
Seit diesem Tag im Jahr 2004 firmiert der Trainer in der Welt der kickenden Millionäre unter „The Special One“. Gegen die Norm zu sein, ist zu seinem Markenkern geworden. Und gerade hat der Dreiundsechzigjährige seinem Namen mal wieder alle Ehre gemacht, als er behauptete, dass „Sabbaticals“ ein Zeichen von Schwäche seien.
Wie Mourinho darauf kommt? Die Aussage lässt sich natürlich nur als nächste Spitze in der Privatfehde zwischen Pep Guardiola und ihm deuten. Der spanische Trainer gönnt sich nach zehn Jahren bei Manchester City im Moment eine Auszeit. Mourinho, in der neuen Saison wieder Trainer von Real Madrid, braucht das nicht, sagt er. Er hasst schon das Wort. Ende der Durchsage.
Und? Schon schwindlig?
Dabei gäbe es noch so viel zu sagen und schreiben. Dass das Gesagte besonders ist zum Beispiel, steht wohl außer Frage, wenn es vom „Special One“ höchstpersönlich kommt – nur muss man in diesem Fall noch ein Wörtchen hinzufügen: besonders dumm. Weil sich eine Pause meist nur die leisten können, die aus einer Position der Stärke heraus agieren können. Weil sie Mut erfordert, wenn der Weg zurück noch nicht vorgezeichnet ist. Ein geschasster Drittligatrainer wird kein Jahr ohne Job bleiben, sondern so schnell wie möglich einen neuen Arbeitgeber finden wollen.
Das Trainer-Karussell, heißt es gerne, dreht sich immer schneller und schneller heutzutage. Mourinho weiß das. Er hat eine Dauerfahrkarte. Während Guardiola in Manchester eine Ära prägte, war er bei fünf verschiedenen Klubs. Nun ging es gleich weiter zum nächsten. Und? Schon schwindlig?
Mal für einen Moment aussteigen, eine Auszeit nehmen, den Kopf freibekommen und das Spiel aus einer anderen Position betrachten, vielleicht sogar mit anderen Augen sehen, um daraus etwas abzuleiten für eigene Ideen – all das kann wertvoll sein. Für Fußballtrainer. Aber auch für alle anderen, die in ihrem Beruf von einem Tag zum nächsten hetzen, dass einem so übel werden kann wie bei einer Karussellfahrt.
Mourinho ist all die Jahre über sitzen geblieben. Der Mann fürs Besondere hält am Bewährten fest, während die Welt sich weiterdreht. Wohin ihn das zuletzt geführt hat? Seit dem Gewinn der drittklassigen europäischen Conference League 2022 mit der AS Rom hat der Portugiese keinen großen Titel mehr gewonnen. Davor lagen schon einmal fünf titellose Jahre hinter ihm. Und plötzlich ergibt alles einen Sinn. Wohl keiner derjenigen, die als große Trainer des 21. Jahrhunderts gelten, kennt sich mit langen Auszeiten so gut aus wie Mourinho. Kein Wunder, dass er „Sabbaticals“ nicht ausstehen kann.
