
Und dann kam doch noch ein Anflug von Spannung am Berkersheimer Weg auf. Die Spieler von Rot-Weiß Sprendlingen weigerten sich, dem FTC Palmengarten bei der Rückkehr in die Tennis-Bundesliga einfach Spalier zu stehen, und gingen gegen den ungeschlagenen Tabellenführer der Zweiten Liga Süd 3:2 in Führung. Die Rechnerei begann, welches Ergebnis reichen würde, um sich auch eine 0:9-Niederlage in der letzten Begegnung beim direkten Konkurrenten TC Wolfsberg Pforzheim leisten zu können und die vorzeitige Meisterschaft noch am selben Abend auf der heimischen Anlage zu feiern.
Die leichte Unsicherheit währte eine knappe Viertelstunde, dann hatte der Italiener Andrea Collarini im letzten Einzel den einen Punkt, der noch nötig war, gegen den Sprendlinger Christoph Negritu geholt. Die Feier konnte beginnen.
Die Abschlusstabelle am Sonntagabend drückte dann die ganze Überlegenheit des FTC Palmengarten in dieser Zweitliga-Saison aus. Mit 18:0 Punkten wurden die Frankfurter Meister vor den Sprendlingern und den Pforzheimern, die auf jeweils 12:6 Punkte kamen, nachdem sie sich dem Aufsteiger am letzten Spielwochenende 3:6 (Sprendlingen am Freitag) beziehungsweise 4:5 (Pforzheim am Sonntag) geschlagen geben mussten.
„Ich möchte mich bei allen Spielern, Teamchef Hackauff, Trainer Marx und allen Betreuern und Helfern aufrichtig bedanken“, sagte der Vereinsvorsitzende Ingo Mantzke, bevor er wegen eines wichtigen Termins die Anlage verließ, nicht ohne drei Flaschen Champagner zu hinterlassen. Die Genugtuung war bei ihm spürbar: „Wenn jemand in die erste Bundesliga passt, dann wir.“
Philipp Marx: „Wenn etwas schiefgeht, ist man sehr schnell der Depp“
Der FTC Palmengarten gehört seit deren Gründung 2009 der Kooperationsgruppe „Leading Tennis Clubs of Germany“ an, zu der elf Traditionsvereine zählen – unter anderem Iphitos München, Club an der Alster Hamburg, Etuf Essen und der Rochusclub Düsseldorf. Bei seinem Selbstverständnis war der Abstieg aus der ersten Klasse in der vergangenen Saison für den FTC Palmengarten ein schwer verdaulicher Betriebsunfall. Wie schwer verdaulich für einige, wurde sogar am Abend des Aufstiegs bemerkbar. Teamchef Hackauff kam auf die „nicht konstruktive Kritik einiger Klubmitglieder“ zu sprechen, der er ausgesetzt gewesen war. Trainer Marx machte die Erfahrung: „Wenn etwas schiefgeht, ist man sehr schnell der Depp, aber da muss man nicht hadern. Wer das nicht abkann, ist falsch im Geschäft.“
Hackauff und Marx sahen sich bestätigt, vielen Spielern des Abstiegskaders weiter zu vertrauen. Dass sie diesmal überzeugten, hat mit dem geringeren Niveau der zweiten Liga zu tun, aber auch mit dem anderen Spielformat, so Trainer Marx. In der Bundesliga spielen Viererteams, in der Zweiten Liga Sechsermannschaften. Während in der Bundesliga oft durchrotiert wurde – mal spielten die einen vier, dann vier andere –, blieben die Aufstellungen konstanter. „Wir hatten so einen besseren Teamgeist in dieser Saison entwickelt, weil die Spieler mehr Zeit miteinander verbrachten und sich näherkamen“, so Marx.
Die tragenden Kräfte waren Collarini (7:1-Bilanz) und der Argentinier Mena (8:0), die alle acht Partien bestritten, der Deutsche Florian Broska (5:2) hatte sieben Einsätze. Die Stars Juan Manuel Cerundolo (Weltranglistenplatz 52) und der ehemalige Top-30-Spieler Damir Dzumhur punkteten jeweils zweimal.
Palmengarten ist der Finanzkrösus
Einen vergleichbaren Kader hatte kein Konkurrent aufzubieten, der FTC Palmengarten leistete sich in der zweiten Klasse einen kaum reduzierten Erstliga-Etat, der fast das Doppelte der ehrgeizigsten Liga-Konkurrenten betrug. Und dann gelang den Frankfurtern auch noch ein kostengünstiger Glückstreffer aus dem Umfeld von Tennislegende Novak Djokovic. Seit Jahren schon arbeitet Teamchef Hackauff mit Carlos Gomez-Herrera zusammen. Der Spanier ist Trainer und Hitting-Partner von Djokovic und darüber hinaus ein Ansprechpartner für spanisch sprechende Tennisprofis auf der ATP-Tour aus Europa sowie Süd- und Mittelamerika. Gomez-Herrera hat Palmengarten (Hackauff: „Wir fahren seit Jahren die spanische Schiene“) im Laufe der Jahre schon viele gute Spieler vermittelt.
Und so verließen sich die Frankfurter auch diesmal auf seine Empfehlung, obwohl Mario Vilella Martinez schon länger nicht mehr in der Weltrangliste geführt wird. Der 31 Jahre alte Spanier gehört aber als Freund und Hitting-Partner zur Entourage Djokovics und damit zum Team dessen Trainers Herrera. Für Vilella Martinez ist es lukrativer, von Djokovic bezahlt zu werden, als auf der ATP-Tour sein Geld verdienen zu müssen. Dass die ehemalige Nummer 158 der Weltrangliste in den Übungseinheiten mit der 39 Jahre alten Tennislegende, die bei den Australian Open 2026 im Finale stand, nichts verlernt hat, bewies er bei seinen Auftritten in der Zweiten Liga. „Eigentlich war geplant, dass er gar nicht oder vielleicht einmal zum Einsatz kommt. Dann hat er sechsmal gespielt und sechsmal gewonnen“, erzählt Trainer Marx.
Vilella Martinez könnte auch in der Bundesliga für Palmengarten wertvoll sein. Es ist geplant, die bewährten Kräfte des Kaders zu behalten und „punktuell ein paar Anpassungen vorzunehmen“, wie Trainer Marx formuliert. Nach den Plänen von Teamchef Hackauff darf man davon ausgehen, dass Anpassungen mit Verstärkungen gleichzusetzen sind. Ein weiterer Betriebsunfall soll unbedingt vermieden werden.
