
Der Energiekonzern Uniper will Rechenzentren an seinen Kraftwerksstandorten ansiedeln. Mehr als zehn Orte mit geeigneter Infrastruktur habe das Unternehmen identifiziert, sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Lewis am Dienstag zur Vorlage der Halbjahreszahlen des Düsseldorfer Unternehmens.
„Die nächste industrielle Revolution wird von künstlicher Intelligenz angetrieben. Und auch die beste KI braucht am Ende eines: sichere und verlässlich verfügbare Energie“, sagte Lewis. Der Flaschenhals für den Bau neuer Rechenzentren seien Netzanschlüsse. Statt Jahre auf neue Anschlussgenehmigungen zu warten, könnten Investoren die Anschlüsse an vielen schon existierenden Kraftwerksstandorten nutzen. Ein Projekt in Großbritannien sei abgeschlossen, zwei weitere in Deutschland würden entwickelt. „Weitere Investitionsentscheidungen erwarten wir im Verlauf dieses Jahres“, sagte Lewis.
Die Erweiterung des Portfolios dürfte auch ein weiterer Versuch sein, das Unternehmen für Investoren attraktiv zu machen. Uniper war als größter Gasimporteur Deutschlands im Jahr 2022 in Schieflage geraten, als Russland seine Lieferungen einstellte. Der deutsche Staat stützte den Energiekonzern mit Milliardenbeträgen, wodurch er praktisch Alleineigner wurde. Nun, da der Konzern stabilisiert wurde und die Krise hinter sich gelassen hat, steht die Reduzierung der Beteiligung an. Das könnte möglicherweise über einen Börsengang oder über Verkäufe funktionieren. Lewis verwies am Dienstag abermals auf den Bund, nur der könne Fragen zum Zeitplan beantworten. Konkrete Termine gibt es noch nicht.
Uniper betreibt vor allem Gasspeicher und -Kraftwerke
Uniper ist in Deutschland der größte Betreiber von Gasspeichern. Außerdem betreibt das Unternehmen Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden. Gerade das Gasgeschäft stützte den Konzern im ersten Halbjahr, weil anders als im Vorjahreszeitraum keine teuren Umstrukturierungen mehr nötig waren. Dadurch stieg das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fast 90 Prozent auf 711 Millionen Euro.
Der bereinigte Gewinn verdreifachte sich nahezu auf 388 Millionen Euro. Belastet wurde das Geschäft durch ein Atomkraftwerk in Schweden, das außerplanmäßig stillstand. Auch das Geschäft mit Wasserkraft war angesichts der „außergewöhnlich niedrigen Wassermengen“ belastet, wie es Finanzvorstand Christian Barr ausdrückte.
Während schon das Jahr 2025 sehr trocken war, sei es 2024 eher feucht gewesen. „Die Wechselhaftigkeit der zur Verfügung stehenden Wassermengen nimmt zu“, sagte Barr. Das sei nicht zu beeinflussen, wirke sich aber auf die Handelsstrategie aus. Vorstandschef Lewis betonte die Bedeutung der Wasserkraftwerke, die Uniper vor allem im Süden Deutschlands betreibt: „Klimawandel bedeutet nicht nur trockenes Wetter, sondern auch mehr Hochwasser“, sagte Lewis. „In dem Fall sind unsere Anlagen sehr wichtig, um Hochwasser zu managen.“
Für das laufende Jahr wird Uniper optimistischer, das Unternehmen erwartet für das bereinigte Ebitda nun 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro und damit 100 Millionen Euro mehr am unteren Ende der Spanne. Der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen, was am unteren Ende der Spanne 150 Millionen Euro mehr wären als zuvor erwartet.
Durch den Kohleausstieg braucht Deutschland Ersatzkapazität in der Energieerzeugung. Auch Uniper will sich an der Ausschreibung beteiligen. Zwei wasserstofffähige Kraftwerke an den Standorten Gelsenkirchen-Scholven und Staudinger mit 1,7 Gigawatt Kapazität bietet der Düsseldorfer Konzern in der ersten Ausschreibung an, über die im November entschieden wird. Das Unternehmen ist zuversichtlich, die Anlagen bis Anfang 2031 bauen zu können.
