linke-Spitzenkandidatin Elif
Eralp. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf sprach
von einem »Skandal«.
»Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails«
»Wir
werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell
benachteiligte Menschen anbieten«, teilte Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal mit. Es gehe aber um die Verantwortung, die
öffentliche Institutionen haben. »Wir solidarisieren uns – heute und an
jedem Tag – mit allen, die Rassismus und rechten Feindbildmarkierungen
ausgesetzt sind.«
Wegen der exponierten Lage des Schwimmbeckens sei zu befürchten gewesen,
dass die Wahrung von Persönlichkeitsrechten, der Schutz vor potenziellen
diskriminierenden und diffamierenden Äußerungen, sowie eine schadlose An- und Abreise nicht garantiert werden
könne, teilte Eoto mit. »Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten
wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und
diskriminierende Kommentare auf Social-Media.«
