Die Nachricht kam inmitten beunruhigender Berichte von der USS Abraham Lincoln: Nach Informationen amerikanischer Medien soll der seit Januar im Nahen Osten stationierte Flugzeugträger von der USS George Washington abgelöst werden, die aus Vietnam auf dem Weg in die Region ist. Wann genau der Wechsel kommt, ist demnach noch nicht klar. Aber er kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich der psychische Zustand vieler Matrosen an Bord offenbar beträchtlich verschlechtert hat – und demokratische Kongressmitglieder Aufklärung vom Pentagon fordern.
Der Sender MS Now berichtete am Donnerstag von einem Matrosen der USS Abraham Lincoln, der nach Aussage seiner Frau am 3. August in einem Suizidversuch über Bord ging und nach einer Stunde im Wasser gerettet wurde. Erfahren habe sie von dem Vorfall von einem Freund des Mannes, nicht von offizieller Stelle. Laut CNN ging im Juli außerdem ein Mann in Rettungsweste über Bord, der schnell aus dem Wasser geholt wurde. Die Marine soll den Vorfall als psychischen Zwischenfall eingestuft haben.
Seit mehr als 200 Tagen keinen Hafen mehr angelaufen
Die Berichte decken sich mit in dieser Woche veröffentlichten Informationen zweier Militärzeitungen, wonach Angehörige auf dem Flugzeugträger stationierter Matrosen wegen sich häufender psychologischer Notfälle Alarm schlagen. Die etwa 5000 Matrosen der USS Abraham Lincoln sind seit knapp neun Monaten im Einsatz und haben seit mehr als 200 Tagen keinen Hafen mehr angelaufen.
Das entspricht mehr als sechs Monaten und ist nach Angaben des demokratischen Senators Richard Blumenthal ein Rekord für die längste ununterbrochene Zeit auf See. Eigentlich sollte der Einsatz im Mai dieses Jahres enden, er wurde wegen des Irankriegs jedoch auf unbestimmte Zeit verlängert.
Das hinterlässt offenbar Spuren. Die „Navy Times“ zitierte die Ehefrau eines Mannes, der versucht haben soll, vom Flugzeugträger zu springen. Er sei vorher über lange Zeit überlastet gewesen, sagte sie der Zeitung. Nun fürchte er, nach 13 Jahren unehrenhaft entlassen zu werden, „nur weil er ausgebrannt war“. Das Medium „Stars and Stripes“ berichtete, ein Matrose habe seiner Familie geschrieben, die „mentale und physische Gesundheit“ der Matrosen sei in Gefahr. „Wir brauchen Hilfe.“
Kriegsminister Hegseth: Lage „völlig falsch dargestellt“
Senator Blumenthal schrieb am Mittwoch einen Brandbrief an Verteidigungsminister Pete Hegseth, in dem er Auskunft forderte. Er habe „ernsthafte Bedenken“ angesichts der Länge des Einsatzes und des Wohlergehens der Matrosen, schrieb der Demokrat. So gebe es zahlreiche Berichte über „Mängel bei der Grundversorgung, kontaminiertes Wasser, Probleme mit den Sanitäranlagen, eine sich verschlechternde psychische Gesundheit der Stationierten“ sowie Probleme mit dem Postsystem, wodurch Carepakete verloren gingen. Hinzukomme, dass die Regierung ihre Ziele im Irankrieg noch nicht hinreichend erläutert habe, der Einsatz von Streitkräften also bis auf Weiteres nötig werde.
Hegseth reagierte am Donnerstag erbost: Die Lage werde „völlig falsch dargestellt“, sagte er vor Journalisten. Das Pentagon stelle sicher, dass „jedes Schiff zu jedem Zeitpunkt“ über alles Nötige verfüge. Für den Einsatz sei er dankbarer „als jeder andere“. Angehörige der Matrosen hatten während eines Treffens mit dem amtierenden Marineminister Hung Cao in der vorigen Woche aber offenbar auch schon auf die Situation aufmerksam gemacht.

Wie „Stars and Stripes“ berichtete, erzählte eine Frau bei der Veranstaltung in San Diego unter Tränen von einer Nachricht ihres Mannes. Der habe geschrieben, er hoffe, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen. In Reaktion darauf hieß es offenbar, die Matrosen an Bord hätten Zugang zu Psychologen, Seelsorgern und Ärzten. Außerdem sei es geplant, mehr psychologische Fachkräfte auf das Schiff zu entsenden. In einer Stellungnahme gegenüber CNN äußerte die Marine, man habe „keinen Anstieg von Selbstmordgedanken oder -versuchen“ festgestellt und nehme das Wohlergehen jedes einzelnen Soldaten ernst.
Dusche dreckig – es fehlen Zahnpasta, Seife und Deo
Schon im April gab es Berichte über unzulängliche Versorgung auf dem Flugzeugträger. In den sozialen Medien verbreiteten sich Fotos undefinierbarer Lebensmittel und kleiner Portionen. Die amerikanische Marine veröffentlichte daraufhin Fotos dampfender Nudelberge und üppig gefüllter Tabletts mit frittiertem Hähnchen und Mac and Cheese. „Keine Unterbrechungen, keine Engpässe“, hieß es dazu.
Laut einem Bericht von CNN besserte sich die Versorgungslage nach einer Lieferung tatsächlich wieder. Der Sender MS Now berichtete jedoch kürzlich, die Moral an Bord leide auch unter mangelnder Hygiene. So seien die Duschen dreckig und über Tage geschlossen gewesen, die Wäscherei zeitweilig nicht verfügbar, und es habe an Grundausstattung wie Zahnpasta, Seife und Deo gefehlt.
Joseph Hontz, Sprecher der 5. Flotte der Marine, sprach gegenüber dem Sender von einem „herausfordernden Einsatz“, hob jedoch hervor, der Flugzeugträger sei voll und ganz in der Lage, alle Aufgaben der Mission zu erfüllen. Es gebe höchstens kurzfristige Versorgungsengpässe; Obst und Gemüse seien häufig verdorben, bis sie bei den Matrosen ankämen. Gelegentliche Probleme mit dem Wasser würden schnell behoben. Und im Übrigen seien die Matrosen selbst dafür zuständig, die Sanitärräume sauber zu halten.
